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bloß mit Beihülfe einiger wenigen Zeilen unaufhörlich fort. Auch fein moralischerCharakter war alles Lobes werth.
M oskau (Moskwa), an der Moskwa und Neglina, in einer fruchtbarenund reich angebauten Gegend (55°, 45', 45"Br,), 104 tcmscheMeilen von L7t.-Pe-tersburg, die alte und erste Hauptst des russischen Reichs; noch jetzt die Kiönungs-stadt, einst auch die Residenz der Zaaie, bis Peter d. Gr. Petersburg dazu erhob,ward vom Großeü: sten Iurge I. seit 1141 gegründet und vom Großfürsten Da-niel um 1300 erweitert. 1383 und 1511 ward sie von den Tataren gänzlichzerstört, aber jedes Mal bald wieder aufgebaut. Ein drittes Mal, 1611, wardsie von den Pole» verbrannt. Auch die Pest richtete daselbst oft große Verwüstun-gen an, das letze Mal 1111. Unter Katharina ll. ward sie sehr erweitert undverschönert. Sie enthielt 1812, in einem Umfange von 6 deutschen Meilen, 5Haupttheile: 1) den Kreml , d. i. Festung (s. d.); 2) Kitaigorod; 3) Beloigo-rod, mit den Gebäuden der 1155 von der Kaiserin Elisabeth gestifteten Universität;4) Semlänoigorod und 5) 30 Sloboten oder Vorstädte. Die gesammte üdtadtzahlte über 10,000 H., darunter 288 Kirchen, ohne die zahllosen Buden, und350,000 Einw (darunter 20,000 Soldaten). In ihr befinden sich verschiedenehohe Reichscollegien, mehre Erziehungs- und wissenschaftliche Anstalten, sowiedie wichtigsten Fabriken und Manufakturen des Reichs; auch war und ist siefortdauernd der Mittelpunkt des innern Hand.ls und ein Stapelort für ungeheureVorräthe von Waaren aller Art. Dies Alles, sowie die Paläste und der Lupusdes hohen russischen Adels, welcher hier vom Hose unabhängiger lebt und sich be-sonders den Winter in Moskau aufhält, mochten sie zu einer der reichsten undprächtigsten Städte der Welt. Auch haben sich dafilbst die Nationalsitten und derVolkscharakter am längsten unvermischt erhalten. Die neueste Zeit gab dieserStadt eine universalhistorische Bedeutung: Moskau ward die Fackel der Freiheitfür das unterjochte Festland von Europa. Als 1812 Napoleon mit dem zahlreich-sten Heere, welches Europa seit der Völkerwanderung gesehen, in das Innere desrussischen Reichs vorgedrungen und an der Moskwa (si d.) bei Borodino verge-bens aufgehalten worden war, da beschloß Kulusoff, ungeachtet des Widerspruchsmehrer Muglieder des versammelten Kriegsrathes, die Hauptstadt preiszugeben unddafür das Reich zu retten. Schon hatte man die Vorräthe des Zeughauses unddie öffentlichen Schätze aus Moskau weg und in Sicherheit gebracht. Jetzt ent-floh mit seinen Schätzen der größte Theil der Einw. An Verwundeten wurden ge-gen 11,000 aur 4000 Wagen fortgeschafft, scdaß nur 2000 schwer Verwundeteund Kranke m den Hospitälern zu Moskau zurückb'ieben. Das Heer zog sich nachKaluga. (V>ral. Rufs,-deutscher Krieg.) Der Gouverneur von Moskau aber,Gras Rostopschin (s. d.), traf Anstalten, um dem Feinde die Möglichkeit, sich imHerzen von Rußland zu behaupten, zu entreißen. Er zuerst ließ sein prächtigesLandkaus bei Moskau anzünden, was einzelne Bewohner Moskaus , die ihreVorräthe nicht in Feindes Hand fallen lassen wollten, aus eignem Antriebe eben-falls gethan haben. Denn der Russe zerstört lieber selbst sein Eigenthum, a'S daßer es dem Feinde preisgäbe, und mehre Bürger äußerten laut, es sei besser, Mos-kau zu verbrennen als es zu verlassen. Auf Graf Rostopschin'S Anordnung verlie-ße» alle Civil- und Mckitairbebörten Moskau ; auch die Dsficicre der Feuerlölch-anstalken zogen nebst 2100 Spritzcnleutcn und 96 Feuerspritzen, als zum Mi-litair gehörig, am Tage vor dem Einrücken des Feindes aus Moskau ab. DieGesang,risse wurden nich: geöffnet, sondern geräumt, und 810 Verhaftete, unterBedeckung, 2 Tage vor Ankunft des Feindes nach Nischnei-Nowgorod abgeführt.Doch bestand die Hälfte der m Moskau zurückgebliebenen Einw. (12 —15,000)aus Gesindel, von welchem mehre die allgemeine Unordnung und einzelne Brändebenutzt haben können, um hier und dort Feuer anzulegen, um besser plündern zuConversationS-Lericon. Bd. VII. 86