Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
817
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Ncuwicd (Maximilian, Prinz v.) 817

Mit diesen Fabrikerzengnissen, sowie mit Eisen, Gußwaaren, Pottasche, Pfeifen-erde, Bleichert:c., treibt die Stadt Handel auf dem Rheine . Das Residenzschloßbat eine Sammlung von römischen ?llterthümern, welche in der Umgebung derStadt gefunden wurden, als Speere, Pfeile, Trinkgläser, Schlüssel, Spiegel,Ringe, Armbänder, Haarnadeln, Schreibgriffel, Inschriften, Götterbilder.SebenSwerih sind auch der Hofgarten und das Haus der mährischen Brüderge-meinde oder Herrnhuter. Außerhalb der Stadt verdienen Aufmerksamkeit di«1791 entdeckten Überreste einer Römerstadt und römischer Straßen. Hinter Bi-ber, eine halbe Stunde von Neuwied , auf einer Anhöhe, fand man zuerst dieSpuren eines Castclls, 631 Fuß breit, 810 Fuß tief und mit einer 5 Fuß dicken,sehr festen Verlheidignngsmauer, welche vorspringende Thürme hat, umgeben.Im innern Raunie desselben ist ein geräumiges BatehauS, dessen ehemalige Schön-heit noch aus den Ruinen erkannt wird. Das umherliegende Feld ist voll vonTrümmern römischer Architektur, über welche der Pflug hingeht. Das LustschloßMonrepos , auf einem Berge, eine Stunde nordöstlich von der Stadt, ist eineinfaches Gebäude von einen» Stockwerk und bietet eine weite und mannigfaltigeAussicht dar. Hinter demselben ist em Lustwald, an dessen Ende man durch eintiefliegendes, romantisches kleines Thal überrascht wird.

Neuwied, Prinz Maximilian Alexander Philipp , geb. am 23. Sept.1782, Bruder des regier. Fürsten August von Wied-Neuwied , gewann in derUmgebung s. Stamms,ßes die Natur in ihre» wunderbaren Formen und Erzeugun-gen lieb, die schon dort so groß und so rathselhaft sich zeigt. Aufgeregt durch denRuhm Alex. v. Humboldt's beschloß er, wie Dieser, durch deutsche Forschung derWelt Länder auszuschließen, di« bisher nur durch Sagen gekannt waren. Dielange Zeit der europäischen Clausur, wo politische Verhältnisse ihn zwangen, seinemVorhabe» zu entsagen, verbrachte er an der Seite einer hochgefeierten Mutter, ')die Deutschland zu s. gebildetsten Frauen zählte, auf das ferne Ziel fortwährendsich vorbereitend. Ei st nach der Befreiung Deutschlands konnte der g-nau beobach-tete Prinz an dieAusführung seiner Plane denken. Er ging 1813 nach England,und von da nach Brasilien . Hier bildete er sich 1815 zu Rio-Ianc>ro eine Be-gleitung. Nebst 2 Landsleuten, Fellow und Freyreiß, ") und mehren Bewaff-neten, meist für die Jagd, und versehen mit Allein, was zum Einsammeln derNaturalien geborte, zog der Prinz nach CaboFrio, durch die undurchdringlichenSchatten tropischer Urwälder. Dort erblickte er zum ersten Male die Herrlichkeitdieser üppigen Natur. Denn mancher Schuß erreichte die Vogel nicht, welche sichauf den äußersten Zweigen dieser kolossalen Stämme wiegten, und das Auge warnicht im Stande die Menge der Blüthen zu unterscheiden, die bunt von den um-strickenden Flechten herab schwebten. Von Eabo-Frio wandte sich die kleine Ka-ravane nach Villa S.-Lalvador dos Campos dos Goaytacasas, näher dem Meere.In der Nähe von S.-Salvador machte der Prinz die erste Bekanntschaft der Wil-den, die er noch genauer am Rio-Do, e kennen lernte. Dort traf er jene kriegeri-schen Botocuden, über die man ihm die ersten genaueren Nachrichten verdankt.Ihre und der Patachos Feindseligkeiten zwangen den Prinzen, von Morro d'Arara(1816 im Sommer) sich nach Villa-Vstoza zu begeben, wo der Reichthum derNatur einigermaßen für den eben verlassenen entschädigte. Anfälle dieser Wilden

*) Laune, geb. Gräfin von Witgeustein-Berleburg, Vormunden» und Regentin dcSLandes bis >8ur, starb den iz. Nov. >825. Ihr orer Solm, der berühmte Reisende,war früher k. preuß. Capiiain; ihr zter sohn, .Heinrich Victor, geb. >785, trat alsEapitain aus der östreich. Armee und diente dann unter der deutschen Legion in Spanien ,wo er den >7. Jan. I8t2 bei Lastest Sol geblieben ist. (Vgl. W ied.)

**) Georg Wild. Frenreiß, später als Naturforscher des Kaisers von Brasilien angestellt, gab „Beiträge zur nähern Kenntniß des KaiserrhumS Brausten, nebst einerSchilderung der neuen Lvlvnie Leopoldinia :c."(Frtf. a. M.1824) heraus und starb 1828.

Conversaktons-Lericon. Bd. >l>- 52