Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
757
JPEG-Download
 

Neapel und Vieilien (Revolution von> 7.'»1

und Kustcnwächter; allein der Geist des Linienhcere« war unzuverlässig; viele Osfi-c:ere nahnien ihre Entlassung, und zwischen Soldaten und Bürgern herrschte gegen-,seitigc Abneigung, die noch durch die den Milizen bewilligten Vorzüge vermehrtwurde. Die Verwaltung neckte, und das mißtrauende Volk theilte nicht die Bege-iferung der Dolksredner. Das Deficit in der Einnahme machte den 'Abschluß cuierAnleide von 1s Mill.Ducati bei pariser Bankiers nothwendig, und das Parlamentgenehmigte am 20. Bet. den Verkauf der Nartonalgüler, an Werth von 1,800,000Tncatt. In der Folge zeigte es sich, daß das I. 1820 die Ausgaben d.s Staatsum 1,084,000 Ducat: veimehrt und die Einnahme um 2,010,000 Ducati ver-nnndert hatte. Desseraingeachter verminderte das Parlament die Grundsteuer 1821lim ein Scchsiheil. So haue das ganze neue Staarsgebäude weder feste Grundla-geii, noch war es ausgebaut und eingerichtet, als es den Kampf nur Dsireich beste-hen mußte, das ein Heer von 80,000 M. unter dem General Baron Frnnont inDberitaiien zusammenzog. Mit Östreich handelten in libereinmmmung die V,on-urchen von Rußland und Preußen, und auf dem Congresse zu Trvppau (s. d.)wurde der Grundsatz der bewaffneten Einmischung in die innern Angelegenheiten ei-nes Staats, um den legitimen Besitzstand und das monarchische Princip in Europa ausrecht zu erhalten, zuerst ausgesprochen und anerkannt, in Laibach (s. d.) aberdie Anwendung desselben enisch-ede» und bestimmt. In Troppau schrieben die 8Monarchen am 20. Nov. eigenhändig an den .König v. Neapel , um ihn nacb La>-bach emzuladen; auch der Konig von Frankreich neih ihm dies zu thun, damu dieAngelegenheit fi iedlich vermittelt werden könnte. Als nun auf ter Rhede von Nea-pel ein engl. nnd ein sranz. Geschwader erschienen, die bei düngender Gefahr diekönigl. Familie zu retten bestimmt waren, so erregte dies Alles bei den verschiedenenPannen der Hauptstadt, hier Argwohn und Mißtrauen, dorr Hoffnung und Freute.Die Rednerbühneu nn Parlament und in den X cuuliw (Logen der Eaibonari) er-tönten von heroischen und patriotischen Reden. Es schien eine allgemeine Begeiste-rung — entgegengesetzte Gesinnungen durften nicht laut norden — d.-,i Bi g zuweissagen. Freiwillige iraten zusammen, und Eide über Eide wurden geschworen.Bei solchem Pausche stolzer Gefühle konnie die königl. Boischafr am 1. Dec.,Frankreichs Vermittelung durch folgende '.Abänderungen m der Verfassung zu er-langen, kein Gehör finden. Es sollre nämlich eine Pawskammer errichtet und derbleibend,^Parlamentsausschuß abgeschafft, dem Monarchen aber das unbeschränkteVero, das Recht der Imnauve der G.setze und das Recht, seine Siaatsrärhe zu er-nennen und das Parlament aufzulösen, zugestanden werden. Als hi,rauf der .Kö-nig am 5. Der., nach Empfang der Schreiben der zu Trovpau versammelten Mon-archen, »ach Laibach zu reisen beschloß und dies dem Parlamente am 1. Dec. an-zeigte, zugleich aber rcrlangte, daß während seiner Abwesenheit keine Vcrändei ringenoder neue Best mmungen in Hinsicht auf die Verfassung beschlossen werden moch-ten, so entstand in der Hauptstadt eine große Gährung. Im Parlamente wurde»den Ministern Carascosa, Zurlo undEampochiaro der Form dieser Botschaft wegensehr lebhafte Vorwürfe gemacht: ,,alle Vorschläge, die span. Eoiii'li'uiion in thronGrunUagen abzuändern, seien gegen den Eid des KönigS, und da? Parlament könnem die Reise desselben nur dann willigen, wenn er sie unternähme, um der geg-nsi-tig beschworen:,! Verfassung Anerkennung zu verschaffen' . Darauf erwiderte einkönigl. Rescr pt, daß S. M. nie die Absicht gehabt harren, die Eonsiiiuuo» zu ver-letzen, daß es aber zur Vermeidung eines Krieges rathsam sei, durch d e konig!. Ver-mittelung auf dem Ccngreffe von Laibach die Billigung zweckdienlicher Eulwmsezu Abänderung der span. Constilutionzu bewirken; denn das Parlament habe nachdem königl. Decrete vom 1. Juli das Recht, jede nöthige Abänderung derselben vor-zubereiten, nur möchte es hierüber während der '.Abwesenheit Sr. M. nichts f,st-setzen. Das Parlament beharrle aber in der Adresse vom 0. bei seiner Erklärung,daß die vom Könige der Nation zugestandene span. Eonstiturion keine andre als