Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
635
JPEG-Download
 

635

Musik (Geschichte der)

beilegen wollen, der Flötenspieler SakkadeS u. A. Vorn 6. Jahrh. v. Chr. anscheint mein die Musik schon wissenschasilich untersucht und besonders die Tone be-sumnir abgemessen zu baben. Lasus von Hermione im Peloponnes , der um 54kv. Chr. lebte und der Lehrmeister des PindaruS war, soll schon etwas Theoreti-sches über die Musik geschrieben haben. Pythagoras (s. d.), der die Musikvon den ägyptischen Priestern erlernt haben soll (was aber unwahrscheinlich ist),beschäftigte sich mit den mathematischen Verhältnissen der Töne, und eine von Die-len verworfene Tage erzählt, daß er dam durch den Klang der Schmiedehammerveranlaßt worden sei. Das Instrument, welches er zur mathemat. Bestimmungder Töne erfand, wurde der pythagorische Kanon genannt. Auch soll er den Sai-ten der Harfe die 8. hinzugefügt haben, denen man nachher in der Höhe und Tiefemehre hinzufügte. Dämon wird als einer der berühmtesten Musiklehrer zu Peri-kles's und SokrateS'S Zeiten angeführt. Von ihm behauptete Plato , daß seineMusik nicht geändert werden könne, ohne die Verfassung des StaatS selbst zu ver-ändern. Plato selbst soll sich um die Musik sehr verdient gemacht haben, und wieer, hielt sie Aristoteles für ein Erziehungsmittel. Um seine Zeit wurde die Ton-leiter sehr vermehrt; aber man klagte auch schon damals über die Verweichlichungder Musik und der Volkssitten durch dieselbe. Eine solche Klage wird schon gegenPhrynis geführt, der zu Sokrare-'S Zeit lebte. Wahrscheinlich gilt diese Klageselbst der Anwendung der Musik zum Ausdrucke sanfter Empfindungen des Her-zens, da früherhin die Musik mehr vorherrschend zur Erweckung religiöser und pa-ri iot,scher (Besinnung, wie bei den Laredämoniern, angewendet worden war. Einewahrscheinlich schon damals bekannte Eintheilung der Musik war die in theoretischeund praktische. Die theoret. begriff sowol die arithmet. und phys. Untersuchungenüber Klang und Tonverhälrnisse, als auch die musikalische Harmonielehre (harmo-nische Musik genannt), welche die allgemeinen Regeln von allen Arten der Accortelehrt. Von ihr hing die Composition und der Gesang ab. Letzterer, und mithindie Musik überhaupt, wurde nach den Tonverhältnissen, deren man in jeder Gat-tung bedurfte, in die diatonische, enhai nionische und in die später eingeführte chro-matische getheilt. In Ansehung des Tons, aus welchem die Compositioncn gin-gen, nahm man >»>»!--.>: an, und benannte sie, wie schon angedeutet, »ach denLändern, in welchen sie vorzüglich üblich waren. Ferner theilte man die Musik inHinsicht der Composition: 1) in die Melpöie, Kunst der Verfertigung des Ge-sanges, d.h. die Kunst, den Gedichten einen eigentlichen Gesang oder musikalischeDeklamation zu geben, denn die Deklamation wurde ebenfalls in Noten veneich-net; 2) in die Rhvthmopöie, Kunst, den Bewegungen des Körpers u. der Trimmeeinen bestimmten Rhythmus zu geben, und 3) in die Poetik, als die technischeTheorie der Poesie, die mit der Musik innigst verbunden war, wohin die Metrikgehörte. In Hinsicht der Ausübung theilte man die Musik in die organische (In-strumentalmusik, Kunst, die Instrumente zu spielen), äodische (Vocalmusik,Singekunlr) und in die hypokritische (pantomimische, nachahmende, Gebäiden-kunü in Verbindung mit der Musik). Zur Zeit Alexanders des Gr. zeichnete sichAristorenuS, ein Schüler des RenophiluS und Aristoteles , aus. Er schrieb einegroße Anzahl Abhandlungen über die Musik, wovon noch 3 übrig sind, und brachtedie Tonleiter bis auf 18 Saiten, die man nach Tetrachorden und Peniachordeneintheilte. Seine Schüler (die Aristoxenianer genannt) verwarfen die strengeMessung der Verhältnisse des Pythagoras und bedienten sich der Intervallen vonganzen und halben Tönen bloß nach der Empfindung. Auch führte AristoxenuS das chromat. Klanggeschlecht (s. Ton, Tonart rc.), dessen Erfindung in dieseZeit fällt, statt des enharmonischcn ein. Euklides (217 v. Chr.) hat die mathe-matische Klanglehre zuerst als Schriftsteller wissenschaftlich behandelt. Mit demVerfall der Freiheit sank auch die Musik bei den Griechen gleich den übrigen Kün-