Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
633
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Musik (Geschichte der) 633

Mannigfaltigkeit der Thierstimmen insbesondere auf die Ausbildung des menschli-chen Ohres, wie der Einfluß einer Umgebung überhaupt auf die sich entwickelndeThätigkeit, eingewirkt, und daß man durch äußere, auf Naturveranlassung er-fundene Instrumente zuerst die bestimmten Abmessungen der Tone gefunden habe,auf welchen die Musik beruht. Aber sowie jenes die Musik als Kunst noch nichterklärt, so setzt dieser mittelbare Einfluß der Natur schon ein ausgebildetes Gehörvoraus. Letzteres bestätigt sich auch dadurch, daß, wo wir Musik bei einem Volkefluten, Instrumente nicht fehlen. Gewiß ist es, daß die Musik als Kunst erstbegann, als der Mensch, in unmittelbarem oder mittelbarem Besitze mannigsalti-ger Töne, dieselben nun sprechenden Ausdruck seines Innersten auf eine gesetzlicheund dem Ohre wohlthuende Art zu verbinden verstand. Dies aber setzt vorauseine 'Ausbildung des Gehörs, vermöge welcher man den Abstand und die Eigen-thümlichkeit einzelner Töne genau zu unterscheiden fähig ist, welche Unterschei-dungssähigkeit, wie wir sagten, durch äußere Instrumente erleichtert wird, anwelchen das Verhältniß der Töne gleichsam sichtbar wahrgenommen werden kann.Hiernach scheint allerdings die Docalmusik, oder die Hervorbringung musikalischerTöne durch die menschliche Stimme, die älteste, und die erste Art der Instrumentescheint bei dem ruhigen Leben des Hirten, den das Windgeräusch im Schilfe odereine andre zufällige Veranlassung auf das Tönen hohler Körper durch Einblasender Luft aufmerksam macht, sowie der Klang ausgespannter Sehnen aus Saiten-instrumente führt, erfunden worden zu sein. Auch dienten die Instrumente frü-her nur zur Begleitung; der Gesang aber war mehr declamatorisch. Nach derBibel soll schon Iubal, Lamech's Sohn, vor der Wündflut auf Instrumentenmuflcirr haben, Allem es fragt sich hier wol, ob nicht d>e Mosaische Urkunde Vie-les aus ihrer Zeit auf die ältere überträgt, Das Gewissere ist Folgendes: Wieüberall, so auch bei den Hebräern, waren Dichter und Sänger Eine Person, undbei ihnen finden wir auch häufig die abwechselnden Liederchöre (2. Mos. 15, 20).Die musikalischen Instrumente, welche diese Gesänge begleiteten, waren Harfe,Cither, Trompete und Pauke, oder Trommel. Als einer der ältesten Gesängemit Instrumentalbegleitung wird der Lobgesang der MirjamsMoses'S Schwester),gesungen nach dem Durchgänge tm'chs rothe Meer, angeführt. Zu David'S undSalomon's Zeiten hatte die Musik bei den Hebräern ihren höchsten Gipfel erreicht;und ei» Theil ihres Gottesdienstes bestand in singendem Vortrage feierlicher Psal-men niit Instrumentalbegleitung. So viel wir aus den aufbehaltenen Nachrich-ten und selbst aus der Einrichtung der hebr. Poesie, bei welcher ein gewisser Parak-lelismuS der Glieder herrschend war, schließen können, so hatte die Musik derHe-biüer einen sehr bestimmten Rhythmus, vielfache Melodie, aber eine, wennauchstarke, doch einförmige Begleitung, wie die der meisten alten Völker. Auch hat-ten sie eigne Musikzeichen, welche über den poetischen Text gesetzt wurden, undnach welchen man auch declamirte. (S. Georg Venhky's Gedanken von denNoten oder Tonzeichen der alten Hebräer, in Mitzler'S „Musikal. Bibliothek",3. Th., und Anton's Versuch, die Melodien der alten hebr. Gesänge zu ent-ziffern, in Paulus's „Neuem Reperrorium für biblische und morgenländischeLiteratur", 1. u. 2, Th.) Allein die Mufik wurde nicht bloß zum öffentlichenGottesdienst angewendet, für welchen Gebrauch es besonders seit David einegroße Anzahl von Sängern, Sängerinnen und Instrumentalisten gab, auch beiweltlichen Festen, z. B. bei feierlichen Gastmählern und bei Leichenbegängnissen,fehlte es nicht an Musik. Um diese Zeit hatte sich auch die Zahl der Instru-mente selbst vermehrt, unter denen die dreieckige Harfe (Kinnor) und die Cymbelvorzüglich angeführt werden. (Vgl. Herder, „Vym Geiste der hebräischen Poe-sie", 2. Bd,; Pfeiffer, „Über die Musik der alten Hebräer", Erlangen 1110.)Wtc bei den Hebräern, so auch bei andern Völkern läßt sich keine bestimmte Zeit