Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Naturgesetze

Lebens und Seins. Wenn aber die Wetterveränderungen wirklich zufällig undFolge der gesetzlosen Willkür der Natur in ihrer atmosphärischen Thätigkeit wären,woher käme es. daß gleichwol die Menschen, namentlich die Naturforscher, vonjeher bemüht waren, das Wetter vorauszubestimmen, und von diesem so oftschon mißlungenen Streben noch immer nicht ablassen wollen? Wäre es nicht wi-dersprechend, bei der Voraussetzung, daß die Natur irgendwo und irgendwannwillkürlich (gesetzlos, zufällig) handeln könne, dennoch ihre Handlungen voraus-sagen zu wollen? Aber der Mensch, ein Sohn und Ebenbild der Natur, wider-spricht sich hierin wcht; er ist genöthigt, und wäre es gegen seinen Willen, die Na-tur in ihren Erscheinungen durchgängig und ohne Ausnahme als gesetzmäßig zubetrachten und daher üb.rall, auch in ihrem scheinbar willkürlichsten Wirken, nachihren Gcst-tzen zu forschen. Auf das gleiche Ergebniß kann man auf einem andernWege, von einer andern Ldeite her gelangen. Alles Erscheinen der Natur ist Äu-ßerung ihres Innern (Verborgenen), Offenbarung ihres übersinnlichen Wesensund Darstellung desselben in räumlichen und zeitlichen Formen. Alles Leben undSein der erscheinenden Natur ist zeitliche und räumliche Offenbarung. Zeit undRaum sind aber die Uranfänge (Principien) der Mathematik, und deren Gegenstanddie Welt der zeitlichen lind räumlichen Formen (der Zahlen und Gestalten). Dieschaffende Natur, von dieser Seite betrachtet, zeigt sich überall als vollkommenallseitige, mathematische Künstlerin, und ihre Gesetze können nur näher als ma-thematische (Zeit - und Raum,) Bestimmungen ihres Erscheinens erklärt werden.Man betrachte, welches Naturgesetz man will. so wird man, und oft auf den er-sten Blick, den mathematischen Charakter desselben finden und gewahr werden,daß der Inhalt eines jeden, im Allgemeinen, Maß, Zahl, Gewicht ist, und daßin jekeni besondern Naturgesetze ein bestimmtes Verbältniß der Naturkräfte oderein Zeit und Raumverhäliniß der Erscheinungen ausgesprochen wird. Man be-trachte in dieser Beziehung z. B. folgende Naturgesetze: 1) Alles Licht, so langees in einerlei Mittel (durchsichtigen Materie) bleibt, pflanzt sich in gerader Rich-tung (nach geraden Linien) fort; 2) das Gesetz der Strahlenbrechung: wenn einLichistrahl aus einem dünnen in ein dichteres Mittel übergeht, so wird er nach demEinfallslothe zu gebrochen, und der gebrochene Winkel ist Minerals der Neigungs-winkel; im entgegengesetzten Falle wird aber der Lichtstrahl von dem Einfallslotheabwärts gebrochen, und der gebrochene Winkel ist jederzeit größer als der Neigungs-winkel (s. Brechung der Lichtstrahlen); 3) das Gesetz des Falles, nachwelchem bei einen: fallenden Körper die Räume, welche er durchläuft, sich wie dieQuadrate der dazu erfoderlichen Zeiten verhalten. Aber auch in den organischenNaturreichen ist Alles »aturgesetzmäßig, und es offenbart sich der gleiche mathema-tische Charakter in den Naturgesetzen des Organischen wie in denen des Unorgani-schen. Man betrachte z. B. in dieser Hinsicht das von Camper entdeckte Natur-gesetz, nach welchem der untere und vordere Theil des thierischen und menschlichenGesichts in Beziehung auf Stirn lind Schädel desto mehr zurücktritt, je vollkomme-ner orgamsirr und geistvoller die Wesen sind; oder das Sömmerring'sche, nach wel-chem das Gehirn im Verhältnisse zur Masse und Dicke des Rückenmarks und derNerven an Größe und Masse um so bedeutender ist, je vollkommener organisirt dieThiere sind; oder das Gall sche, nach welchem der äußere Gehörgang bei pflanzen-fressenden Thüren hinter, bei fleischfressenden vor jener Mittellinie liegt, durchwelche man den Hirnschädel der Länge nach in 2 gleiche Theile theilen kann. Nie-mand wird verkennen, daß das Wesen dieser (zuletzt erwähnten) Naturgesetze in be-stimmten Raumverhältnissen, hinsichtlich der Kopftheile und andrer Organe beiThieren verschiedener Stufe liegt. Wo aber die Raumverhältnisse zurücktretenund keine oder wenige geometrische Bestimmungen gestatten, da treten desto mehrdie Zeitvei hälmisse hervor, welche in arithmetischen Bestimmungen (Zahlen) aus-