Mohs'S naturhistorische Methode der Mineralogie 45?
durch die Entwickelung der Reihen der Krystallgestalten vollkommen klar, und ihrGebrauch erhält durch diese seine Sicherheit. Die Reihen der Krostallgestaltcnerhalten daher, und mit ihnen die Mechode der Krystallographie, welche sich aufsie gründet, eine besondere Wichtigkeit für die Naturgeschichte des Mineralreiches,weil durch ste es möglich wird, den Begriff der Gleichartigkeit zu construire», wel-ches M. zwar schon früher in der2. Aufl, seiner „Charakteristik", am ausfükrlich-sten jedoch in seinem „Grundrisse" gezeigt hat. Der Begriff der Gleichartigkeit undder Begriff der Species sind Wechselbegriffe. Was gleichariig ist, gehört zu einerSpecies, und umgekehrt. Aus den Kennzeichenreihen erklären sich die Übergänge,und cS folgen aus ihnen auch die Regeln für die Eintheilung der Species, welchejedoch, sowie auch die Bestimmung der Species nach einzelnen Merkmalen, manmöge ste wählen und verbinden wie man wolle, verworfen wird, indem mandabei den Begriff der Species und den Charakter der Species, 2 gänzlich ver-schiedene Dinge, mit einander verwechselt. Die Schlüsse, welche von Minera-lien, die einerlei sind, gelten, werden nun auch für die gleichartige» als gültiganerkannt. Wenn der Chemiker einen Flußspath, der in Würfeln krystalüsirt,zerlegt hat, so behauptet er, daß er auch die Mischung eines ander» kenne, der inOktaedern krystallisier. Die Verschiedenheiten, welche man in den Bestandtheilenmancher Mineralien, die zu einer Species gehören, gesunden hat, zeigen wol. daßman hier nicht eine absolute Übereinstimmung der Qualität und Quantität nacherwarten dürfe, sowenig als die naturhistorische Gleichartigkeit schlechthin Einer-leiheit voraussetzt; vielleicht selbst dann nicht, wenn die zerlegten Mineralien In-dividuen und vollkommen rein waren. Es kommt also darauf an, den wahren undeigentlichen Charakter der Mischung gleichartiger Mineralien, oder den chemischenCharakter der Species auszumitteln, von welchem M. behauptet, daß er mit derrichtig bestimmten naturhistorischen Species übereinstimmen, und welche zu fin-den, die naturhistorische Methode die Anleitung geben müsse. Die naturhistorischeSpecieS wird also die Grundlage in allen denjenigen Wissenschaften, welche sichauf die Mineralien beziehen, wie sie es im Thier-und im Pflanzenreiche ebenfalls«st; und welches System, oder in welcher Wissenschaft man ein System von denMineralien zu Stande zu bringen denkt! die Species muß überall dieselbe, nur ineinem chemischen chemisch, in einem zur Naturgeschichte gehörigen naturhistorischbestimmt sein. In einem chemischen Systeme wird man nun auch den näcbstall-gemeinen Begriff, den Begi iff des Geschlechtes, nach chemischen Gründen bestim-men; denn man würde widrigenfalls eine grobe Inconsegnenz begehen. WennMan dagegen in der Mineralogie, welche die Naturgeschichte des Mineralreichesist, mit Hauy und andern berühmten Mineralogen, das Geschlecht chemisch be-stimmt, so ist die Inconseguenz, welche man begeht, nicht minder groß. Es istwol natürlich, wenn man in einem Theile der Naturgeschichte, der noch Nicht alsWissenschaft ausgeführt ist, auf eine schwierige Stelle stößt, nachzusehen, welchesVerfahren oder welchen Grundsatz man in den ausgeführten Theilen derselben be-folgt und angewendet habe. Die Bestimmung des Geschlechts in der Mineralogie»N»ß Schwierigkeiten gehabt haben, denn die Mineralogen sind darin nicht nurdurchaus uneinig, sondern sie greifen fast ohne Ausnahme zur Chemie und beken-nen damit, daß sie in ihrer eignen Wissenschaft kein Mittel zu finden wissen, dieseBestimmung zu bewerkstelligen. Es ist hier picht von einer bloßen Einrheilung dieRede; denn bei dieser fallen alle Schwierigkeiten hinweg. In der Zoologie undBotanik werden alle diejenigen Arten oder Species in ein Geschlecht vereiniat.Welche einander in einem gewissen Grade ähnlich sind. Es ist also die natinhisto-sche Ähnlichkeit der Grundsatz, nach welchem die Geschlechter, aber auch die Ord-nungen u. s. w., gebildet werden. Man ist gewohnt, den Begriff der naturhistori-rischen Ähnlichkeit unbestimmt und schwankend zu finden. Man will wissen, an