Mohs's naturhistorische Methode der Mineralogie 459
schon indem Begriffe der Naturgeschichte selbst liege, daß sie die allgemein» Regelfür die Benennung neu entdeckter Arten enthalte, wobei außerdem bloße Willkürobwaltet, daß sie eins der wirksamsten Mittel, sich Kenntnisse, und zwar geordne-te, zu erwerben, für den Anfänger sei, und daß sie der unnützen Vervielfältigungder Namen vorbeuge; und gibt als besondern Veranlassungsgrund ihrer Einführungan, daß, da die bisherige Nomenckatur wegen der Berichtigung der Bestimmungvieler Arten einmal geändert werden mußte, weil keiner der ältern Namen der indiesen berichtigten Arten enthaltenen Varietäten auf sie angewendet werden konnte,ohne die schon bestehende Verwirrung zu vergrößern, er es für unverzeihlich ange-sehen haben würde, wenn die Nomenclatur nicht eine systematische Einrichtung er-halten hätte. Die systematische Nonienclatur ist bloß zu wissenschaftlichem Ge-brauche bestimmt, für diesen aber auch unentbehrlich. Bei nicht wissenschaftlicherBeschäftigung mit den Mineralien ist auch die Nomenclatur eine gänzlich gleich-gültige Sache. Die systematische Nomenclatur hak, wie die trivielle, ihre Regeln,die dadurch, daß sie bisher nicht beobachtet worden sind, keineswegs aufgehobenwerden. Bei der Entwerftmg der systematischen Nomenckatur Hai M. sich allerunnöthigen Neuerungen enthalten und für das ganze Mineralreich, sowie seinSystem e« enthält, nur 2 neue Namen gebraucht, dabei aber die Bedeutungeiniger andern geändert, oder eigentlich ihnen durch den davon gemachten Gebraucherst eine wirkliche Bedeutung gegeben, wodurch seine Nomenclatur, selbst für An-fänger, leicht verständlich wird. Dem Einwürfe, daß seine Benennungen lang sindund aus 2 Wörtern, von denen das eine selbst noch zusammengesetzt ist, bestehen,begegnet er dadurch, daß es besser sei, durch 2 Wörter Etwas, und gerade Das,,worauf»- in der Naturgeschichte ankommt, als durch ein einziges Nichts, oder et-wa« nicht hierher Gehöriges zu sagen. — Diese 3 Hauptftücke, die Terminologie,die Systematik und die Nomenclatur, sind in der Methode des Pros. M. als die-jenigen anzusehen, welche die Vorbereitung zur Anwendung der Mineralogie auf dieNatur, die beiden übrigen, die Charakteristik und die Physiographie als diejenigen,welche diese Anwendung selbst enthalten. Man will nämlich mittelst der Natur-geschichte aus den Eigenschaften eines NakurgegenstandcS, dessen svstematische Be-nennung, oder aus dieser Benennung, eine Vorstellung von den Eigenschaften desGegenstandes, d. i. ein Bild desselben, erhalten. Zu den ersten dient die Cha-rakteristik, zu den andern die Phyfio grao h ie; und aus diesem Gesichts-punkte, d. h. genau ihren Begriffen gemäß, müssen beide, insbesondere die Charak-teristik des Pros. M. beurtheilt werden, der zuerst den Gedanken faßte, sie in dieMineralogie einzuführen und durch sie die Wissenschaft zu ergänzen und zu vervoll-ständigen. Das Studium der Mineralogie wird dadurch dem Studium der Bota-nik gänzlich gleich; er hört auf empirisch zu sein, es wird wissenschaftlich und sicher,und, was vorzüglich erwogen zu werden verdient, es leitet zur nakurhtstorischen Un-tersuchung der Mineralien und zur Beobachtung ihrer Eigenschaften, wodurch densämmtlichen Wissenschaften, welche diese Körper zum Gegenstände haben, in kurzerZeit große Vortheile zuwachsen werden. Wenn einem Anfänger ein Mineral vor-kommt, welches er nicht kennt oder nicht vorher schon so oft geseben hat, daß er esvon andern zu unterscheiden vermag, so nützen ihm alle vorhandene Lehrbücher nichts,es kennen zu lernen, weil keinS zu diesen, Zweck« eingerichtet ist. Es ist aber dochdas Erste, den Gegenstand von andern gehörig zu unterscheiden, wenn man sichKenntnisse, zumal solche, welche über das Gebiet der Naturgeschichte Hinausliegen,von ihm erwerben will; denn um dies zu können, muß man den Namen oder dieBenennung desselben wissen. Darum ist die Charakteristik, welche dies zu leistenbestimmt ist, ein sehr wichtiger Theil der Mineralogie, obwol nicht der wichtigste,denn die übrigen Hauptstücke sind ihr an Wichtigkeit vollkommen gleich, und keinsderselben darf fehlen, wenn die Mineralogie als wissenschaftliches Ganzes bestehen