Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Natursystem

Dies ist ohne Zweifel der Grund, warum mehre Psychologen und Bearbeiter derGeschichte der Menschheit einen sogen. Stand der Unschuld und der Wi'dheit unter--schieden haben. Letzterer ist eigentlich mit dem Naturstande gemeint, wie ihn einHobbeS vorstellte, als Krieg Aller gegen Alle, richtiger Herrschaft der Gewalt und desTriebes , oder der physischen Kraft. Ersterer aber würde dennoch nicht mit dem vonRousseau geschilderten Naturstande Zusammenfallen, dessen Schilderung aus einerhypochondrischenAnsichtderbürgerlichenCulmr hervorging. DenndadieErh.bungdes Menschen über die Natur die natürliche Bestimmung d,S Menschen rn sich fast,so ist es eine irrige und der Menschheit unwürdige Behauptung, daß der Mensch,um seine Bestimmung zu erreichen, die erworbene Bildung aufgeben und zum Na-turstande zurückkehren müsse. Wir beschreiben den Narurstand im Allge-meinen nur als den Zustand der Menschen und Völker, vermöge dessen sie ohn«gesellige Und höhere Cultur, die nur im Staate eintritt, unter der Herrschaft desNaturtriebes einzeln oder zusammen leben und sich mithin dieses Lebens nicht be-wußt sind. Daß der Mensch in diesem Zustande auf Vieren gegangen sei >c., ist ein«Behauptung, welche schon der Bau des Menschen widerlegt. Mit Dem, was wirim anthropologischen Sinne Naturstand genannt haben, fällt auch Das zusammen,was man im Naturrecht (s. d.) den Naturstand genannt hak, obgleich wederein erdichteter noch historischer Zustand nothwendig ist, um das Naiurrechk, oderrichtiger die ph losophische Rechtslehre zu begrünten. Denn der Naturstand indiesem Sinne ist dem büra-rlichen oder dem Zustand im Staate entgegengesetzt, undein außekrechtkicher. Zn Beziehung aufeinzelne Thätigkeiten des Menschen, welch«durch Kunst zur Vollkommenheit erhoben werben, könnte man ebenfalls bei jedemeinzelnen, selbst im Staate lebenden Menschen einen Naturstand annThmen, z. B.in philosophischer Hinsicht einen Zustand, in welchem der gemeine Menschenver-stand ohn« wissenschaftliche Cultur sich befindet; dieser findet statt, so lange derMensch sich noch nicht von der Natur durch D-wußtsein absondert und über den Ge-gensatz des Bewußtsins sagt, mit welchen Fragen und Untersuchungen die Philo-sophie entspringt, wclcheKeinem angeboren wird, sondern Werk der freiesten Selbst-thängkeit des ErkennenS ist: ferner einen künstlerischen und poetischen, den Manauch den Naturalismus in der Kunst zu nennen pflegt. (W. Naturdichter.) 's.

Natursystem. Wenn man unter dem Worte System (s. d.), für wel-ches man das deutsche Wort Gliedbau zu setzen angefangen hat, ein geordnetes, gersetzinäß'g gegliedertes Ganzes versteht, worin dir Theile von verschiedenem Rangeoder Werthe (höhere und niedere) einander unter - und übergeordnet sind und in ei-nem nothwendigen Zusammenhange, in gegenseitiger, nothwendiger Beziehungaufeinander stehen, so kann die Frage vorkommen, ob die gesammte Natur (dieWelt) ein System in diesem Sinnesei, oder ob es ein NatursvsteM gebe? DieFrage ist also nicht diese: ob man die Natur nach gewiss n Gesichtspunkten, etwanach willkürlich gewählten Bestimmungen oder Merkmalen ordnen, classisiciren(systematisch eintheilen) könne? denn diese Frage ist bereits durch d e That genug-sam beantwortet, wovon eine Menge verschiedener Systeme, die sich aber meistnur aufeinzelne Gebiete oder Reiche derNaiur beziehen, und, weil sie subjectivenUrsprungs sind, mit derNaiur selbst sehr unvollkommen übereinstimmen, die spre-chenden Zeugen sink. Sondern davon handelt es sich, ob die Natur in objectiverHinsicht ein System sei, d> h. ein Ganzes in dem Sinne, wie jedes organische We-sen ein Ganzes ist, und wie es vorzüglich der menschliche Organismus darstellt,welcher ein vollkommenes reales System ist, in welchem eine große, geordnete Ab-stufung der Theile, nämlich der einfachen und zusammengesetzten Organe stattfin-det, welche in der lebendigsten Beziehung und Wechselwirkung zu und mit einan-der stehen, sodaß das Ganze (der lebendige Begriff oder Geist des Ganzen) in al-len Theilen lebt und wirkt, die Theile aber nur in und mit dem Ganzen leben und