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Neigung
entspringt. Die Eifersucht will allein und ohne Theilung mit Andern besitzen; sieist also immer egoistisch und eine Schwäche des Geistes, oft mit dem drückendenGefühle, Andern an Vorzügen nachzustehen, und mit dem ohnmächtigen Bestre-ben, ihnen, wo nicht diese Vorzüge, doch ihren Einfluß und ihre Wirkungen aufAndre zu entreißen,, verbunden. Das Sprüchwort sagt: „Vüiutiz vst i<>-
vi>Ü!>", d. h. der Neid ist der Begleiter der Tugend, oder richtiger, der Vorzüge;denn nicht das Gemeine und Gewöhnliche, sondern das Ausgezeichnete ist dem Neidam meisten ausgesetzt. Daher nennt auch Dewokrit den Neid das Geschwür derWahrheit.
Neigung. Daß die Neigungen sich im Begehren äußern, wird allgemeinangenommen. Nicht so übereinkommend sind die Bestimmungen dieses Begriffsse'bst. Kant erklärte die Neigung als eine habituell (d. i. zur Gewohnheit) gewor-dene sinnliche Begierde. Abgesehen davon, daß man den Ausdruck Begierde nurvon starken, sinnlichen Begehrungcn gebrauchen sollte, so geht nicht jede Neigungbloß auf das Sinnliche an einem Gegenstände (;. B. Liebe, Freundschaft), wolaber überhaupt auf einen individuellen Gegenstand oder eine best mnne Art derThätigkeit (z. B. Spiel). Wir mochten daher die Neigung lieber bezeichnen als diepositive und habituelle Begehrung eines individuellen Gegenstandes. Es geht hier-aus bervor, daß nicht dem Tkiere, sondern nur dem Menschen Neigungen beigelegtwerden dürfen. Denn das Thier wird instinktmäßig zu dem Gegenstände hingezo-gen, der ihm nicht als individueller gilt; im Menschen aber. dessen Trieb die Heftig-keit des thierischen Instinkts abgelegt hat, und in dem die Willkür hervortritt, ver-möge welcher sich das Individuum milBewußtsein für den individUellenGegenstandentscheiden und an ihn gewöhnen kann. einsteht die Neigung, die, wie der Name be-zeichnet, gleichsam nur ein Hinneigen zu Etwas ist, das auf dem Gewichte (Inter-esse) beruht, welches für den mit Willkür begabten Geist, nach Maßgüb- s. ganzenEntwickelung und Bildung, ein vorgestellter Gegenstand empfängt. Daber ist auchdie Neigung, sowie die ihr entgegengesetzte Abneigung, von dem ganzen übrigen Le-ben und Wesen eines Menschen abhängig und gehört zu seinem p mck olog. Charakter;und daher haben wol Einige die innere fortdauernde Grundlage gewisser Bczchrun-gen oder Verabscheuungen statt der Begehrung selbst, Neigung oder Abneigung ge-nannt. Diese Grundlage aber besteht in dem Organismus und in der Gewöhnung,besonders derjenigen, welche durch Erziehung entsteht. In dem hier entwickeltenSinne kann es nun keine angeborenen Neigungen geben, indem kein Mensch eineentschiedene Hinneigung zu einem individuellen Gegenstände, als solchem, mit aufdieWelt bringt: — denn ihm mangelt noch Willkür, Erkenntniß und Bewußtsein;'—auch ist die Begehrung des Menschen nicht mit s. Geburt habituell. Man müßte also,um angeborene Neigungen zu b, Häupten, entweder den Ausdruck angeboren in einemsehr weäen Sinnembwen und so verstehe», daß es Neigungen gäbe, welche in derbesondern Anlage des Menschen, z. B. in der individuellenBeschaffenheit des Körpers,mit welcher derMensch geboren wird, wenigstens mittelbar ihren Grund haben, oderebenso den Ausdruck Neigung in einem sehr unbestimmten Sinne für menschlicheBegehrungcn überhaupt nehmen, oder mir den Trieben verwechseln, dann konnteman den Trieb eine angeborene Neigung nennen, und umgekehrt. Allein auch die Er-fahrung scheint dagegen zu sp, ech> n. Neigungen nehmen wir erst wahr, wo der Menschsich geistig zu entwickeln ansangt, und sein Wesen immer bestimmter wird; Triebezeigen sich mit der Geburt. Durch fortdauernde Gewöhnung wird die Neigung z»mHang, wenn sie immer wiederkehrt und ihren Gegenstand nicht ändert. DerHangisteine heftige, fortdauernde Begehrung, welche bei der wiederk.hrendeu Vorstellung ih-res Gegenstandes sogleich ins Handeln übergeht. Don der Leidenschaft unterscheidetsich die Neigung dadurch, daß sie an sich sanft ist, verändert werden kann, und mehreNeigungen wol neben einander best-.h-n, die Leidenschaft aber eine herrschende, alles