Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
458
JPEG-Download
 

45 «

Mohs's namrhistorische Methode der Mineralogie

welchen (einzelnen) Merkmalen man erkennt, daß eine gegebene Species in ein ge-wisse« Geschlecht gehöre, und laßt sich dadurch verleiten, au« einzelnen Merkmalenden Begriff des Geschlecht« zu bilden, Linn>-,'S Grundsatz zuwider, daß „nicht derCharakter (kenn das sind die einzelnen Merkmale) da« Geschlecht (dessen Begriff),sondern da« Geschlecht den Charakter bestimme". Wenn man sich hiervon über-zeugt Hai und nun einsieht, daß die naturhssorische Ähnlichkeit nicht auf einzelnenEigenschaften beruht, sondern daß sie der Ausdruck der Gesammtheit derselben ist,und wen» man sich gewöhnt hat, die Species als Ganze, nicht die einzelnen In-dividuen oder Varietäten, welche sie enthält, zu betrachten (was freilich in der Zoo-logie und der Botanik leichter ist als in der Mineralogie): so findet der Begriffder naturhistonschen Ähnlichkeit im Mineralreiche genau dieselbe Anwendung wiein den übrigen Naturreichen; und M. hat diesen Begriff daher nicht nur als denGrundsatz zur Bestimniung der Geschlechter, sondern als das allgemeine Principder Classisication angewendet, indem dieser die Bestimmung der Species, welcheclassisicirt werden sollen, vorausgegangen sein muß, mit deren Begriffe, in Absichtauf dessen Erzeugung, die ClaMcation also nichts weiter zu thun hat. Aus ähn-liche Weise werden die Ordnungen hervorgebracht, die mit den natürlichen Fa-milien in der Botanik übereinstimmen, und selbst die Classen. Denn „die Ord-nung ist das Geschlecht der Geschlechter; der Ordnungen Geschlecht aber ist dieClasse". M. erklärt die Begriffe der Ordnungen und der Classen für solche, dieman nicht nöthig habe, um zu einer ausführlichen Vorstellung von dem Mineral-reiche zu gelangen, weil diese entsteht, indem man sich eine Reihe naturhistorischerGeschlechter denkt, die man aber nicht entbehren könne, wenn es darauf ankommt,die Gegenstände der Natur unter die Begriffe des Systems zu subsiimiren; undnennt da« auf dem bisherigen Wege entstandene System das natürliche, im Ge-gensatze der künstlichen, welche auf bloße» Ei,»Heilungen, nach einzelnen Eigen-schaften oder Merkmalen, beruhen. Er behauptet, daß eü nur ein natürlichesSystem geben könne, zu welchem sein Versuch eine bloße Annäherung sei, wasaber wegen der Beschränktheit der Erfahrung nie erreicht werden werde: denn dieNatur äußere sich in Allem, also auch in Hinsicht auf die nakui historische Ähnlich-keit, ste:s ausgleiche Weise, oder sie sei einstimmig mit sich selbst. Verschiedenenatürliche Systeme würden verschiedene Arten der naturhistonschen Ähnlichkeit(hier ist nicht von verschiedenen Graden die Rede) voraussetzen, welche man sichnicht vorstellen kann. Natürliches System und System der Natur dürfen nichtverwechselt werden; deßwegen würde das erste besser ein synthetisches System hei-ßen, Übrigens nimmt M. die Atmosphärilien aus guten Gründen in sein Systemauf, worin er mit einigen andern Mineralogen übereinstimmt.

Das Mmeralsystem ist, sowie jede« andre Natursystem (in der Zoologie oderder Botanik, die künstlichen ausgenommen) eine Darstellung der Natur, wie sieunter dem Principe der naturhistonschen Ähnlichkeit erscheint, und gibt demnacheine zusammenhängende und geordnete, d. i. eine systematische, Übersicht der We-sen, welche das Mineralreich begreift. Die Nomenclatur ist der wörtlicheAusdruck Dessen, was das System vorstellt, und muß daher nicht nur die Gegen-stände (Vpecies) benennen, sondern auch den Zusammenhang andeuten, welcherunter ihnen, in Hinsicht auf die naturhistorische Ähnlichkeit, herrscht, oder mitEinem Worte, sie muß systematisch sein. Eine Nomenclatur, welche die Gegen-stände bloß nennt, ohne die Verbindung derselben unter einander anzugeben, ist einetrivielle Nomenclatur. M. nennt die Nomenclatur einen Spiegel, in welchemdie ganze Wissenschaft sich abbildet. Er rechtfertigt den Versuch einer sostemati-schen Nomenclatur, von welcher eS sich, insofern man Naturgeschichte beabsichtigt,von selbst versteht, daß sie nicht wie der Theil der Hauy'schen Nomenclatur, wel-cher systematisch ist, chemisch sein dürfe, damit: daß die Nothwendigkeit derselben