Band 
Siebenter Band. M bis N.
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735
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Nutursystem 135

besteh,». Diese Frage, vb die Natur in d'esem Sinne ein Ganzes oder Systemsei, ist nicht einmal fürAlle verständlich; sie ist es z.B. für Diejenigen nicht, welchesich zur Idee eines solchen Ganzen nicht erheben können, welche die Natur bloß ein-pii isch zu ersassen vermögen und in ihr eine Mannigfaltigkeit einzelner Dinge ohneinner» Zusammenhang sehen (s. Natur), die dann freilich nur eine willkürlicheAnordnung von Seilen des menschlichen Verstandes gestatten könnte. Noch derwissenschafiliche» Ansicht hat die sichtbare Natur oder die Sinnenwelt nothwendigihren letzten Grund in der übersinnlichen Natur, aus welcher, als der unbedingten,unendlichen Einheit alles Lebens und Seins, alle Naturdinge ursprünglich hervor-gegangen sind und ewig hervorgehen. Die Gesammtheit der Naturdinge ist alsodir Offenbarung oder äußere Darstellung dieser Einheit von unendlichen Vermö-gen, und sie selbst ist die ewige Wahrheit aller Dinge, deren Erkenntniß das höchsteZiel all.r Forschungen sein soll. Demzufolge muß alle Mannigfaltigkeit der Na-tur als die Entwickelung ihrer Einheit (ihrer Idee im philosophischen Sinne) be-trachtet werden. In aller Entwickelung erkennen wir aber einen gesetzmäßigenSlusengang, sodaß jedes Ding bei seiner Entfaltung, bis zum höchsten Punkteseines Lebens und Seins, eine Verkettung von immer höhern Stufen durchläuftund von der höchsten wieder abwärts zu niedern Stufen seines Daseins zurücksinkt.Bei einem Baume z. B. sind die Wurzel, der Stamm, das Laub, die Blüthe, dieFrucht und der Same die verschiedenen Stufen seiner Entwickelung, welche nacheinander entstanden und zum Theil auch neben einander stehen geblieben sind. DieWurzel war (oder ist) seine erste und tiefste, aus dem Keime hervorgegangeneStufe,die Blüthe die höchste (edelste), der Same die letzte. Der Baum aber aber ist selbstwieder eine Stufe in einem größer« Ganzen, dem Pflanzenreiche nämlich, worindie einzelnen Pflanzen, deren Anen, Sippen, Sippschaften, Ordnungen, Clas-sen u. f., von den Flechten bis zu den edelsten Gewächsen herauf, wieder eine ähn-liche Stufenverkettung darstellen, wie die Organe einer einzelnen Pflanze im Gan-zen ihrer Entwickelung. Setzt man nun voraus, wie e« die Vernunft fodert, daßdas gleiche Gesetz der Entwickelung, wie es hier an dem Beispiele der Pflanze unddes Pflanzenreichs gezeigt wurde, durch die ganze Natur herrschend sei, da es eben«sowol im Thierreiche wie im Mineralreiche sich bestätigt, so leitet diese Voraus-setzung den Blick des wissenschafiliche» Naturforschers aus eine große, allgemeine>Llufe»verketlung der gesammten erscheinenden Natur, und diese ist es, welche imumfassendsten und zugleich höchsten oder edelsten «Linne des Worts Nalursyrstem (in objectiver Bedeutung) heißt. Die subjecrive Erkenntniß dieses Sy-stems nennt man das philosophische Natursystem oder auch das natürlicheSystem, im Gegensatze der künstlichen, welche nach einzelnen, willkürlich gewähl-te Merkmalen oder Bestimmungen entworfen sind. Von künstlichen Natursy-steme» gibt es b kamitiich mehre, die sich in ihrer Verschiedenheit und Unabhängig-keit nebeneinander b> Haupte» wollen, z. B. verschiedene zoologische Systeme (Sy-steme des Thierre'chs) nach Linin-, Blumenbach rc.; daß aber in Beziehung aufdas wahre Natursyst.m von keiner solch.n Vielheit die Ncte sein kann, versteht sichvon selbst, denn hier sind die einzelnen S ysteme, z.B. des Thierreichs, des Pflan-zen-unt Mineralreiche, dem Ganzen untergeordnet, als Theile desselben, die mitihm übereinstimmen müssen und ohne die Idee und den Entwurf des Ganzennicht vollständig verstanden werden können. Der Ruhm des ersten gelungenenVersuchs zum Philosoph., das Ganze umfassenden Natürsystcm gebührt Oken,der die Begründung und allgemeinen Gruntzuge desselben in seinem „Lehrbuche derNaturphilosophie" niedergelegt und die we lere Ausführung i» seinem „Lehrbucheder Naturgeschichte" versucht hat. Daß diese Ausführung noch unvollkommen seinmuß, .ist in der Natur der Sache selbst gegründet, da die große Stufenverkettungder Natur inö Einzelne herab, wo die Combination der Gesetze des Lebens stet»