716
Natur
res Entstehens, Wachsens, Gedeihens, Erkranken« und Vergehens ist. Vonder Wahrheit und Allgemeinheit dieses Verhältnisses kann man sich aus der nähernBetrachtung der Polarität (s. d.) und des allgemeinen polaren Verhältnisseder Dinge, welches mit dem so eben dargestellten Eins (identisch) ist, überzeugen.Don dieser Teile betrachtet ist also die sichtbare Natur der große allgemeine Kampsplatz eines ewigen Kriegs, auf welchem das Leben des Ganzen beruht, welches, beinähererBeleuchtuno, im Grunde selbst nichts Andres ist als eben dieser ewige Krieg,mit allen Folgen, die aus ihm hervorgehen. Ja, nicht nur das Naturleben in en-germ Sinne, vielmehr ist Alles, auch das höhere Menschliche in allen Sphären desGöttlichen, ein rseitS wenigstens, ein Kampf, der nur mit dem Tode ganz endigt.Das religiöse Leben z. B., wenn es von seiner höhern (himmlischen) Seite zwargöttlicher Friede ist, besteht von der andern, gegen das Niedere, Irdische gewe'n-keken Seite in einem fortwährenden Kampfe gegen das irreligiöse Pi incip, welchessowol aus verborgenen Schlupfwinkeln des eignen Innern in Gestalt von Zweifelnhervortritt, als auch von Außen als fremder Unglaube dem Leben des Religiösenfeindlich entgegenkommt. Das Kunstleben kämpft einerseits gegen den Wider;stand der Materie, in welcher sie ihre Ideen verwirklichen (verleiblichen) will, an-drerseits mit den Schwierigkeiten, welche die Endlichkeit der Formen der Dar-stellung göttlicher Ideen entgegenwirft. Und was ist die Tugend Andres als einKampf gegen da« böse (selbstische) Princip, sowol nach Innen, gegen diesen Feindim eignen Gemüthe, als nach Außen gegen die Werke der Finsterniß, gegen dasselbstsüchtige Streben schlechter Menschen, welche der Ausführung des Guten ent-gegenkämpfen? Und ist nicht endlich auch die Wissenschaft ein ewiger KampfdeSGeistes gegen den Mysticismus (vgl. d.), im Streike des intcllectuellen Lichtsmit dem Dunkel des Geistes (Unwissenheit, Irrthum, Aberglaube :c.). und zwarebenfalls in doppelter Richtung. Schon dieser gemeinschaftliche Charakter beiderWelten, der realen und idealen, der Natur und des Geistes, deutet auf deren ur-sprüngliche Einheit und begründet die Überzeugung, daß beide nur verschiedeneSruf.n eines Ganzen sind, und daß man nur innerhalb dieses Ganzen den Gegen-satz einer Naturwelt (des unbewußten Lebens) und eines Reichs der Freiheit (desselbstbewußten Denkens und Handelns) anerkennen darf, woraus dann weiterfolgt, daß die Natur gleichsam der Grund und Boden für den Baum der Freiheitist, d. h.: daß in der Natur der verborgene Keim enthalten ist, aus welchem sichalle Herrlichkeit der idealen Welt entwickelt. Wenn aber alles Leben, das niederewie das höhere, ein Krieg oder Kampf ist, so darf man nicht vergessen, daß dasEnde alles Kampfes Friede und Versöhnung ist, und man würde das Wesen undWirken der lebendigen Natur wieder nur einseitig erfassen, wenn man nicht mittenin ihrem kriegerischen Reiche aus ihrem fruchtbaren Schoße zugleich den Friedenaufblühen und gedeihen sähe. Aber der Friede der Natur kann nur thcilweise oderabwechselnd auf einzelnen Punkten bestehen, während im Ganzen Krieg fortdauert,da allgemeiner Friede Tod wäre. So gehen aus der Versöhnung streitender, be-wußtloser Naturkräfte neue Erzeugnisse hervor, welche gleichsam die Bestätigung(Darstellung) oder die Frucht des Friedens sind. Das ganze Mineralreich z. B. istZeuge von dem Frieden, der nach dem Kampfe des Erdclements mit den übrigenElementen auf unzähligen Punkten der Erdrinde, unter sehr verschiedenen Been-gungen, zu Stande gekommen ist. Und so ist jedes Naturerzeugniß (Naturpro-ducr) die Erscheinung des Friedens, der Versöhnung zuvor mit einander im Streitbegriffener (sich polar zu einander verhaltender) Kräfte, zugleich aber auch der An-fang eines neuen Streits, indem die verschiedenen Erzeuamsse sich nun selbst polar(feindlich) zu einander verhalten. Ein ähnliches (analoges) Verhältniß sinket noth-wendig in der idealen Welt statt, da sie das höbere Ebenbild der (bewußtlosen)Natur ist. Das Ende des Kampfes in der Kunstrhärigkeit ist das Kunsterzeugniß