458 Mohs's naturhistorische Methode der Mineralogie
auf die regelmäßigen Gestalten des Mineralreiches anzuwenden; aber den Gedan-ken, das Ganze, so weit es die Combinationen betrifft, gleichsam in ein einzigesProblem zusammenzufassen, hat MohS zuerst i» den „Gleichungen zur Entwickelungund Berechnung zusammengesetzter Krystallgestalten u. s. w." ausgeführt (Gil-bert'S „Annal.", Bd. 68). Die Unentbehrlichkeit einer wissenschaftlichen Krystallo-graphie, von der Hauy das erste Beispiel gegeben, ist in der Mineralogie allgemeinanerkannt. Auch die Chemiker sollten sich ihrer mehr befleißigen, und zwar nichtbloß in Beziehung auf die Untersuchung der Mineralien, sondern auch andrer kry-stallistrter Körper, weil ihnen wahrscheinlich mancher wesentliche Unterschied der-selben entgeht, indem sie die Gestalten nicht hinreichend unterscheiden. Die Be-zeichnung, welche MahS für die Krystalle gebraucht, wendet er auch auf die Ge-stalten an, die durch das Zerspalten oder Theilen der Mineralien, wie er es nennt,entstehen. Denn diese Bezeichnung ist einmal vorhanden, und kein wörtlicherAusdruck kann an Ldchärfe und Bestimmtheit sie erreichen, da sie selbst dem Calculgenügt. Außer den Krystallisationen und was mit denselben unmittelbar verbun-den ist, sind in der Mineralogie von MohS eigenthümliches Gewicht undHärte der Mineralien die wichtigsten der Eigenschaften, welche in Betrachtunggezogen werden, weil sie am genauesten und mit der größten Übereinstimmung vonJede, mann bestimmt und durch Zahlen ausgedrückt werden können. Indeß grün-det sich diese Mineralogie nicht lediglich auf die genannten 3 Eigenschaften oderKennzeichen; denn auch die übrigen kommen, doch nur da, wohin sie gehören undwo sie brauchbar sind, in Anwendung. — Dar 2. Hauptstück, welches die Be-griffe entwickelt, die nicht aus unmittelbarer Wahrnehniung entstehen, nennt-Mohr die Systematik. Er zeigt nämlich, daß in der Natur bloß Individuenund ihre Zusammensetzungen und Gemenge, nicht aber Species, Genera, Ord-nungen u. s. w. existier», oder daß wir die Vorstellungen von diesen nicht unmit-telbar aus der Natur erhalten. Deßwegen läugnet er ein System der Natur. Manmuß ihn hier jedoch recht verstehen und sich mit ihm genau auf dem Standpunkteder Naturgeschichte halten, wo es nicht die Frage sein kann, ob andre Wissen-schaften einem solchen Begriffe Realität zu verschaffen vermögen oder nicht. DasWichtigste in diesem Abschnitte ist die Bestimmung der Species. M. eicklärt,daß das Bestehen oder Fallen der Naturgeschichte deü Mineralreiches davon ab-hänge, ob dieser Begriff lediglich nach naturhistorische» Eigenschaften zu Standegebracht werden könne oder nicht. Er legt den Begriff der Einerleiheit zum Grundeund nennt Mineralien einerlei, wenn sie in allen ihren naturhistorischen Eigenschaf-ten schlechthin mit einander übereinstimmen. So urtheilt Jedermann; und dieAnwendung aller übrigen Wissenschaften, z. B. der Chemie, auf die Mineraliengründet sich auf dieses Urtheil. Er sucht nun gewisse andre Mineralien, die zwarnicht schlechthin einerlei, also in ihren naturhistorischen Eigenschaften wirklich ver-schieden sind, durch ein eignes Verfahren unter den Begriff der Einerleiheitzu bringen, und nennt solche, die dies gestatten, gleichartig. Dieses Verfahrenbesteht darin, daß die Verschiedenheiten, welche verursachen, daß Mineralien, andenen sie sich finden, nicht schlechthin einerlei sind, durch den Begriff der Kennzei-chenreihen, oder der Reihen der Abstufungen, in den naturhistorischen Eigenschaf-ten aufgehoben werden. Denn wenn Dasjenige, worin 2 oder mehre Dinge sichunterscheiden, unter einem höhern Begriffe steht oder enthalten ist, so sind dieDinge in Hinsicht auf diesen höhern Begriff nicht mehr verschieden. Der höhereBegriff ist hier die Kennzeichenreihe; die niedrigern, welch« die Verschiedenheitenhervorbringen, insofern sie unter dem höhern stehen, sind Glieder dieser Reihe.Läßt auf 2 oder mehre Mineralien dieses Verfahren sich nicht anwenden, d. h.lassen ihre Verschiedenheiten durch die Begriffe der Kennzeichenreihen nicht sich auf-heben, so sind sie nicht gleichartig, Die Vorstellung der Kennzeichenreihen wird