724
Naturgeschichte
nung des ganzen Pflanzenreichs gemacht wird. So entstehen die künstlichen Sy-steme, deren M.hrheit aus ihrem Wesen sehr begreiflich ist. (Vgl. Natursystem,)Die philosophische Naturgeschichte dagegen nimmt sich das ganze nachphilosophischen Grunde» ei kannte, specielle Lvstem zum leitenden Pr.ncip sür dienatürliche Anordnung des Reich?, und hierdurch wird das natürliche oder philoso-phischeSvstem begründet, wobei i ie Richtigkeit und Vollständigkeit der Begründungalle Vielheit der Srsteme ausschließt. Diese 3 Momente oder Heuptsiite» derNaturgeschichte dürsen nun nicht verwechselt werden mit folgenden 3Theüen, m diesie in andrer Hinsicht zerfcklt. ?(n jedem Naturwese» (Naturintividuum) unter-scheidet nämlich der menschliche Verstand: 1) die leibliche Form, mit allen dahingehörigen materiellen Eigenschaften; 2) die Substanz des Leibes (die chemischenBestandtheile und deren Verhältniß), 3) das Lben. Die Betrachtung, Erforschungund Bestimmung dieser Drei, welche, während des Daseins, in jedem Nalurdingeuntrennbar verbunden, oder eigentlich nur Unterschiede einer Einheit sind, gibt die3 Theile jeder nalurhistorischen Wissenschaft, nämlich: ->) die Formenlehre —Morphologie; l>) die >Ltofslehre — Stochiologie (Chemie); <) die Lebens-lehre — Biologie oder Phpsiologie. Die Formenlehre, welche vorzugsweise Ge-genstand der Naturbeschreibung oder vielmehr sie selbst ist, wäre, nalurgemäß,eigentlich der dritte Hauptrheil einer nalurhistorischen Wissenschaft, da die sichtbareForm oder Gestalt das Resultat oder die Erscheinung des Gleichgewichts von Lätoffund Leben ist, während im Stoff das Materielle, un Leben das Geistige oder .Thä-tige mit Übergewicht hervortritt (s. Na turwissenschasten); aber die Formen-lehre (Morphologie) ist, einer zweckmäßigen Methode gemäß, der erste (zuerst vor-zutragende) Theil, weil die Form der (sinnlichen) Anschauung am nächsten liegt.Aber diese 3 Hauptcheile sind in der Naturgeschichte nicht für sich und abgesondertvon und neben den oben erwähnten 3 Momenten: der Beschreibung, Erzählungund Systematik; sondern diese kommen in jedem Haupttheile wieder vor, und jedersoll beschreibend, erzählend und systematisch sein. So theilt sich z. B. die Formen-lehre: 1) in Formbeschrelbung; 2) in Formgeschichke (Darstellung der Formver-wandlung); 3) in Formsystematik (Anordnung der Dinge nach ihren Formen).Ebenso giht es für d:e Stochiologie eine Stoffbeschreibung (Darstellung der Eigen-schaften der Stoffe), eine Sioffgeschichte (erzählende Darstellung der Umwandlungder Stoffe bei der Entwickelung eines Naturkörpers) und eine Stoffsystematik(naturgemäße Einrheilung und Anordnung der Stoffe); und ebenso hat die Phy-siologie dieselbe» 3 Momente der Naturgeschichte in sich aufzunehmen, oder sie sindvielmehr wesentlich in ihr enthalten. Die Naturbeschreibung hat es mit der Gegen-wart (der vorhandenen Bildung, als Ergebniß der Entwickelung), die Erzählungniit der Zeitfolgc der Veränderungen bei der Entwickelung, die Systematik mit dernatürlichen Anordnung des Entwickelten zu thun. Bemerk, nswerth ist es, daß diebeiden ersten Momente der Naturgeschichte bei den verschiedenen Naturwissenschaf-ten in einem verschiedenen Verhältniß zu einander st hen, und daß dieses Verhältnißin der Stufenleiter der Naturwissenschaften nach einem erkennbaren Naturgesetzewechselt. Da der Entwickelungsgang der Natur mit dem Vorherrschen des Realenoder Mcuerialen beginnt, und stufenweise zum Lebendigen und Geistiger» sich er-hebt, so ist auch in der Mineralogie, die es mit dem untersten Naturreiche, worindas Material? überwiegt, zu thun hat, das reale Dchment der Naturgeschichte, dieNaturbeschreibung, überwiegend; das ideale dagegen, nämlich die Erzählung oderNaturgeschichte im engsten Sinne, zurückgedrängt. Mit dem in den folgendenhöher» Reichen gesteigerten Naturleben, welches in zeitlichen Veränderungen sichoffenbart, steigert sich auch in gleichem Verhältniß das ideale Moment der Natur-geschichte in den entsprechenden Wissenschaften; denn deutlicher tritt es schon in derPhytologie (bei der erzählenden Darstellung der Pflanzenentwickrlung) hervor,