Band 
Siebenter Band. M bis N.
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733
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Naturreiche Naturstand 133

Verhältnisse eine selbständige Betrachtung aufstellte, welche er auf moralische Ansich-ten gründete. Für Pnfentorf wurde die erste Professur des Naturrechts 1661 zuHeidelberg errichtet. Ehr. ThomasiuS schied das Rechtliche (flirt >n») von dem sittlichMuten und charakterisiere daeRecht als das vernünftigerweise Erzwingbare. DurchNie. Hieran. Gundling u. A. wurde kiese Trennung des Rechts von der Moralweiter ausgeführt, und so hieß das Naturrecht seit Achenwall die Wissenschaft derZwangs - oder Rechtspflichten und Zwangsrechte. Wolf, Nettelbladt u. A. such-ten bis auf Meister das Systematische zu vervollkommnen. Montesquieu durch-forschte mit Geist das Vorhandene, während Rousseau sich in einseitige Reflexio-nen verwickelte. Durch Kant und Fichte Hauptfach!, begann eine neue Epoche dieserWissenschaft. Beide suchten die Wissenschaft unmittelbar auf Principien der prakt.Vernunft und auf die Freiheit zu gründen; Letzterer noch selbständiger, indem er dasRecht n cht aus dem Sitiengesitz herleitete. Aber sie gingen Beide von der FreiheitdesEinzelnen aus, die doch nur erst im Staate, als dem vernunftmäßigsten Vereine derMensche n, möglich ist. Die Wahrnehmung, daß ein abstracreö, vom Staate, derSittlichkeit und Politik getrenntes Recht leep und ohne Anwendung sei, bewog dieneuern Bearbeiter der philosophischen RechtSl- hre, das Recht wieder in seiner Ver-bindung mit Moral und Politik darzustellen, sodaß sie von Einigen als Theil derStaatslehre, von Andern in Hobbes's Geiste als Politik im engern Siime behan-delt worden ist. Au diesen gehören die geistvollsten Bearbeiter, nämlich Fries, Hugo,der nur eine Philosophie (oder Klink) des positiven Rechts gestatten will, und G.E. Schulze. Eine eigenthümliche, an die Geschichte sich näher anschließende Bear-beitung der Wissenschaft des Rechts hat Hegel (s. d.) geliefert. Wir bemerkenmir noch, !",) sich die Idee des Rechts und der darauf begründeten allgemeinenrechtlichen Verhältnisse des Menschen in Verbindung, und doch ohne Vermischungmit den politischen und moralischen Beziehungen entwickeln läßt. I.

Naturreiche, so nennt man gewöhnlich die Hauptgebiete der verschiede-nen Nann körper: das animalische oder Thiel reich, das vegetabilische oder Pflan-zenreich, und das Mineralienreich. (Vgl. Naturgeschichte.)

N a k u r st a n d. Daß die Völker und die Menschheit, wie der Einzelne, sichaus dem Schoße der Natur eimvtckeln, und die Natur über die Menschen ihre Herr-schaft äußert, bis sich diese durch ^Freiheit und Bewußtsein über sie erheben unddurch Erkenntniß ihrer Gesetze den Zauber lösen, der sie immerfort gefangen hielt,dies ist der Grund, warum wir einen Naturstand der Völker und Menschheit an-nehme». Daß man von diesem Zustande sehr verschieden denkt, davon liegt derGrund hauptsächlich darin, ob man ihn entweder philosophisch, oder poetisch, oderhistorisch auffaßt, und im erstern Falle, welcher philosophischen Ansicht man folgt,im letztem, in welcher Periode seiner frühern Entwicklung der Mensch betrachtetwird. Die poetischen Schilderungen aber lausen alle auf das Lob eines goldenenZeitalters hinaus. Ferner konnte doch zwischen kein Naturstanöe der Menschheit(oder der ersten Menschen) und dem Naiurstande einzelner Volker eine Versch'cd. ru-hen angenommen werden, wenn man, wie t>n heiligen Urkund.n folgend, aneine unmittelbare Leitung der Menschen durch die Göttin n und einen Sündensalloder Abfall glaubt. Auch scheint diese Annahme durch Begleichung des Lebensder Menschheit mit dem Lebe» des Einzelnen gewissermaßen bestätigt zu w.rden, in-dem die Hilflosigkeit erster M nschen bei dem Mangel eines weuschl. Erziehers aufeine solche unmittelbare Erziehung durch die Gottheit hinzudeuten scheint. Die-selbe Vergleichunz gibt uns die Beschaffenheit eines solcken Zustandes genauer »u er-kennen. Der primitiveZustand UrVölker nämlich ist den Ges.tzen derNaiui zufolgeein Zustand derKintheic; ein Zustand, der von dem Knabcnalte! wohl zu unterschei-den ist, welches sich durch Hesligkeir und Wüthen dem thierische» Instinkte in demMaße nähert, als sich jene durch S anftn mh und Milde von ihm uiuerscheidel.