606 Münsterschcr Friede Munter (Balthasar —Friedrich)
S e ne Schwester Sabine, welche der Vater ebenfalls in der Baukunst unterrichtethatte, unterstützte ihn dabei. Von ihrer Hand ist das schone Sinnbild an demPortal auf den'Graden bei dem Uhrwerke gehauen. Hier ist zur rechten Hand diechr stliche Kirche durch eine gekrönte Jungfrau dargestellt, die in der Linken dasKreuz und in der Rechten den Kelch hält, links aber die jüdische Svnagoge, als einFrauenbild mit herabgesenktem Haupte und verbundenen Augen, die in der rechteneinen zerbrochenen Pfeil und in der Linken die Gesektaseln Mosis hält, indem ihr dieKrone zu den Fußen herabfällt. Zu beiden Seiten stehen d e 12 Apostel. AuchJob. v. Steinbach erlebte die Vollendung des Werks nicht. Er und s. Altern liegenim Kreuzgange begraben. Erst 1865 ward dos Münster durch den Baumeister Iah.Hiltzen von Kein, nebst noch einem andern Meister aus Schwaben vollendet. S. dieAbbild, des Münsters, nach Günther's Zeichn, gest. von Oberthür (Strasb. 1821),v. das von L. Schnell gez. u. gest. Blau: „Der Münster in Strasb.", bei Engel-mann (Heidelb. 1828). 1). Heinr. Schreiber: „Das Münster zu rstrasb.", u. 11Bl. Abbild, in den „Denkmalen deuischcrBauk." (Freiburg b. Herder, 1828). I)n>.
M ü n st e r sch e r F r i e d e, 1648, s. Westfälischer Fricde.
M ü n te r (Balthasar), geb. zu Lübeck d. 21. März 1735, der Sohn einesongesehenenKaufmannS daselbst, der aber in s. Glücksumständen plötzlich zurückkam.Letzteres war dem jungen M. ein Sporn zu doppelter Anstrengung in den Wissen-schaften. Er besuchte das Gymnasium s. Vaterstadt, wo er sich in der lat. Beredt-samkeit u. Poesie auszeichnete, und ging 1754 nach Jena , um Theologie zu studiren.Nachdem er sich durch akademische Schichten, meist philosopbisch«-,, Inhalts, u. ihreöffentliche Vertheidigung bekanntgemacht hatte, ward er 1757 Privatdoeent, dar-auf Adjunct der Philosoph. Facultät in Jena und erhielt 1760 einen NufalsWaisen-hausprediger und Hofdiakonus nach Golha. Hier genoß er die Gunst des Hofes unddie Liebe Aller und mußte auch, als er 3 I. später als Superintendent nach Tonna ver-senk wurde, jeden Monat ein Mal vor dem Herzoge predigen. Er verheirathele sich hierund erhielt den RufalsPrediger bei der deutschen Pelrigemeinde inKopenhagcn. Die-ses Amt bekleidete er bis an s. Tod, d. 5. Oct. 1793, zur großen Zufriedenheit s. Ge-meinde. Er hat zur Verbreitung geläuterter Reliaionsbegriffe in Dänemark undDeutschland mächtig beigetragen. Unter den bändereichen Predigtsammlungen, dieer herausgab, zeichnen sich die Vortrüge über die Reden u. Begebenheiten Jesu nachden 4 Evangelisten aus, welche einen Schatz von prakt. Bemerkungen enthalten.Durch den Umgang mit Cramer, Klopstvck, Gerstenberg rc. erwachte s. poetischerGeist aufs neue. Zuerst gab er 1769 s. „Geists Eantaken", dann 1773 und 17742 Sammlungen gctstl. Lieter heraus, die poetischer und stärker als Gellert'S, weni-ger lyrisch und wortreich als Cramer's, aber ihrer Bestimmung zum Gottesdienstevielleicht angemessener als Beider Lieder sind. Sie sind zum Theil von den bestenMeistern der damal'gcn Zeit in Musik gesetzt worden. 1772 ward ihm die traurigePflicht, den unglücklichen Grafen Skruensee »um Tode auf dem Blutgerüste vorzube-reiten, u. die „Bekehrungsgeschichte" diefesStaatsmanns, welche er herausgab, undwelche fast in alle Sprachen übersetzt wurde, machte s. Namen in Europa berühmterals alle s. übrigen Schriften. Ins. letzten Lebensjahren erwarb sich M. durch Einrich-tung des Armenwesens in si Gemeinde u. durch Errichtung e. Freischule für Töchterein neues Verdienst. — Sein Sohn ist der als Theolog, Orientalist und Alter-thumsforscher rühmlich bekannte Friedrich M., geb. zu Golha 1761, gegenwär-tig Bischof des Stiftes Seeland, Ordensbtschof, Pros d. Theologie an der Uni-versität Kopenh. und Großkreuz des Danebrogordens; f. Tochter: FriederikeBrun (s. d.). Er bereiste in s.Jugend Italien lind erhiolt Zugang zu den dorki-tiaen Bibliotheken und Archiven. Besonders schätzt man s. „Geschichte des Pro-cesses der Tempelherren" (Berlin 1794), s. „Abhandlung über die Gräber kerFa-m.lie David auf dem Berge Sion", s. Übertragung der Apokalypse in gereimte