Band 
Siebenter Band. M bis N.
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4L0 Mohammed IV. (türk. Kaiser) Mohammed-Ali

Grabbefahl er die Worte zu setzen: „Ich wollte Rhodus einnehmen und Italien erobern"; wahrscheinlich um damit s. Nachfolgern ihre Pflicht einzuschärfen. Wen»glänzende Eigenschaften und umfassender Ehrgeiz, besonnener Muth und glücklicheErfolge einen großen Fürsten, unmenschliche Grausamkeit, schändliche Treulosigkeit,niedrige Ausschweifungen, stete« Hohnsprechen aller Gesetze dagegen einen Bösewichtmachen: so muß man gestehen, daß M. I I. beides gewesen. Er sprach Griechisch,Arabisch und Persisch, verstand Lateinisch, zeichnete und inalte, hakte Kenntniß in derGeographie und Mathematik und kannte die Geschichte der größten Männer des Al-terthums. Kurz, er würde mit dem erhabensten Helden zu vergleichen sein, wenn s.Grausamkeiten nicht s. Ruhm befleckt hätten. Die Politik hemmte zuweilen denUngestüm s. Charakters, aber nur zu oft wurde er von ihm hingerissen; doch sindnicht alle Thatsachen, die man von s. Unmenschlichkeit anführt, beglaubigt.

Mohammed IV., geb. 1042, wurde, nachdem sein Barer Ibrahim ineinem Aufstande der Ianitscharen erdrosselt worden war, als Knabe von 1 I. aufden Thron erhoben. Seine Großmutter, ein herrschsüchtiges Weib, führte dieRegierung, ward aber in einer Serailrevolution umgebracht. Der berühmteGroßvesier Mohammed Kuperli (oder Kuprili) ward nun an die Spitze der Re-gierung gestellt. Diesem großen Minister und s. ebenso großen Sohne und Nach-folger halte das türkische Reich das Ansehen zu danken, in welchem es sich noch bisgegen das Ende des 17. Jahrh, erhielt. M. N. s.lbst war ein unbedeutenderRegent, dessen vorzüglichste Leidenschaft die Jagd war. Kuperli wendete seinemeiste Sorge auf die Herstellung der innern Ruhe des Reichs, welcher er einegroße Anzahl Menschen opferte. Daher ward auch der schon 164,7 angefangeneKrieg gegen die Denetianer, besonders wegen der Insel Kandia, nur schwach fort-gesetzt. Aber 1607 unternahm Achmek Kuperli, einer der größten türkischen Feld-herren, die in der Kriegsgeschichte berühmt gewordene Belagerung von Kandia(s. d.), welche 2 Jahr 4 Monate dauerte. Die Capirulation ward am 5. Sept.1069, zugleich mit den Friedensbedingungen zwischen Venedig und den Türken,unterzeichnet. Früher (1600) war wegen Siebenbürgen ein Krieg mit deni Kai-ser Leopold entstanden. Die Türken hatten bereits beträchtliche Fortschritte inUngarn gemacht, als sie am 3. Aug. 1064 von Mvntecuculi bei St.-Gotchardvöllig geschlagen wurden. Dessenungeachtet nahm der Kaiser, zum Erstaunen Al-ler, den von den Türken angeborenen 20jährigen, ihm nnvoriheilhaftcn Waffen-stillstand zu Temeswar an. Noch nie hatten die Türken sich den Grenzen Deutsch-lands so sehr genähert als jetzt. Die Anarchie, welche unter dem König Michaelin Polen herrschte, und die Unruhen der Kosacken veranlaßten 1672 einen Kriegder Türken gegen Polen , welches den Frieden unter schimpflichen Bedingungenerkaufen mußte. Aber der große polnische Feldherr Johann Sobieski rächte dieSchmach seiner Nation durch einen entscheid öden Sieg bei Choczim (1673) underzwäng (1676) von denTürken einen ehrenvollen Frieden. Auch trug Sobieski dasMeiste zu dem Entsatze von Wien bei, das in dem (1683) durch die Mißvergnügten inUngarn veranlaßten Kriege von dem GroßvesierKaraMustapho mit 200,000 M.,wider den Rath der Verständigen, länger als 6 Wochen belagert wurde. Die Türkenwurden in ihrem Lager, am 2. Sept., von dem verbündeten christl. Heere angegriffenund mit außerordentlichem Verlust geschlagen. Der Großvesier Mußte seinen großenFehler mit dem Kopfe büßen. Der Kaiser, Polen,Rußland und Venedig schloffen nunein Bündniß wider die Türken, die fast überall Verlust erlitten und u. a. am 12. Aug.1687 bei Mohacz von dem Herzog Karl von Lothringen gänzlich geschlagen wurden.Da man alle diese Unfälle der Weichlichkeit und Trägheit des Sultans M.I V. zu-schrieb. so ward er 1687 abgesetzt und starb im Gefängniß 1691.

Mohammed-Ali (auch Mehemed-Ali) Pascha, Vicekönig von Ägyp-ten, wozu auch Nubien und Dongola jetzt gehören, nach Soll'« u. A. Urtheil gegenwär-