Band 
Siebenter Band. M bis N.
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518
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518 Moruspiel Morast

keitsmoral, diese eine Gesehmoral aufstellte. In der neuern Zeit stellte sich Kantdem Eudamonismus durch seine Autonomie der praktischen Gesetzgebung unddurch seine Pflichtenlchre entgegen, welche wie die stoische auf innern Zwang undZwiespalt gebaut ist. <S. Kant.) Die Formeln, in welchen man das Sitten-gesetz ausspricht, und die man, wie oben gesagt, häufig auch Moralprincip nennt,sind sehr verschieden; z. B. strebe nach Vollkommenheit; strebe nach Glückselig-keit; lebe naturgemäß; folge den. Gewissen; Handleder menschlichen Würde ge-mäß; behandle die Menschheit nicht als Mittel; handle so, daß die Maxime dei-nes Willens mit einem allgemeinen Gesetze für vernünftige Wesen übereinstimmt,welches bekanntlich die Kanl'sche Formel ist., Über das Moralprincip und seineVerschiedenheit handeln vorzüglich Garve 'gÜbersicht der vornehmsten Principiender Sittenlehre" Breslau 1798) und I. C. F. Meister,Über die Gründe derhoben Verschiedenheit der Philosophen im Ursatze der Wittenlehre rc." (Züllichau 1812. 1.).

M o r a sp i e l, ein schon im Alterthume bekanntes, in Italien sehr gewöhn-liches Spiel, welches darin besteht, daß Jemand eine oder beide Hände mit mehroder weniger eingeschlagenen Fingern ausstreckt, und ein Andrer in demselben Au-genblicke angibt, wie viel Finger Jener nicht eingeschlagen hat.

M o r a st. Wenn ein thonarkiger, lehmiger Boden wenig Fall hat, Bäumeund Sträucher die Austrocknung verhindern, so lockert das Wasser, welches ent-weder durch den Regen oder von andern Orten her sich ansammelt, zuerst den Bo-den dadurch auf, daß es in denselben eindringt. An solchen Stellen wachsen nichtnur viele Degetabilien üppig, sondern es häufen sich auch eine Menge Thiere ausden niedern Classen an, beide sterben dann aber auch in großer Anzahl ab undgehen unter Begünstigung der Wärme schnell in Fäulniß über; ihre Überreste ver-mengen sich wiederum mit den Bestandtheilen des Bodens: so entsteht der Morast,der eben der Fäulnißprocesse wegen, welche ununterbrochen in demselben vor sich ge-hen, einen großen Einfluß auf die Gesundheit der Anwohnenden hat. Die ponti-nischen Wümpfe in Italien , die Gegenden ÄgnptenS, welche vom Nil über-schwemmt werden, viele Gegenden an großen Flüssen, am Senegal , Po u. s. w.,fast ganz Westindien, Holland, Ungarn, Polen, in Deutschland Hanoverw. gebendie Belege dafür. Die eigenthümliche Beschaffenheit der Stoffe, welche den Mo-rästen ihren Ursprung verdanken und der Gesundheit der Menschen so nachkheiligsind, ist freilich nicht bekannt; man muß jedoch vermuthen, daß sie gasartig, demSauerstoffgas entgegengesetzt sind und vorzüglich aus Wasser-, Kohlen- und Stick-stoff bestehen. Man faßt sie unter der Bezeichnung von Sumpfluft (s. d.) oderSumpfmiasma zusammen. Die Art und der Grad der Einwirkung auf denmenschlichen Körper wird aber vorzüglich durch den Grad der Wärme modificirt,welche zugleich vorhanden ist. Moräste, die gefroren sind, schaden gar nicht; beimäßiger Wärme erzeugen sie Wechselfieber, welche leicht bösartig werden, immersehr hartnäckig sind; bei höherm Wärmegrade bösartige, gastrische, gallige, schlei-mige, remittirende Fieber und Rühren; bei großer Hitze endlich die orientalischePest und das gelbe Fieber, das man als occidentalische Pest bezeichnen kann, fernerdie Cholera (Obolrra inarbn-;, s. d.). überhaupt hat Man beobachtet, daßder Unterleib bei allen Sumpfkrankheiten vorzüglich leidet. In morastigen Ge-genden herrschen diese Krankheiten endemisch und werden unter begünstigendenUmständen leicht ansteckend. Aber auch die Einwohner dieser Gegenden, welchegesund genannt werden, haben ein elendes, dürftiges Ansehen, sie bleiben klein,sind schwach, blaß, schlecht genährt; ihre Geistesfäbigkeiten werden niedergedrückt;ihre Gemüthsstimmung ist traurig und sinkt endlich zur Indifferenz. Im mil-dern Falle herrscht die lymphatische Constitution, im schlimmern die venöse unterbösen Modisicationen vor. Üm so großen Übeln entgegenzuwirken, sind Wasser-