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Natur
der Mensch steht nie allein, in völliger Trennung von der Natur, tn und mit wel-cher er nur leben kann. In der erscheinenden Natur ist das Vorbild alles Mensch-lichen enthalten, und daher in ihr sowol das Göttliche als Ungöttliche zu schauen.Wahre Bildung ist daher der rechte Weg, um zu den Schätzen der Natur zu ge-langen und sie geistig zu genießen; je höher die Bildung des Menschen steigt undje gediegener und allseitiger diese Bildung ist, desto mehr wird er sich der Natur, sieihm sich nähern; nur halbe oder Afterbildung entfernt von ihr. Schon die höher»einseitigen Naturansichten, z. B. die religiöse, die poetische, künstlerische, könnenihren Eignern viel reines Vergnügen aewähren, allseitig aber kann die Ansicht oderErkenntniß der Natur allein auf dem Standpunkte der Wissenschaft werden. Dennnur von ihm aus können zugleich alle andre Ansichten gehörig gewürdigt werden.In der wahren Wissenschaft ist der Verstand, im Einverständnisse mit der Ver-nunft, thätig und wird durch sie geleitet. Der wissenschaftliche (vernünftig ge-bildete) Verstand läßt sich nicht, wie der empirische, durch den Schein täuschenund von ihm gefangen nehmen; für ihn gibt es kein Äußeres ohne ein Inneres,keine Mannigfaltigkeit ohne Einheit, und wenn er zwar, auf das Äußere der Na-tur gerichtet, durch die Sinne eine unendliche Mannigfaltigkeit wahrnimmt, sosieht er zugleich durch das Auge der Vernunft, daß alle diese Mannigfaltigkeit nurfür die Erscheinung gilt, mithin nicht für sich besteht, sondern von der unsichtba-ren Einheit (dem Innern) der Natur getragen und durch sie bedingt wird. AllesÄußere ist zeitlich und räumlich, geistig (thätig) und leiblich (beharrend). Raumund Zeit sind nothwendige Formen des Daseins der Naturdinge, deren InhaltGeist und Materie ist. Diese Formen und ihr Inhalt machen den Begriff des Da-seins aus; Da sein, oder in Zeit und Raum bestehen, geistig und materiell sein,ist daher Eins und Dasselbe. Wie aber keine Form ohne ihren Inhalt sein kann, soauch der Inhalt wieder nicht ohne das Enthaltende. Das Enthaltende von Geistund Materie und deren Formen, Zeit und Raum, kann nur das Überzeitliche undÜberräumliche, d. h. das Ewige, Übersinnliche, in sich selbst Unendliche, Unwan-delbare, Unbedingte, auf sich selbst Ruhende, niit Einen; Worte — Gott sei». DasEwige kann nur unbedingte Einheit sein, denn alle Vielheit ist durch Zeit und Raumbedingt, was sich von selbst versteht, Ohne in sich selbst mannigfaltig zu sein, istGott gleichwol der unmittelbare Grund aller Mannigfaltigkeit; er ist der überallgegenwärtige Mittelpunkt alles Zeitlichen und Räumlichen, alles Lebens undSeins, in der Sprache der Philosophie: die ewige Idee des unendlichen Univer-sums oder der gcsammten Natur, Dem empirischen Verstände erscheint Gott alsein von der Natur absolut getrenntes, gleichsam außer und über der Welt schwe-bendes Wesen, welches zu ihr in einem zuschauenden oder auch willkürlich eingrei-fenden, die Begebenheiten nach bestimmten Absichten lenkenden Verhältnisse steht.Dagegen ist für den wissenschaftlichen Verstand Gott der Alles tragende und erhal-tende Urgrund aller Dinge, wodurch deren Inbegriff eben ein Ganzes, eine Weltoder geordnete Gesammtnatur ist. Die äußere oder erscheinende Natur (»atmnn->iur.il!>) ist daher die allseitige Offenbarung Gottes, die Darstellung seines We-sens in leiblichen Formen und geistiger Wirksamkeit. Dies wird Jedem klar sein,der mit den so eben erwähnten, die Natur betreffenden Ideen einverstanden ist.Das Innere der Natur, nämlich ihr übersinnlicher Grund, ihr ewiges Urbild, d.h. Gott, ist a» sich verborgen, in das Unendliche seiner Einheit verhüllt, und würdeein ewiges Mysterium bleiben, wenn er nicht in die Erscheinung hervorträte, sichfür die Anschauung und Erkenntniß in Raum und Zeit verwirklichte. Diese Na-turoffenbarung Gottes ist nicht die Folge eines willkürlichen Entschlusses, sondernein nothwendiger, aus seinem Wesen hervorgegangener und ewig hervorgehenderErfolg. Auch ist sie die früheste und Grundoffenbarung, welche aller andern Of-fenbarung Gottes vorangehen und sie begründen muß, oder vielmehr, sie ist die