Münzkunde 611
Regierung nicht zugleich bestimmte, auf richtige Grundsätze gebaute Regeln fest-seht, wonach alle Zahlungsverbindlichkeiten, die nach dem alten Münzfüße ge-schlossen werten, geordnet sein müssen. S. Iäckel'S „Münz -, Maß- und Gewichts-künde" (2 Bde., Wien 1828); Nelkenbrecher'S Taschenbuch (14. A. 1828); Ger-hardts „Taschenlepikon der BerechnungSmünzcn sämmtl. Reiche, Länder rc., nebstAnzeigen ihres Werths in Convention-«- und preuß. Couraut, nach alphabet. Ord-nung" (Leipzig 1816), und Rau's „Münz -., Maß-- lind Gewichtskafeln" (Heidelb.1829, Fol.). — I. L. Klüber in seiner Schrift: „Das Münzwesen in Deutsch-land , nach s. setzigen Zustande, mit Grundzugen zu e. Viünzvereine deutscher Bun-desstaaten" (Ltuttg. 1828) erklärt sich für das ConventionS-Münzsystem, wel-ches sich über mehr als 16,200 j^jM. und mehr als 40 M>ll. Einw. verbreitet. ,Aiünzkunde, Jcumismatik (von I'.'wl clu Iininizni.iiist«
oder auch nuinisniuin-rrnziliir). ist die Wissenschaft der Münzen, d. h. der vor-kommenden geprägten Metallstücke nach ihren tcchnischen und geschichtlichen Be-ziehungen. Alan unterscheidet an der Denkmünze: 1) Die Hauptscite oder denAvers (pars -iclvci--,, .intwu, I'^,,->>). Dieser enthält Abbildungen der Ur-heber oder andre auf sie Bezug habendeDarstellungen; die menschlichen Abbildun-gen bestehen entweder in bloßen Köpfen, oder in Brustbildern (Lroivinr. Büste),oder in ganzer, oder in halber Gestalt. 2) Die Rück. oder Kehrseite, den Revers(>>!>rs-ivr,pn-itic.-,, lo irr,', 5 ); der Revers enthält mythologische oder symbo-lische Gegenstände. — Die Schrift am Rande heißt Legende (Umschrift), unddie auf der Mitte heißt Inscription (Inschrift); beide kamen später auf dieMünzen; die Inschriften waren oft nur Monogramme. Der untere Theil einerMünze, der durch einen Strich von den übrigen Figuren und Inschriften getrenntwird, heißt die Basis oder l.xripnc- (Abschnitt) und enthält das Nebenwerk»Die Münzkunde belehrt zunächst über den Stoff und seine Mischungen, über dasmechanische Verfahren der Münze, Prägung w., dann gibt sie den einzelnen Stü-cken ein Datum, bezeichnet die Behörde, die ihnen gesetzlichen Charakter gab, unddeutet die Embleme, Typen, Inschriften. Die Münzkunde ist folglich durchausan das Materielle der Münzen gebunden, und überläßt der Theorie des Geltes, diegesetzlichen oder convemionnellen Veränderungen anzuführen, welche in dem Schä-tzungSwerkhe der Münzen, als allgemein verbreiteten Tauschmittels, von Zeit zuZeit sich begeben. Als historische Hülsswissenschaft beschäftigt sie sich zunächst mitden Münzen u. Medaillen (s. d.) des Alterthums und näherverflossener Zeiten,mit Denkmünzen und seltener gewordenen gangbaren Geldsorten neuerer Tage.Bei der Menge des Stoffs dieser Wissenschaft hat man verschiedene Eintheilun-gen desselben versucht; nach der Materie der Münzen, nach der Form, nach Dar-stellung und Kunstwerth. Erleichternder für die Übersicht ist, wenn man die vor-kommenden Münzen nach der muthmaßlichen Zeit ihrer Hervorbringung sondertund 3 Hauptmassen annimmt, alte, mittlere und neuere, die sich dann durch geo-graphische und chronologische Zusammenstellung noch überschaulicher machen las-sen. An diese 3 Hauptclassen schließen sich die barbarischen Münzen und dieorientalischen Münzen als eigne Abtheilungen an. Die geprägten Metallmar-ken (I^euckomoiwl.,), wie Coniorniaken, Spintrien, Tesseren, Iettvns, Rechen-pfennige, welche die Nun ismatik eben so wenig unbeachtet läßt als die Noth-münzen von Leder, Holz (m. s. Duby's „Herueil General lies picoer obsülio-N!lles ct clo iiGo-siw", Paris 1786, 4.) und die Münzen vorstellenden Mu-scheln auf der Küste von Koromandel, reihen sich den Ländern an, aus deren Münz-stätten sie hervorgingen. Alle diese Classen mit Fertigkeit zu unterscheiden, istdie nächste Anfoderung an den Numismatiker, der sich für sein mühsames Ge-schäft durch eine Menge folgenreicher Aufschlüsse über Zeitbestimmung, Ortskundeund Namenangade wird belohnt sehen, und Zuverlässigkeit bei manchen bisher strei-
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