Band 
Siebenter Band. M bis N.
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612
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612 Münzkunde

tigcn Angaben wird ausmitteln können. Am reichsten wird dieser Gewinn bei eigent-lich alten Münden sein, d. h. bei Münzen der Städte, Länder und Könige der grie-chisch und lateinisch redenden Völker, mit Inbegriff aller derer, welche das weltherr-schende Rom seiner Macht unterworfen halte. Der Ansang dieser Classe beginntmit den Incunabeln der Prägkunst und endet in Rom nur dem Untergänge desReichs unter Nomulus Augustulus, und im zweiten Aste des römischen Weltreichs,im Osten, mit dem Untergänge ter Komnenen 1453. Dieser Theil der Münzkunde ,die vorzüglichste Quelle unserer Kenntnisse von vergangenen Städten, Reichen,Sprachen, zuweilen die einzige, hat vorzugsweise die Forscher beschäftigt. Münzender mittlern Zeit nennt man alle, welche nach der Auslösung des röm. Reichs inden neu sich bildenden europäischen Staaten in Umlauf kamen, die Incunabeln derdamals vergessenen Prägkunst, Bracteaten, Soliden, Tcurnosen rc. Die Classe derneuern Münzen fängt >n den verschiedenen Ländern zu verschiedenen Zeiten an;doch dürfte das Vorkommen von Schaumünzen wol überall als Epoche angesehenwerden. Ein artistisches Interesse wird hier beinahe vorzugsweise in Anspruch ge-nommen.— Die Münzkunde als gelehrte Beschäftigung scheint von den Alten völ-lig unbeachtet geblieben zu sein. Bei keinem alte» -L chriftsteller findet sich eine Spur,daß die Kunstsammlcr der alten Welt zur Zeit des Augustus oder der Antonine aufMünzen Werth gelegt hätten, und doch gab es damals Münzreihen von Städten,die, zum Theil noch erhalten, durch Alter und «chönheit des Gepräges die Aufmerk-samkeit anziehen mußten. Lo die Münzen von Subaris und den großgriechischenStätten, tie mit ihrer Autonomie das Präg recht verloren hatten. Diese Nichtbeach-tung wird um so auffallender, da die so verwandten geschnittenen Steine so beliebtwaren. Dafür erwachte im 15. und noch mehr um die Mitte des 16. Jahrh, einsolcher Tammlereiser, daß die damals gewiß weit ergiebigern Länder der römischenWelt kaum ausreichten, um alle Wünsche zu befriedigen. Fürsten und Privatleutewetteiferten, besonders in Italien, Frankreich u. Deutschland , Münzsammlungenanzulegen, zunächst um aus authentischen Bildnissen die Hauptpersonen der römi-schen Geschichte kennen zu lernen. Diesen ersten Sammlungen, wo man zunächstauf auffallende Typen achtete, folgten bald gelehrte Erläuterungen. Die frühesteAnleitung zur Münzkunde gab 1577 der Spanier Antonio Agostino in s. in alleSpi achen übers. Dialogen. Iae. und Octav Strada hatten durch Bilderbücher dieNeigung der Reichen und Vornehmen für das Sammeln gewonnen. WolfgangLazius, Ferdinands I. Leibarzt, machte Anwendung von den Münzen zur Erläuterungder Geschichte. Fulvio Orsini und ein Arzt zu Augsburg , Ad. Occo. wandten ihrenFleiß auf röm. Familien- und Kaisermünze», und man muß bedauern, daß der Letz-tere sich in seinen Forschungen so beschränkte, da sein Dersahren in Hinsicht auf chro-nologische Anordnung anerkannt gut war. Nur war in jener Periode, wo besondersHub. Goltz, der Sohn eines Malers zu Wüizburg, erwähnt werden muß, weil erzuerst auch die gricch. Münzen vorzüglich beachtete, eine Ungenauigkeit in den An-gaben, die einen großen Theil zener Arbeiten uns völlig unbrauchbar macht. Goltzvereinigte das doppelte Talent eines Zeichners und Kupferstechers, ließ sich aber da-durch verführen, in seinen Kupfern so viel Eigenmächtiges anzubringen, daß s. Zeug-niß, wenn es allein sieht, jetzt auch da verdächtig ist, wo er ehrlich gewesen sein mag.Unterdeß hatte man gelernt, die antiken Muster nachahmend, Münzen zu prägen,die den echten täuschend ähnlich waren. Anfangs keineswegs in der Absicht damitzu hintergehen, wollten die geschickten Stempelschneider Cavino, Belli :c., die zu Pa-dua, Parma, Dicenza sich niedergelassen hatten (daher Paduaner, Parmesanes),bloß der Nachfrage abhelfen; bald machte man aus dem erkünstelten Betrüge einGewerbe, das noch jetzt getrieben wird. S. Sestini, „8opr-, i „wclerni tälsitie-iloricli mestuAlie Areebe unliebe etc." (Florenz 1826, m. Kpfrn., 4.). Solche falscheMünzen, vorzüglich antike, verfertigten Weber in Florenz, Hofr. Becker in Hanau