Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
558
JPEG-Download
 

556

Moses Mendelssohn

um eines einzigen Zweifels willen, den er sich im Gedränge der Noth gegen Gott hatte zu Schulden kommen lassen, die vollkommene Ausführung seiner Idee nichteinmal erleben. Nachdem er den Feldherrn Iosua zu seinem Nachfolger bestimmtund von dem Volke feierlich Abschied genommen haue, besteigt er einen Berg inPei äa jenseits des Jordans, von dem er das gelobte Land, das er selbst nicht betretensollte, überschaut und sein mühevolles Leben im 120. Iahte beschließt. Der aber-gläubischen Verehrung s. Gebeine hatte er durch den Befehl, ihn heimlich zu beer-digen, vorgebeugt, und Niemand kennt die Stalte s. Grabes. Das herrlichsteDenkmal s. Geistes und s. Verdienste enthalten die Bücher, die unter s. Namenan der Spitze des Alten Testaments stehen. Weil darin sein eigner Tod erzähltund Manches erwähnl wird, was einer spätern Zeit angehört, weil das Materialauf das er schrieb, Stein, und daher kaum möglich war, auf demselben Schriftenvon so grofiem Umfange, wie die Mosaischen Schriften sind, aufzubewahren, mußtedie Kritik allerdings ihre Abfassung und Anordnung in die 5 Bücher (daher imGriech. ihr Name Pemaleuchos) einem spätern Schriftsteller aus dem David'schenoder «Lalomo'schen Zeitalter zuschreiben. Dennoch bleibt es immer gewiß, daßM. die Nachrichten von der Geschichte der Urwelt, die das 1. Buch (Genesis ) ent-hält, gekannt und, wenn auch vielleicht mündlich, auf die Nachwelt gebracht, die10 Gebote und die Beschreibung des Zugs der Israeliten durch die arabische Wüsteim 2. (Exodus) und 4. Buche (Numeri), und solche Gesetze, die er der unsichernSage nicht überlassen konnte, in diesen beiden, dem 3. (LeviticuS) und 5. Buche(Deuteronomium) selbst aufgeschrieben hat. Nicht weniger gewiß gehören ihmdie herrlichen Lieder an, in denen er die Rettung am rothen Meere feiert und dasVolk vor s. Tode segnet und entläßt. Die Sammlung dieser Bruchstücke, ihreElnkl-'idi:.>g, Verbindung und Ergänzung aus vorhandenen Überlieferungen magfreilich das Werk einer spätern Zeit sein, die sich nicht genauer, als oben geschehen ist,angeben läßt. Vgl. Michaelis's „Einleitung in die göttlichen Schriften des altenBundes" (Th. 1,Abth. 1, §. 32sg.); Astruc'S „Loiijeetures sur les mc»>»iresoissNnnix. ür>nl H i>m.iit, c^ie älovxe x'rxl servi pinir cnmposer le live«! clo6,nesv" (1753); Ilgen's „Urkunde des Ierusalemischen Tempelarchivs" (Halle1797); de Welte'S „Beiträge zur Kritik des Alten Testaments" (Jena 1804);Vatcr'S „Tommenlar über den Pentateuch" (Halle 1805); Eichhorn'S, Augusti'S,Berthold'S Einleitungen in das Alte Test. Aber vergeblich hat die Kritik derNeuesten sich bemüht, diese Bücher in den Nebel der mythischen Dichtung zu stel-len. Dem Unbefangenen haben sie die Geltung einer historischen Wirklichkeit, under überzeugt sich bald, daß nur Moses, und auch dieser nur, um das Geschehenetreu zu berichten, jene Nachrichten mittheilen konnte, die in ihrer veralteten Sprache,in ihrer einfachen und kräftigen Darstellungsweise, in ihrer innern Naturwahrheitund Einfalt das Gepräge ihrer Echtheit an sich tragen. Wie hätten auch die Ge-nerationen von mehr als 3 Jahrtausenden nach einem Märchen ihre Verfassun-gen ordnen und die 10 Grundgebote aller Religion und Moral, die Wcihe desSabbaths zum Ruhetage und ihre Ehe - und Kirchengesehe von einem Andern an-nehmen mögen als von dem erhabenen Gesandten Gottes, den in der Geschichteder Menschheit unter allen ihren Heroen und Wohlthätern nur Einer verdunkelt.(W. F. Hufnagel, „Moses , wie er sich selbst zeichnet in f. 5 Büchern Geschichte",Frkf. a. M. 1822.) L.

MosesMendelSsohn,ein berühmter jüdischer Philosoph, war den10. Sept. 1729 zu Dessau geb. Sein Vater Mendel , daselbst Schulmeister undZchngebotschreiber (Sopher), gab ihm trotz seiner Armuth eine gute Erziehung.Er unterrichtete ihn selbst in der hebr. Sprache und den Anfangsgründen der jü-dischen Gelehrsamkeit; im Talmud ließ er ihn von Andern unterrichten. Nächst-dem war das A. Test. die Quelle s. Unterrichts und s. Bildung. Besonders zogen