5 t r> Moscherosch (Johann Michael — Quirinus)
eigner Erzählung, auf der Reise sich einer dazu besonders eingerichteten und zumAusammenschlagen gefertigten Tastatur ohne Saiten bedicnr, zeigt sich bei die-sen, Virtuosen nach zwei Leiten bin gleich groß; nämlick ebenso sehr im Glänzen-den und Gewaltigen als im Hervorbringe» des Zierlichsten und Niedlichsten. WeinSpiel hat eine Kraft, Dauer und Schnelligkeit, welche bei einem eben nicht kräf-tigen , vielmehr etwas schwächlichen Körper überraschend ist und zugleich als dasResultat innerer Energie angesehen werden muß. Seine vollgriffigen Passagenund gewaltigen Sprünge zeigen eine Sicherheit und Rundung, die ebenfalls beider kleinen, aber sonst schön gebauten Hand auffalle,it ist. In, Glänzenden undKräftigen aber, wie im Zierlichen und Nette», verräth sich der höchste Fleiß derAusarbeitung. Diese Kraft und Präcision des Spiels machen dasselbe für denVortrag des Majestätischen wie des Leichttändelnden und Scherzende» gleich geeig-net. Weniger finden wir ihn einheimisch in dem gehaltenen, singenden Adagio,und das Sentimentale scheint ihm fremd zu sein, so viel sich aus öffentlichen Lei-stungen schließen läßt. Er ist sekr originell in Passagen, und die Bildung origi-neller Passagen ist oft der Mittelpunkt seiner freien Phantasien, die darum auchzum großen Lheil die Gestalt von Variationen annehmen. Aber er ist immer mitganzer Aufmerksamkeit bei seinen, Spiele gegenwärtig, und sei» vortrefflicher An-schlag nimmt die Farbe aller Gemürhszuständean, in denen er gern verweilt; waser aber auch vortrage, inimw wird der Reichkbum, Glanz und die Sicherheit seinerVirtuosität des glänzendsten Erfolgs gewiß sein. — Das Betragen dieses Virtuo-sen zeigt einen ruhigen, verständigen Sinn, der sich durch ein frühes Leben in dergroßen Welt gebildet hat, eine Beherrschung seiner selbst, welche sonst in diesen()akr>» selten ist. In Gesellschaft schweigt dieser Künstler mehr als er spricht;wenn er aber über seine Kunst redet, da spricht er seine Meinung minier mit einermännlichen Bestimmtheit aus. Seine Artigkeit und Gefälligkeit ist nie mir Ver-gessen seines Werthes verbunden, und in seinem Urtbeil strebt erden fremden an-zuerkennen. Unter seinen frühern Tompositionen sind, außer den angeführten Ale-pandersvariationen, anzuführen die Beethoven gewidmete Sonate, »nd die
»>, l.nmullgu,-. ein Weptett mit Pianoforte, eine Pbantasie im ital. Style,die Ulearl >ll bravu,» (letztere nur für bedeutende Tlavierspieler ausführbar), einvierhändiges Rondo und eine vierhändig»' Sonate (bei Artaria in Wien erschienen),fern'r die brillanten Variationen über das Thema „ Zu <A>ir ,1,- b, l»,,e", welcheeine reiche Phantaste beurkunden, und „.lustig ei!>„j»u,st I>u>", ein einzelnes cha-rakteristisches Tlavierstück, »nd seine Etüden und mehre elegante Tonstücke. Außer-dem hat er 5 Pianoforkeconcerte in folgender Drdnung geschrieben: 1) aus I',welches auch zuerst (bei Tappi undDiabclli in Wien ) erschienen ist; 2) ein brillan-tes und an Schwierigkeiten reiches Concert aus kA-<Inr. welches eine große Polo-naise als Schlußsatz enthält und noch nicht erschienen ist; 3) aus 6-,iic>I> (in Wien bei Mechetti), das phantasiereichste und gediegenste Werk, welches wir von diesemMeister kennen; 4) aus L-ckur (Wien bei Steiner), und 5) aus 0->l„r (nochMscpt.). 44.
Moscherosch (Johann Michael), eigentlich Kalbskopf, e'ner der vorzüg-lichern deutschen Schriftsteller d. 17. Jahrh., geb. d. 5. März 1600 zu Wilstedt in t. Grafsch. Hanau-Lichtenberg (Badischen ), wo sein Vater Prediger war, siu-dirte zu Strasburg, wurde 1624 Magister, 1828 Hofmeister der jungen Grafenv. Leiningen-Dachsburg, 1628 Amtmann bei dem Grafen v. Krichingen und1836 Amtmann bei dem Herzoge Ernst Bogislaus v. Troi zu Binstingen an derSaar, von wo er nach Strasburg flüchtete, um dem Ungemach des Krieges, inwelchem er sein ganzes Eigenthum verloren hatte, zu entgehen. Darauf ward erkön. schwedischer Kriegsrath, wie auch späterhin Secretair und Fiscal zu Stras-burg; endlich 1656 ernannte ihn der Graf Friedr. Casimir v. Hanau zu seinem