Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
722
JPEG-Download
 

722 Naturforschung Naturgcschichte

desselben; denn je nachdem diese verschieden sind, kämmen auch verschiedene Esschei-nungen des Gemüths zum Vorschein. (S. auch Temperament.) ü>I.

Naturforschung, s. Naturgesetze. Über den freien Verein deut--scher Naturforscher und Ärzte s. Oken.

Naturgcschichte isi (im gewöhnlichen Sinne) die erzählende Darsiel-lung der Entwickelung der Naiurdinge, Ifaturkörper, Naiurproducte, wobei olledie Entwickelung (werdende und gewordene Bildung) begleitende Erscheinungen er-wähnt und beschrieben werden. Wenn aber zugleich die Grünte der Entwickelungmit erörtert werden, wodurch die Nothwendigkeit des bestimmten Ganges und Cha-rakters der Entwickelung offenbar wird, sodaß man begreift, warum die Erschei-nungen gerade so und nicht anders sind, noch sei» können: so entsteht eine höhere,nicht bloß erzählende, sondern philosophische Naturgeschichte, welche auch Natur-philosophie hecht. (Vgl. wegen dieses Gegensatzes zwischen den, bloß empirischen undrationellen Gesichtspunkte d. A. Physi k.) Daraus erkennt man, laß Das, wasman gewöhnlich Naturgeschichte nennt, nämlich die erzählende (empirische), die Ent-wickelung oder Bildung der Naturdinge rein historisch darstellende Naturgeschichteerst durch die Naturphilosophie ihre rechte Begründung, und somit Werth undWahrheit erhält, und daß dagegen die bloß empirische, die sich uni die Gründe derEntwickelung nicht bekümmert, zwar nützlich sein wird für das praktische Menschen-leben, mithin z. D. in ökonomischer, technologischer, forstwiffenschaftlicher Hinsichtseht dienlich sein, aber keinen Werth als Wissenschaft habe» kann, da man durch siedie Natur und ihre Erzeugnisse nur von ihrer Außenseite kennen lernt. Gegenständefür die Naturgeschichte können nur diejenige» Noturdinge sein, deren Entwickelung(Bildung in der Zeit und im Raume), wo möglich von ihrer Entstehung an, durchdeutliche Anschauung beobachtet werden kann. Dahin gehört also die Erde oder un-ser Planet, wenigstens dieErdrinde, so weit man sie durchforschen kann, und alles,was auf ihrer Oberfläche ist, wächst und lebt. Was dagegen auüei ha'b unsers Pla-neten ist, der Himmel also oder die entfernten Weltkörper, gehört nicht in den Bereichder Naturgeschichte, obgleich cg Gegenstand einer Naturwissenschast, der Astrono-mie, ist. Denn jeder Welikörper Muß zwar, als lebendes Weltindividuum, so gutwie unsere Erde, wie jede Pflanze, jedes Thier, jeder Mensch, seinen besondern Lebens-lauf, d. h. ein entstehendes, zunehmendes (aufsteigendes), abnehmendes (absteigen-des) und endlich vergehendes, (aufhörendes, verschwindendes) Leben, mithin einewirkliche (reale) Naturgeschichte haben, und diese Naturgeschichte kann nur an denVeränderungen, Erscheinungen u. Erzeugnissen erkannt werden, welche jede Lebens-periode des Weltkörped« bezeichnen und begleiten; aber diese Veränderungen, Er-scheinungen rc. können bei den entfernten Wcltkörpern nicht beobachtet werden, weildie Anschauung des Menschen nicht so weit reicht, und daher ist auch keine kosmischeNaturgeschichte (Naturgesch. der Welikörper), alS menschlicheWissenschaft, möglich.Auch werden Physik und Chemie, für sich, nicht zur Naturgeschichte gerechnet, fürwelche sie aber theils begründende, theils Hülsswissenschafren sind. Es kann alsonur 4 Hauptwissenschaften geben, welche die Naturgeschichte in sich begreift, näm-lich 1) die Geologie, als Naturgeschichte der Erde, diese als Ganzes und in ihrenThe,len (Boden, Mineralien) betrachtet, oder die Mineralogie in umfassender!»Sinne; 2) die Phykvlogie oder Botanik, als Naturgeschichte der Pflanzenund des Pflanzenreichs; 3) die Zoologie, als Naturgcschichte der Thiere unddes Thierreichs, und 4) die Anthropologie als Naturgeschichte des Menschenund des Menschenreichs oder der Menschenwelt. Jede dieser 4 Hauptwissenschaftenhat wieder ihre untergeordneten Wissenschaften (s. Naturwissenschaften):diese haben wieder Nebenzweige, und alle treiben gleichsam Laub und entfalten aussich Blüthen und Früchte, und so gleicht das Ganze einem Baume, dess.n Stammdie Geologie, dessen höchster Gipfel aber mit den edelsten Blüthen und Früchten die