Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
583
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Müller (Johannes von)

Mischte schon 1775 Tronchin's Haus mit einer freiern Verbindung, in die ihnFrancis Kinloch aus Südcarolina zu gemeinschaftlichen Studien zog. Zu Cham -beisy, einem Landbause am Genf -rsee, brachte er mit diesem gleichgesinntenJünglinge das glücklichste ()ahr seines Lebens zu, und stiftete mit ihm und seinenVerwandten in England eine dauernde Freundschaft. Voltaire und andre Heroender neuen franz. Literatur wurden ihm damals persönlich bekannt. Da Kinloch imMärz 1776 nach Nordamerika zurückging, nahm der große Naturforscher Bonnet,der zu Genthod am Genfersee einer ehrenvollen Muße genoß, M. in sein Haus.Stärkende Fußreisen in der Schweiz zu und mit Bonstetten wechselten 1777 und1778 mit diesem reizenden Aufentbalke im Kreise der feinsten Geselligkeit ab. 1778lebte M. auf Bonstetten's Landgütern zu Rougemont und Valeires ganz in denAlten, und vollendete die schon 1771 angefangenen Excerpte aus 4-1 Folianten und21 Ouiartanten der Haller'schen Urkundensammlung und andern Handschriften zurSchweizergeschichte. Der Winter rief ihn wieder nach Gens, wo er bei dem Ge-neralprocurator Robert Tronchin, einem erfahrenen, großdenkenden Staatsmann,lebte und in dessen Umgang an Schärfe des polit. Überblicks und Einsicht in dasWesen der Staatskunst gewann. Uni sich ein kleines unabhängiges Einkommenzu erwerben, hielt er hier vor jungen Männern, meist Engländern, unter denensich auch der nachmalige Sprecher des Unterhauses, Charles Abbot , befand, Vor-lcsungen über die Universalhistorie. Er trug sie erst ethnographisch, dann sbnchro-nistisch in franz. Sprache vor, arbeitete sie 1779 zu Gens, 1781 zu Kasse.' un"1783 wieder tu Genf zu gleichem Zwecke um und schrieb sie endlich 1797 zu Kaienin deutscher Sprache auf, in welcher Gestalt sie u. d. T.: „Niernndzwanstg Bu-,eher allzem. Geschichten", in den 3 ersten Bdn. seiner Werke 1810 erschienen tind.Der Beifall s. Zuhörer belohnte ihn für diese Arbeit, die in ihrer letzten Gestalt zwarnoch die Spuren jener ersten flüchtigen Entstehung, aber auch das Gepräge seinesdie ganze Dorwelt belebenden Genies und der echt historischen Unparteilichkeit undRuhe, die jede Erscheinung in der Geschichte nach Zeit, L)rt und Umstanden wür-digt, an sich trägt. Seinen Rang unter den Historikern sollte jedoch ein andrergrösseres Werk bestimmen. Wahrend jener Abwechselungen, die seine Lage 1771— 80 erlitt, und unter denen er, angezogen von den Reizen einer zeitraubendenGeselligkeit, abhängig von edelgesinnten, doch nicht selten launischen Beschützern,mehre Male zu störenden Nebengeschäften um Gunst und Lohn genöthigt, nichtwenig Cha akter und Begeisterung bedurfte, um sein Talent zu behaupten, h'eli erdoch, durch Bonstetten's aufopfernde Freundschaft und die bereitwillige literanscheUnterstützung vieler schweizerischen Geschichtssreunde aufgemuntert, sein Ziel, dieGeschichte der Schweiz zu schreiben, unverrückt im '.'luge. Den Zuniuthungenseines Vaters, der ihn immer noch dem geistlichen Stande zu erhallen und nachSchaffhausen , wo ihm seine Professur offen gelassen war, zurückzuziehen dachte,machte 1779 der Tod dieses allzu sorgsamen und den innern Beruf des Sohnesganz mißkennendcn Mannes ein Ende. Unter mehren Zerstreuungen dieses Jah-res, dessen Sommer er im Saanenlande mit Bonstelten nicht ohne eine schöneFrucht („Die Geschichte der Landschaft Saanen '^, im 12. Bde. s. Werke), denWinter wieder bei Tronchin mit Wiederholung de§ CollegiumS zu Genf hinbrachte,hatte er den 1. Bd. der Schweizergeschtchte vollendet, und da er den Genfern durcheine Reise in Geschäften ihrer Republik nach Solothurn den letzten Dienst derDankbarkeit geleistet, wandte er sich nach Bern , wo »ach vielen ärgerlichen Hän-dein mit der Censur sein Werk endlich unter dem falschen Verlagsorte Boston ,1780 ans Licht kam. Ein besserer Empfehlungsbrief konnte ihm auf der Reise,die er nun nach Berlin unternahm, nicht vorausgehen. Die achtungsvolle Auf-nabme der Gelehrten und Großen in Berlin , wo er s. „chsrni« l>i,lurig>>r5" her-ausgab und in Folge derselben mit Friedrich 11. eine Unterredung hatte, war jed. ch