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Nationalökonomie
bewiesen, daß die Begriffe über die Ursachen des Reichthums sich zu erhellen anfin-gen. Inkessn blieben dach alle hauptsächlich bei der Einwirkung des Staates aufdie Vermehrung des Nationalreichthums stehen und betrachteten den Wohlstandder Nation als eine Quelle des Staa:s oder der Regierung. Diese Idee wurdeauch noch lange im 18. Jahrh, festgehalten, und es bildete sich eine Wissenschaftaus, worin systematisch untersucht wird, welche Maßregeln die Regierung zu ergrei-fen habe, vni Handel und Gewerbe im Staate so zu leiten, zu beschränken und zuordnen, daß dadurch der größtmöglichste Wohlstand des Volks herbeigeführt werde.Diese Wissenschaft nonnie man Staalswirlhschaft oder politische Ökonomie. BaarGeld galt als Hauptbesiandtheil des Reichthums, und da man bemerkte, daß dieSeestädte besonders durch den Handel reich wurden, glaubte man, daß in demauswärtigen Handel die Haupkguelle alles Nationalreichthums sei, und traf hier-nach allerhand Vorkehrungen. Ackerbau und Manufakturen wurden nur insoweit ge-würdigt und begünstigt, als man sie für Mittel erkannte, viel Gold und Silber insLand zubringen. Dieses Staatsverwaltungssystem erhielt den Namen deeMer-cantilsystems (s. t.) und war schon längst praktisch befolgt, ehe es theoretischdargestellt, von Staatsgelehrten gerechtfertigt und angepriesen wurde. Bodin INFrankreich, Terra in Italien, Klock in Deutschland handelten es zuerst in Schrif-ten ab; vollkommener Melon und Fortbonnais in Frankreich , Mortimer und Ste-wart in England, Genovesi in Italien, Loen, Iusti und Sonnenfels in Deutschland stellten es in seiner Vollkommenheit dar. E« fehlte indessen nicht an Gegnern diesesSystems, welche die Fehler und Mangel desselben aussuchten, zu modificiren undzu verbessern strebten. Nachdrücklich und mit Erfolg ward es aber angegriffen, undder theoretische Götzendienst des Geldes gleichsam gestürzt von der staatewirihschaft-lichen Schule der franz. Ökonomisten oder Physiokraten (s. Phy siokratischesSystem), an dessen Spitze Ludwigs XV. Leibarzt O.ucSnoy („In bleu» «icviium.-ivec 5NN explicnticm", 1758, erläutert u. d. T. : „I.il pli^iinci.ntie, vu con-klitulin» iistiirrlle ein p-i>>verucii>viit !o >>I»s liv.iut.i^rnx ,iu ßsure Iniiu.iiii",Paris 1787; verbessert v)verdun 1768, 6 Bde.) stand. Dieser und seine Schülerle Trosne, de la Riviere, Turgot, Mirabeau der Altere u. s. w., in Deutschland Ifilin und Schlettwein , führten es ein. Eine Zeitlang richtete die physiokratischeSchule die Blicke von ganz Europa auf sich, und es glückte ihr, die Fehler des Mer-caniilsystems in ihrer ganzen Blöße darzustellen; aber auf der andern »Leite ließsich ebenfalls nicht verkennen, daß auch ihrer Lehre große Irrthümer zum Grundelagen, und es in mehrfacher Hinsicht keine volle Befriedigung gewähre. Da trat1776 der Schotte Adam Smith auf und hatte den Ruhm, die Idee einer Theoriedes Nationalreichihums rein aufgefaßt und nicht bloß als einen Anhang der Poli-zei- und der Finanzwissenschast betrachtet zu haben. Er war es, der zuerst die Lehrevon den Elementen und Ursachen des Nationalreichthums zu zergliedern unternahmund eben dadurch die Bahn brach zur Gründung einer neuen Wissenschaft. (S.Smith, Adam.) Da sein System so wenig den auswärtigen Handel, wie dieMercantilülen meinten, als den Ackerbau, wie die Physiokraten behaupten, als diealleinigen Mütel betrachtet, die Nation reich zu machen, wohl aber alle Arten vonnützlicher Industrie, welchen deßhalb ganz gleiche Freiheit verstattet werden soll, sohat man drses System auch das freie Industriesystem genannt. Man hatdie Smilh'fche Lehre nachher in England, Frankreich und Deutschland berichtigt,vervollkommnet und erweitert, ihr aber auch hier und da Fremdartiges und Irrigesbeigemischt. In Deutschland besonders suchte man ihr eine wissenschaftliche Formzu geben, ist aber dadurch auch auf andre Sätze und Folge, ungen gerathen. Mannannte sie,„um sie von Dem zu unterscheiden, was ehedem StaatSwirrhschast oderpolitische Ökonomie hieß, Nationalökonomie, und verstand darunter dieWissenschaft von der Natur und den Ursachen des Nationalreichthums unter dem