Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Natur

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und sich gefällig seinem kindlichen Herzen anschmiegt, so zeigt sie sich dem Motte(göttlich gebildeten Menschen) göttlich und stimmt zu dessen hohem G>iste". Eben-so m einer andern Stelle (2. Th., S. 82): „So entstehen mannigfache Nmur-betrachtungen (Ansichten der Natur), und wenn an einem Ende die Nakurempsin-dung (Naturanschauung) ein lustiger Einfall, eine Mahlzeit wird, so sieht mansie dort, zur andächtigen Religion verwandelt, einem ganzen Leben Richtung,Haltung und Bedeutung geben. Schon unter den kindlichen Völkern (im Al-terthume) gab? solche ernste Gemüther, denen die Natur das Antlitz einer Gott-heit war, indessen andre, fröhliche Herzen sich nur auf sie zu Tische baten; dieLuft war ihnen ein erquickender Trank, die Gestirne Lichter zum nächtlichen Tanz,und Pflanzen und Thiere nur köstliche Speisen, und so kam ihnen die Natur nichtwie ein stiller wundervoller Tempel, sondern wie eine lustige Küche und Speise-kammer vor". Diese sinnliche Naturansicht dürfte immer noch dem kalten Nerstan-desbegriff vorzuziehen sein, welchem die Natur ein buntes, an sich bedeutunaslo-seS Mancherlei, ein Skück-und Splitterwerk ist, in welches ein fremder Verstanderst Ordnung und Zusammenhang hintragen soll. Denn jenen erschien die Naturdoch wenigstens als ein Ganzes, obgleich nur von ihrer sinnlichen (gleichsam vonihrer Geschmacks-- und Verdauungs-) Seite; ganz geistlos dagegen erscheint sie Den-jenigen, welche nur den Verstand in sich ausgebildet haben, denn dieser ist ein son-derndes, trennendes Vermögen, und dein bloß reflectirenden (auf das Einzelne ge-spannten) Forscher entflieht der Geist der Natur unter den spaltenden, snatomi-renden Händen. In ihrer ganzen Schönheit aber und zugleich als ein gemüthli-ches Wesen, als eine liebende Mutter, offenbart sich die Natur dem Dichter, indeßsie sich dem Künstler von einzelnen Seilen ihrer Schönheit zeigt, z. B. dem Ma-ler als ein panoramisches Gemälde, dein Bildhauer und Baumeister als plastischesKunstwerk und dem Tonkünstler vorzugsweise als eine l bendige Tonwelt. Es istin vollem Sinne wahr, daß die Natur, wie sie für jede Stufe menschlicher Geistes-bildung ein entsprechendes Gepräge annimmt, so für alle Gemüihsstimmungen pas-sende Farben und Töne hat, uni mit einem jeden zu harmoniren. So findet sichzu jenen fröhlichen, sinnlich gestimmte» Menschen, von welchen zuvor die Redewar, der Gegensatz in den Schwermükhigen, welchen die Natur ein TrauerhauSoder Jammerthal, das allgemeine Grab alles Lebendigen ist, während sie dem Bö-sewicht und Verbrecher ihre furchtbare Seite zukehrt und ihm als ein Reich er-scheint, in welchem die Geister der Finsterniß walten und eine rächende Gott-heit, die ihre Quälgeister den ssbelthätern nachsendet. Dem Religiösen undTugendhaften dagegen erscheint die Natur oft in ihrer lieblichsten Gestalt, sie istihm ein Spiegel der innern Harmonie seines Gemüths, eine Welt, in welcher derGeist der Liebe aus allen Wesen ihn anspricht, ein Tempel Gottes, in welchem ersich in unendlicher Mannigfaltigkeit offenbart.

Wer den Faden dieser Betrachtung mit sinniger Aufmerksamkeit zu verfolgenvcrmaa, wird in der Natur das Walten einer gerechten Gottheit erkennen, welchejeden Menschen nach seinem Sein und Thun behandelt, jedem gibt und vergilt,was er verdient, indem sie in ihrem Äuß.rn jedem einen treuen Spiegel vorhält,worin er sein eignes Bild, den Widerschein seines Innern erblickt. Hier offenbartsich also der Grund der so mannigfaltig modificirken Ansichten der Menschen vonder Natur, er liegt einerseits in der Unendlichkeit ihres Innern, welches nachAußen alle Seiten darzustellen vermag, andrerseits in der ursprünglich.» Einheitund Harmonie des Menschen mit der Natur, welche beide Gegenbilter von einan-der sind. Die Verstandesaufklärung zwar wird alle diese veischiedenen Naturan-sichten für unwahr und Selbsttäuschung erklären, aber für eine höhere Ansicht sindsie, in gewisser Hinsicht, olle wahr, nämlich in Beziehung auf die Bildungsstufeund Stimmung eines Jeden, wie aus dem Bisherigen genugsam erhellt. Denn