Band 
Siebenter Band. M bis N.
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723
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Naturgeschichte

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Anthropologie ist. Alle Naturgeschichte ist nothwendig einerseits erzählend (ge-schichtlich im engern Sinne), indem ste die Veränderungen eines sich entwickelndenNaim Individuums vorträgt, wie ste in der Zeit aufeinander folgen. So erzähltdie Phyrolozie wie die Pflanze ihre Entwickelung nach zwei entgegengesetzten Rich-tungen mit dem Keim des Samenkorns beginnt, abwärts in der Wurzel, die sich un-ter der Erdoberfläche verbreitet, aufwärts in dem Stängel, der, sich über die Erdflächrerhebend, dem Himmel entgegenwächst; wie der Stängel in der Folge Äste undZweige aus sich hervortreibt, wie dann die Zweige in Laub sich entfalten, wie diesesendlich in der Blüthe die höchste Form der Pfianzenbildung erreicht, wie ferner vondiesem Wendepunkt aus der Lebenelauf der Pflanze abwärts zu steigen beginnt, in-dem sich aus der Blüthe allmälig die Frucht, aus dieser zuletzt der Same entwickelt.Andrerseits ist die Naturgeschichte beschreibend, indem sie zeigt, wie sich die Lebens-momente eines Naturwesens bei seiner Entwickelung im Raume darstellen und alsleibliche Form in Verbindung mit Farben und sonstigen körperlichen Eigenschaftenoffenbaren. Die Naturbeschreibung hat es also mit der Gegenwart, daher vorzüg-lich mit Dem zu thun, was sich im L benslauf eines Naturdings im Raume be-reits entwickelt hak, also mit der Darstellung der räumlichen Erscheinung eines Le-bens, sowol im Einzelnen als in der Gesammtheit, nach den Theilen sowol als imGanzen. Da nun das Zeitliche und Räumliche der Dinge, nämlich das Fortschrei-ten der Entwickelung des Lebens und die Darstellung des Entwickelten im Raume,in der Natur nicht getrennt, sondern Beides immer beisammen, in und mit einanderist, so können auch diese beiden Momente der Naturgeschichte: Erzählung und Be-schreibung, nicht völlig voneinander getrennt werden, sondern sie spielen nothwendigineinander, und können nur durch dasÜbergetvichtaus der einen oder andern Weite,durch ein Vorherrschen des einen Moments über das andere unterschieden werden.So hat es die Phyiologie, bei der Beschreibung der Pflanze, zunächst nur mit derräumlichen Gegenwart derselben ju thun; aber alle Gegenwart weist auf eine Ver-gangenheit zurück und verspricht eine Zukunft! nicht alle Theile der Pflanze sindzugleich gegenwärtig; der Phvtolog oder Botaniker muß also, um vollständig zu be-schreiben, zugleich aus das Zeitliche Rücksicht nehmen, in seine Beschreibung die Er-zählung aufnehmen, indem er z. B. bei der Beschreibung der Blüthe, wenn er de-ren Bedeutung angeben will, auf ihr Vorbild in der Laubpflanze (Laub, Stängel undWurzel) zurückweist, und auf die Anlage der künftigen Frucht aufmerksam macht,bei der B-schreibung der Frucht und des Samens aber auf die vergangene Blüthezurückdenket. Ein drittes Moment der Naturgeschichte ist die Systematik, -,h.die naturgemäße oder wenigstens nach NakUrgemäßheit strebende Anordnung undStellung der Theile des Ganzen; sie bezieht sich einerseits auf das vollkommensteIndividuum eines Reichs, andrerseits auf das ganze Reich, und sie kann dah r injmer Beziehung die specielle, in dieser die generelle Svsiematik heißen. Sie ist ei-g ntlich das Resultat aus der Erzählung und Beschreibung, also das dritteMomentder Naturgeschichte, nichtneben den beiden ersten, sondernauS ihnen hervorgegangen.Denn wer z. B. weiß, wie sich die vollkommene (ihrerganzen Zkee entsprechende)Pflanze, ihren Theilen nach, in der Zeit entwickelt, und vermöge einer sinnvollenBeschreibung die Bedeutung ihrer Theile kennt, der kennt auch ihre nahe und ent-ferntere Denvandtschaft, ihren Rang, ihre stufengemäße Stellung gegen einander,d. h. erkennt das System der Pflanze. Für die generelle Systematik dient nun diespecielle zum Muster und Vorbilde; denn aus dem System der einzelnen Pflanze —um bei diesem Beispiele zu bleiben — werden die Eimheilungsgründe für das ganzeReich genommen. Die empirische Naturgeschichte pflegt willkürlich nureinzelne Theile des speciellen Systems herauszuheben, um sie für die Eintheilungdes Reichs zu benutzen, indkin z. B., nach Limw, bloß die -Organisation der Blüthe(eigentlich nur ein Theil dieser Organisation) zum Princip der systematischen Anord-

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