Natürlichkeit Naturrecht 131
Natürlichkeit, Natürlichkeitsprincip in der Kunst, s. Nach-ahmung und Kunst.
Naturphilosophie. Der Name dieser Wissenschaft rührt ohne Zwei-fel von Newton h-r, obgleich dieser der Naturlehre den Rath gab, stch vor Philo-sophie zu hüten. Der rechte Begriff davon setzt aber vor Allem die wahre Idee oderAnsicht der Natur aus dem Standpunkte der Wissenschaft (Philosophie) voraus(vgl. Natur); denn die Naturphilosophie ist die allseitige svstematische Darstel-lung oder organische Durchführung dieser Ansicht, und daher Naturwissen-schaft (s. d.) im höchsten Sinne des Worts. Der niedere Gegensatz von ihr istdie Naturkunde, als Summe der Erfahrungskenniniffe von der Natur, enthaltenddie empirischen Naturwissenschaften, die als geordnete Sphären der Erfahrungs-kenntnisse über die Naturdinge und Naturerscheinungen zu betrachten sind. DieNaturkunde ist das unentbehrliche Organ der Naturphilosophie; denn sie läßt sichvon jener die Erfahrungen, Beobachtungen und Versuche vorführen, um allen die-sen Erscheinungen die rechte Deutung zu geben, oder ihre wahre Bedeutung im Zu-sammenhange des Ganze» zu enthüllen. Wenn die Naturkunde von ihrem eignenStandpunkte aus (ohne Naturphilosophie) die Natur erklären zu können meint undErklärungen versucht: so nennt man das Empirie, sowie die so erklärenden Natur-kundigen selbst Empiriker. Nimmt man den Namen Natur in der umfassendstenBedeutung, wobei selbst der intelligente Geist als die höchste Stufe der Natur, oderals die im Selbstbewußtsein frei gewordene Natur betrachtet wird, so ist alle Phi-losophie Naturphilosophie. Dagegen hat die Naturphilosophie im engern Sinneihren höhern Gegensatz in der Ideal-oder Geistesphilosophie, und wie jene dieGrundwissenschaft und gleichsam der Geist aller Naturwissenschaften ist, so ist diesedie höhere Grundlage und gle chtam die Seele aller idealen Wissenschaften, wohinz. B, die Psvchologie oder plvchische Anthropologie, die Religions-und Moralphi-losophie (Ethik im engern Sinne), die philosophische Rechtswissenschaft u. s. w. ge-hört. Bisweilen bezeichnet man auch die Gesammtheit der idealen Wissenschaftenmit dem Namen Elhik, und dann steht dieser die Physik gegenüber, als Gesammt-heit der realen oder Naturwissenschaften. (S. Philosophie, Eintheilung der-selben.) Der Anfang oder die ersten noch unvollkommenen Grundzüge der echtenNaturphilosophie finden sich schon bei den alten Griechen, unter welchen Pythago-raS sich in dieser Hinsicht am meisten auszeichnet, der seine naturphilosophischen An-sichten in mathematischer Form darstellte, indem er vorzüglich auf die tiefe Bedeu-tung der Zahlen in der Natur aufmerksam machte. Für unsere Zeit ist Schellingder erste Wiederherstellet" der Naturphilosophie und Derjenige, welcher zugleich aufden nothwendigen Gegensatz von Natur- und Idealphilosophie zuerst hinwies.Nach ihm ist durch andre treffliche Philosophen, vorzüglich durch Oken, dieseGrundwissenschaft weiter ausgebildet worden.
R a t u r r e ch t ist die Wissenschaft, welche die Idee des Rechts oder des vonder Vernunft gebotenen rechtlichen Verhältnisses unter den Menschen, vor und ne-ben dem im Staate aufgestellten, gewillkürten Gesetz, entwickelt. Sie ist also eineDernunftwissenschaft oder eme Philosoph. Wissenschaft, und tvejl sie sich auf dasbezieht, was Menschen durch Handeln bewirken sollen, ein Theil der prakt. Philo-sophie. Schicklicher wird sie Rechtsphilosophie oder Philosoph. Rechtslehre gs-nannt. Der obige Name aber schreibt sich von einer irrigen Vorstellung her, welchebeim Entstehen dieser Wissenschaft und lange nachher noch herrschend war. Manglaubte nämlich, um das, was an sich Recht sei (das Wesen des Rechts), zu fassen,müsse man untersuchen, was vor allem positivem Rechte, in dem sogenannten Na-turstande der Menschen, gegolten habe. So hing diese Wissenschaft von den- vie-le» und mancherlei Vorstellungen eines Naturstandes (s. d.) ab, der bald alsZustand der ganzen Menschheit, bald als Zustand der einzelnen, nicht in Staaten