Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
809
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Neuplatoniker 809

Skepticismus, au? dem Hinneigen des durch Luxus entarteten griechischen Sinne?zur Mrstik und orientalischen Schwärmerei, und au? dem Bereden, deni immermehr siegreiche» Ebrisienkhum durch eine philosophische Begründung des Heiken-ihuin? einen Damm entgegenzusehen, zu erklären. Die Neuplatoniker strebtennach dem Höchsten, nach Erkenntniß des Absoluten und inniger Vereinigung mitdemselben, um dadurch die Bestimmung des Menschen, vollkommen gewisse Er-kenntniß des Alls, Heiligkeil unk Seligkeit zu erreichen, wozu nur Anschauung desAbsoluten (Je <-§>,-') fuhren sollte. AmmsniuS WakkaS ans Alexandrien , ein Mannvon außerordentlichem Genie, der durch Lastwagen seinen Unterhalt verdienen mußte,und nach der gewöhnlichen Ansicht Urkeber dieser Schule ist, erfüllte seine Wchüler,unter denen Longin, der berühmte Kritiker, Plotin, Origenes und Herennius dievorzüglichsten waren, mit demselben dichterisch-philosophischen Feuer, von dem erselbst durchdrungen war. Plotin, geb. zu Lvkopoli? in Aegypten 205 n. Ehr., gest.250, Hai hauptsächlich die Theorie der neuplakonischen Philosophie durch seine Wchrif-len begründet. Er ging von dem wahren Gedanken au?, daß Philosophie nur dannmöglich sei, wenn da? Erkennen und das Erkannte, WubjectiveZ und Objectives,identisch sind. Die Philosophie, lehrte er nun weiter, soll nach ihm das Eine, wel-ches Grund und Wesen aller Dinge ist, und Mit welchem sie selbst zum Theil iden-tisch ist, das lli licht, aus welchem Alles ausströmt, nicht durch Denken und Reflexion,sondern auf eine vollkommene Weise, durch Anschauung, die dem Denken vorangeht,erkennen, Plo.'in's Philosophie beruht also auf den Voraussetzungen, daß nämlichda? Absolute, Übersinnliche der erkennbare Grund der Welt, und daß es durch gei-stige Anschauung, die noch vor dem Denken hergeht, erkennbar sei. Die Intelligenznämlich als Producl und Bild des Einen durchdringt als Lichtwesen alle Dinge.Aus ihr geht hervor die Seele als der bildende Gedanke. Wie sucht das Eine,das G„te, als Urgrund von Allem. Dies geschieht durch unmittelbares Ergreifen,Schauen und Genießen als einer Gegenivart. Wo fallt Anschauendes und Ange-schames zusammen; die anschauende Seele wird was sie anschaut, sie geht zurückzu dem Einen. Die Natur des Geistes und des Seienden ist die erste und wahreWeh, nicht verschieden von sich, nicht kraftlos durch Theilung, noch mangelhaft,noch durch Theile geworden, da ja das Einzelne nicht dem Ganzen entzogen ist,sondern das ganze Leben desselben, und aller Geist in Einem lebend ist. Die Gei-sterwelt ist also anzusehen als ein lebendiges Weltkhier. Alles ist nur Anschauen.Die Sinnenwelt ist das Nachbild der intelligibeln Welt; die Zeit ein Bild derEwigkeit und von ihr ausgeflossen. Das Böse ist enuveder scheinbar oder noth-wendig; als nothwendig aber hört e? auf böse zu sein. — Unter den Wchülern Plo-tin's zeichneten sich Porphyrius (Malchus) und Amelius aus. Iamblichus , einSchwer des Porphyrius , hatte eine große Anzahl von Schülern, unter welchen Eu-stachiilS, Adesius und der Kaiser Julian die vornehmsten waren. In der Folgewurde Athen der Hauplsitz der Platoniker. Unter den spätern Neuplatonikern zeich-nete sich Proklus aus Kousiantinopel (412—485) ai» meisten aus. Zwei Dingesind es hauptsächlich, wodurch die Neuplatoniker interessant werden. Einmal jenephilosophisch dichterische Erhabenheit des Gemüths, die dann am meisten anspricht,wenn man alle übrige dogmatische Systeme und zuletzt auch den Wkepticismus durch-wandert hat, ohne die gesuchte Befriedigung gefunden zu haben. Das Zweite, wasdie Neuplatoniker auch dem Historiker anziehend macht, ist die Übereinstimmung, inwelche sie die griech, Philosophie mit der ältesten Symbolik des Orients, demHeiden-thuin überhaupt zu bringen suchten. Daher kommt aber auch die Verschmelzung desPlatonismuS mit Pvthagorismus und das Streben, die streitenden Ansichten derfrühern Wchulen zu vereinigen. Eben diescs ihresStrebenS wegen, dieVolksreligionin ihrer ursprünglichen Bedeutsamkeit zu fassen, hat man bisher viele der von ihnenzurllnterstützung dieser Übereinstimmung beigebrachten historischen Notizen verwor-fen und behauptet, daß sie in ihrem spätern Zeitalter nicht mehr Zeugen für Thatfa-