658 Nachtvögel Nadelholz
Nachtvogel, s. Schmetterlinge.
Nachtwandler, s. Mondsüchtig.
Nacktes bezeichnet in der bildenden Kunst: 1) den von Kleidungentblößten menschlichen Körper; man sagt dann: das Nackte studiren,zeichnen, Kenntniß des Nackten haben, das Nackte unter der Draperie bemerken.(S. Plastisch.) Daß das Studium des Nackten auch dann unerläßlich sei, wenndrapirte Figuren dargestellt werden, erhellt daraus, weil die Formen und Verhält-,niste der Bekleidungen durch das Nackte bestimmt werken. Don ganz vorzüglicherWichtigkeit ist 2) das Nackte in der Malerei. Wenn das Nackte das Wesintlicheist in der Plastik, welche durch die Form den Geffi darstellt, so ist die Malerei ih-rer Natur nach, und weil sie durch Farben, folglich mit sinnlichem Reiz darstellt, inder Darstellung des nackten Körpers beschränkt, und verkiilli an sich mehr diejeni-gen Theile, in welchen sich der Ausdruck des Geistes nicht unmittelbar darstellt.>S. Pittoresk.) Man nennt aber die Farbengebung, insofern sie steh mit derNachahmung des Nackten, d. h. hier, der Farbe und materiellen Beschaffenheit desFleisches beschäftigt, die Carnation; und wem braucht es gesagt zu werden, wieviel auf sie bei malerischer Darst.llung menschlicher Figuren ankomme? Will derKünstler hierin den Anfoderungen der schönen Kunst Genüge leisten, so muß er zu-vörderst die Localtöne richtig treffen, d. h. die natürliche Farbe des Gegenstandesso wiedergeben, wie sie auf ihrem Standort erscheint. So sind an einem gesundenKörper gewöhnlich die Wangen lebhaft geröthet, Brust, Nacken und Oberarme vonzarter Weiße, der Unterleib gelblicher; an den äußern Theilen wird die Farbe all-mälig kälter und geht in den Gelenken derselben, wegen des durchscheinenden küh-lern Blutes, in eine veilchenrdihliche Tinte über. Diese verschiedenen Abstufun-gen muffen aber in dem Haupttone der Carnation harmonisch vereint sein. Übri-gens kann der Ton der Fleischfarbe unendlich verschieden sein. Der Nord- undSüdeuropäer haben ein verschiedenes Colorit, Weiber und Kinder ein zarteres alsMänner und Alte; jedes Temperament zeichnet sich durch seine besondere Farbeaus, und jeder einzelne Mensch hat einen eigenthümlichen Farbenton. Bei diesenunendlichen Abstufungen aber bleibt der Stoff immer Fleisch, und es kommt daherferner darauf an, den materiellen Charakter dieses Stoffs richtig auszudrücken.Hier kann gegen die Wahrheit gefehlt werden entweder durch zu viel Härte, wie inden Werken der ältern Maler des 15. Oübrh., oder durch zu große Mürbheit(morbide?,?..-,), die sich vornehmlich bei Guido Reni findet, dessen Fleisch häufigblutleer, schleimig, grünlich aussieht. Die französ. Schule ist darin bis zur Ver-bissenheit gegangen, daß man nicht mehr Fleisch, sondern Porzellan oder Wachszu sehen meint. Zn der wahren Carnation ist bis jetzt Titian immer noch ein un-übertroffenes Muster. cl,I.
Nadel (kalte), s. Kupferstecherkunst.
Nadelholz, auch Schwarzholz, piinis. Die Nadelhölzer bilden im Lin-ne'schen Svstem die 9. Ordnung der 21. Classe und begreifen alle diejenigen Bäu-me, deren Blätter die Gestalt der Nadeln oder Tangeln haben (daher auch Tanael-holz), und deren Frucht in einem holzartigen Zapfen besteht, welcher unter jederSchuppe 2 mit Flügeln versehene Nüsse oder Samenkerne hat. Die männliche»Blumen, welche von den weiblichen getrennt, jedoch aufEinem Stamme mit ihnenstehen und gleich ihnen keine Krone haben, stehen in einem vierblätterigen Kelch,während das Kätzchen, welches die weibliche Blüthe bildet, aus spitzigen Schuppenbesteht, deren jede zweiblumig ist. Man kennt 30 Gattungen Nadelhölzer, welchewieder in 4 Familien eingetheilt werden. Das unterscheidende Kennzeichen der er-sten ist, daß die Nadeln in Büscheln zusammenstehen (Lerchenbaum, Ceder); beider zweiten kommen 2—5 Nadeln aus Einer Scheide (Kiefer, Krummholzbaum);»n der dritten Ihm die weichen und breiten Nadeln einfach und ksmmartig auf