Band 
Siebenter Band. M bis N.
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717
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Naturalien

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(Kunstwerk), in dessen Anschauung das beseligende Gefühl der Versöhnung höhe-rer Kräfte, welche während und in der Arbeit im Streit mit einander waren, imKünstler und Kunstverehrer hervortritt. Der Erfolg oder vielmehr der Sieg ausdem religiösen und sittlichen Kampfe ist göttlicher Friede in der Anschauung desGöttlichen und das belohnende Gefühl, welche« tugendhafte Handlungen begleitet,und der Kampf der Wissenschaft gleicht sich in der gefundenen oder bewiesenenWahrheit aus, in welcher der Friede als wissenschaftliche Überzeugung (Evidenz)erscheint. Alle Bildung, im Geistigen wie im Leiblichen, ist also Kampfresultat,und die Namen: Krieg (Kampf, Streit), Friede, Sieg, Held haben eine große,durch das Ganze greifende Bedeutung. Alles Gute, Schöne, Wahre, Großegeht aus Kampf und Streit hervor, wodurch es gebildet, geläutert, zum Bewußt-sein erhoben (in die Erkenntniß geboren) wird, und um so herrlicher erscheint, jegrößer und schwerer der Kampf war, durch welchen es eriaingen wurde. Wer inder Welt eine vorzügliche Stelle einnehmen, sich auszeichnen, seine Bestimmungin vorzüglichem Grade erreichen will, muß tapfer kämpfen und im Kampfe sich alsHeld bewähren. Und dieser Kamps ist schwer, denn je höher ein Naturwesen steht,desto größer und vielseitiger ist die Sphäre des Streiks, in deren Mittelpunktesals Kämpfer gestellt ist. Alle Naturdinge unter dem Menschen kämpfen nur ein-seitig oder nach wenigen Richtungen gegen einzelne feindliche Angriffe, aber derMensch ist von allen Seiten, nach Innen und Außen von Feinden umgeben,gegen welche er sich zu behaupten hat, um innerlich und äußerlich den Frieden zuerkämpfen: ein Bild, das jeder Denkende, der die obigen Winke weiter verfolgt,sich lecht selbst vervollständigen und ausmalen wird. Der Kampf um die Wahr-heit in wissenschaftlicher Thätigkeit ist, im Idealen, der höchste und darum auch,wenn er gelingt, der erfolgreichste. Wenn daher die Wissenschaft, indem sie,vermöge des Zusammenhangs der Wahrheiten auf das Ganze geleitet, ihrenBlick auf den großen allgemeinen und endlosen Streit, d. h. auf das Leben desGanzen, der Gesammlnatur, des Universums richtet und in diesem Streite selbstvollkommene Harmonie, tkeils wissend, theils ahnend erkennt, so feiert sie in die-ser Erkenntniß, welche tie Offenbarung Gottes in ihr ist, ihren höchsten Triumph.

Naturalien, N a t u r e rz e u g n i sse, sind alle von der Natur hervor-gebrachte Körper, insofern sie besonders durch die Kunst noch keine wesentliche Ver-änderung erlitten haben; dann aber nennt man so die seltenern oder wohl erhal-tenen Naturcrzeugnisse, welche in Naturaliensammlungen aufgenommenwerden. Hierzu gehören Muscheln, Steine, getrocknete, in Weingeist gefehlt oderausgestopfte Thiere, Kräuter. Ein Natura liencabinet ist daher eine Samm-lung von allerlei Gegenständen au« den drei Reichen der Natur, welche entwederöffentliche Anstalt ist oder von Privatpersonen angelegt wird. Wahrscheinlich ist<S, daß Aristoteles eine solche Sammlung hatte, da ihm auf Alexanders Befehl dasSeltenste aus allen drei Reichen der Natur zugeschickt werten mußte. Was indessenim Alterthume der Einrichtung von Nakuraliencabtmten vorzüglich entgegenge-standen habe» muß, scheint die Unzulänglichkeit der Mittel gewesen zu sein, die mandamals zur Aufbewahrung der der Faulniß unterworfenen Gegenstände hatte.Noch unbekannt mit dem Gebrauch des Weingeistes, w-lcher alle Fäulniß abhältund bei seiner Durchsichtigkeit die vollkommene Beschallung des in ihm aufbewahr-ten Körpers verstattet, legte man die fauldaren Naturalien in Lalzwaffer oder inHonig, oder man übergoß sie mn Wachs. Im Miiielalter war tie Anlegung vonNaturaliensüimnliingen gewöhnlich die Sache der Kaiser, Könige und Fürsten ,denen man aus den, Auslande seltene Naturgegenstände zum Geschenk miibrach'.e,wozu die Ausbreitung des Handels immer mehr Gelegenheit gab. Als sich tie Vor-uriheile verloren, welche sich anfangs der Anatomie entgegensetzten, unk die Aka-demien tie Erlaubniß bekamen, menschliche Körper zu zerlegen, scheint mar^zuerst