Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
749
JPEG-Download
 

749

Neapel (Stadt)

Welttheilen, und derHafenbamm oder Mole ist stet« von Menschen voll, die ent-weder Geschäfte treiben oder müßig vor einer Pulcinellenbude, um einen Taschen-spieler oder Sänger und Improvisator versammelt sind. Die vornehme Welt wohntund bewegt sich, zumal des Abende, in prächtigen Wagen in den läng« dem Meeresich erstreckenden Straßen Sta.-Lueia und Chiaja; namentlich ist letztere reich anstattliche» Palästen, vor denen unmittelbar am Meere Villa reale, ein kenigl. Gar-ten, sich hinzieht, den u. a. die berühmte Gruppe desFainese'scheiiSiicres schmückt.Die Aussicht von hier über da« Meer hin nach dem Vesuv und den Küsten vonSorremo ist einzig. Aber auch nur die Natur und die Regsamkeit des gegenwärti-gen frischen Lebens, nebst den mancherlei Denkmalen eines verflossenen, machrNea-pel und s. Umgebung so bezaubernd; der Reisende, der, von Florenz und Rom kom-mend, dort tie Wunder der Kunst und die noch in ihren Trümmern großen Monu-mente einer stolzen Vergangenheit beschaut hat, findet hier nur sparsame'Anregun-gen, aber desto häufigere Beleidigungen seinesGefühls für Schönheit undKunst.Die üppige Triebkraft der Natur scheint hier auch dem Style der Kunst sich mitge-theilt und denselben zu Ausartung und Übertreibung angeregt zu haben. Dies giltnamentlich von der Baukunst; wir kennen, außer dem Finanzgebüude in der StraßeToledo, kein bedeutendes Bauwerk in Neapel , das nicht mehr oder minder, von Au-ßen wie von Innen, durch Überladung, Echndrkeleien u.a. unangemessene Zuthatenden entarteten Geschmack verriethe, oder im Gegentheil turchKahIheii undCmför-migkcit das Gepräge der Beteuiungelosigkeit an tei Stirn trüge. Nicht glücklicherfind Bildhauerkunst und Malerei; größere Gunst wart tei Musik, der es hier niean geweihten Piiestern fihlke, doch ist uns seitPaesiello-Tote (Istlk) kein nam-hafter bekannt. Jene trefflichen Zierden Roms, die Dbeliske» und Spiingbrunnen,erscheinen hier i» ftazenhafter Nachbildung; statt der erster» sogen. Agugl e, über-ladene Zroutei formen von Säule, Dbcliek und Pyramide, statt der letzter,> kleinlichund geschmacklos verzierte Brunnen, den lömsschen auch nicht ferne veigleichbar.Selbst die öffentlichen Inschriften, namentlich die aus der spanischen Zeu, sind mitorientalischem Schwulste abgefaßt. Unnr den 122 Kirchen, von denen keine sichdurch ihre Bauart auszeichnet, 1L0 Capellen und 149 Klöstern in Neapel steht obenan die des heil. Januar oder der Dom. Sie ward nach der Zeichnung d.s NicoloPisano 1299 erbaut; bock Hai man sich bemüht, ihren gothischen Charakter so vn lals möglich auszutilgen. In einer unterirdischen Cap-lle unter dem Chor ruht derLeichnam des Heiligen; sein Blut wird in der prächtigen Capelle deS Schützes auf-bewahrt, die durch 4 Alrargemälte von Domentchmo gesch mückt ist. Für die schön-ste Kirche in N. hält man ü Gesu nuovo, wenigstens hat sie die beste Kuppel, dochist auch sie mit sinnlosen Zleirachen überladen. Die Kirche des reichen Frauen-klosterS S,-Chiara gleicht eher einem Ballsaal als einem Tempel; ehemals besaßsie FreSeobilder von Gioito. S. Temeinco ist groß, S. Ftlippo Issri iech anMarmor und Malereien, S.-Paola maggtore ze gt an der Voiterskile Reste einesehemaligen Tempels des Kastor untPollup; bewunlert wird S.-Apostoli. Klein,aber durch SannozarsGrabniül geweiht, ist die von ihm gestiftete Küche Eia. Ma-ria del Parto in Mergellina. Unter dem Schutze der k, preuß. Gesani tschasi gibtes in N. auch eine deutsche evangel. Gemeinde, die setzt nur der hur bestehendenfranz. Gemeinbe eineKörpeischasi bildet. Die Capelle befindet sich >n> pieuß. Ge-sandkschaftshorel. Wir erwähne» noch derKaithause S. Maitino, kie aiif einemBerg unter dem Castell S. Elnio Ii-gi, der henllchstln Aussicht genießt und jetzt dieWohnung der Invaliden isi. Das ganze Gebaute ist überaus piächug, unt dieKirche kostbar geschmückt vor allen andern. Über der Karihaufe liegt das SchloßS.-Elmo, welches die ganze Siadi beherrscht und nur seinen Kanonen jede fre-velnde Bewegung der Lazzcroni (deren es kO—10,060 gibt) zur Ruhe vei weist.Aber auch gegen äußere Feinde ist Neapel gesichert, besonders nach dem Meere zu,