Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
569
JPEG-Download
 

Motz 569

preuß. Herrschaft organisirt wurde, mit der gleichen Stelle des mühlhäuser Krei-ses, wo er das Rittergut Vollenborn erworben hatte. Dort, auf dem Eichsfelde,war er der Schutz der Einwohner, besonders gegen Mißbrauche und Bedrückungen,des neueingesührten Milirair - Tankonwesens. Bei Errichtung des KönigreichsWestfalen lehnte er anfänglich die Stelle eines Unterpräfecten, später auch die einesPräfetten des Werradeparr. ab, übernahm aber den Posten eines Direcwrs der di-retten Steuern im Harzdepart. und war Mitglied der ReichSversammlunq. Mitder Befreiungspcriode bor sich ihm Gelegenheit dar, die Richtigkeit seiner Ge-schäftsansichten und die vorurtheilsfreie Würdigung aller Verhältnisse zu bethäti-gen. Er gehörte zu den ersten westfälischen Beamten, welche sich zu Halle, dannzu Halberstadt um das neuerrichkete preuß. Gouvernement versammelten, wo ersich durch weise Ruhe zum Meister über die Verirrungen der Deutschthümeleimachte und manche Unbill des Provisorischen abwehrte. So wirkte er sehr lobens-werth als erster Director der Gouvernementscommission, bis er 1815 die preuß.LandcSverwaltung Fuldas übernahm und zugleich die Verhandlungen mit Kurhes-sen wegen gegenseitiger Ländercessionen leitete. Als diese Geschäfte beendet waren,wurde er 1816 zum Vicepräsiden.'c-n, 1818 zum Chefpräsidenten der Regierungzu Erfurt ernannt, und bekleidete diese Posten mit dem ausgezeichneten Ruhme,zum Besten der seiner Aufsicht anvertrauten Provinz gewirkt und, wo er konnte,Edles, Schönes und Nützliches befördert zu haben, mir einer Freisinnizkeit, welchegroße Resultate in der Volksstimmung hervorbringen und selbst in den Nachbar-staaten von Wirksamkeit sein mußte. Er vertrat die Provinz vor den Ministerien,ohne sich von derenAuSsorüchen irremachen zu lasse». So wirkte er unermudet füröffentliche Slnstaltcn der Erziehung und des Unterrichts; er erlangte, daß der größte,dazu geeignete Theil seines Deport, vom EingangSsteuerverbande ausgenommenund mit dem ertraqbringenden Heile niederer Steuersätze beglückt wurde; er glichdurch persönliche Selbständigkeit, und wo es Noth that auch Raschh- it, den Nach-theil schwerfällig und mit weniger brauchbaren Mitgliedern besetzter VerwaltungS-cellegien aus und zog des Königs nähere Aufmerksamkeit auf sich, indem er, vondemselben beauftragt, eine wichtige, die königl. Familie selbst belreffmde Angele-genheit regulirke. Nun deni Könige näher bekannt, wurde Hr. v. M., als derDberprasicent v. Bülow vom Schlage gerührt, von öffentlichen Geschäften sichzurückziehen mußte, unter Beibehaltung des Regierungspräsidiums zu Erfurt , mitder Übernahme gleicher Verhältnisse zu Magdeburg , 1821 zum interimistischenOberpräsibenlen der Provinz Sachsen und 1824 zum wirkl. Dberprästdenten er-nannt. In diesen ausgebreiteten Dienstverhältnissen konnte er seine richtigen Vor-walrungSansichten selbst für das ganze Königreich geltend machen, da er nun, alsMitglied des LlaatüratheS, b-i alle» wichtigen Verhandlungen desselben stimm-berechtigt in Berlin gegenwärtig war. Am 14. Juli 1825 trat er als wirkl. Geh.Staats - und Finanzminisier an die Stelle des Hr». v. Klewitz, welcher dagegenseine Lttelle als Dberpräsident der Provinz Sachsen übernahm. Der neue Finanz-minister hat mit weiser Vorsicht bisher keine Radicalreformen vorgenommen, abermit großartiger Wirksamkeit in der Leitung des Staatshaushaltes, der Ausbildungdes FmanzcreditS und der Vereinfachung des Regierungsmechanismus seine Tüch-tigkeit bewährt. Hierbei war unerläßlich, dem Finanzministerium alle nothwendigeBefugnisse zu verschaffen, weßhalb die Aufyedung der General-, StaatScontrole,die ganz vom Finanzministerium getrennt war, uni so erwünschter sein mußte, dader ädöiiig in der deßhalb erlassenen Cabinetsordre ausdrücklich sagt, daß i ne Ge-neralccntrole bereits ihren Zweck erfüllt hätte. Fiw Hin. v. M.'S Gefchäftsvcr-waltung traten unvorhergesehene, schwierige Umstände ein: der unerhörte Fall sovieler Bangiuerhäufer, der schwankende Credit aller SraaiSpapiere, der'Ausfall derDomameneimiahme, veranlaßt durch niedrige Korn - und Wollpreisc u. s. f. Doch