Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Nibelungenlied

auch skandinavische Gestaltungen erhalten haben. So macht es ein Glied derHeldenurzeit aus, über deren Zergliederung das „Heldenbuch" mehr Ausschluß gibt.Eine jüngste, vielleicht vierte Umgestaltung jener „Niflungasaga" ist unser Helden-,lied, wie A. W. v. Schlegel aus seinein Gehalt als GeschichtSwerk, ausBerglei-chung deutscher mit s.andmavlschen und ungarischen Sagen, sowie aus mancheneinen in Ostreich heimischenDickt r verrathenden Spuren geschlossen hat. Ebensobat er gezeigt, daß weder Wolfram v. E'chenbach, der offenkundige Gegner undSpötter desselben, noch der unter Rudolf von Habsburg , mithin 2 Menschenalterspäter lebende Konrad von Würzbnra, noch endlich der in der Mitte des 13. (fahrh.blühende Marner Vers. sein konnten. Vielmehr Kar er aus des Dichters einseitigerörtlicher Kenntniß, die mehr das sül uche als nördliche Deutschland , besonders genauaber östlich kannte, aus dem entschiedenen Wohlwollen für Ungarn und Abneigunggegen Baiern , welche er mit einem herrschenden Fürstenhause theilte, endlich ausschmeichelhaften B ziehungen auf dasselbe (babenbergiscbe) Fürstenhaus, aufKlings-ohr aus Ungarland oder Heinrich von Ofterdingen geschlossen, welche Beide dem Dich-terwettstreik an LandgrafHermanns Hose zu Wartburg 1207beiwohnten. Wüßteman nicht, daß jedes Dichterwerkes Verständniß eine innige Liebe und Hingebungfedert, durch welche man in sein Gefüge eindringen muß, und wäre dies geradenicht um so schwerer, je entfernter Zeit, Ort und Darstellungsgabe von den unsernliegen; wäre überhaupt der Deutsche nicht so gleichgültig gegen die eignen Urerzeug-nisse seines tiefen Geistes, so müßte allerdings die Herabsetzung befremden, welchedies nur erst wieder erweckte herrliche Dichlwerk zum Theil unter uns erfahren hat,das tiefe stolze Lebenskraft, wie kecke Todeslust, schlichte Gediegenheit mit großar-tiger feiner Sitte und Zartheit, herztiefe Liebe und Treue in allen, auch den stür-mischsten Derhalrnissn des Lebens, würdige, hohe Männlichkeit, wie anmuthiges,holdseliges Frauenrhum in tief verschlungenem, großartigem Lebenszusammenhangcdurchaus offenbart. Da ist nichts Unbedeutendes trotz alles kindlichen Spiels undVerweilens in den Aierrakhen des Lebens. Die hier auftretenden Männer undFrauen sind durch die Weihe der Mähr, in welcher ste leben, hie anschaulichsten, ge-drungensten Stellvertreter der Urzeit eines großen Volkes, das Mark eines urkräf-tigen Lebens, wogegen die kleinliche Schwäche und lose Zerstreutheit des unsern grellabsticht; weshalb, da A»eS seinen Gegensatz foden, gar nicht zu verwundern war,daß endlich die der Gegenwart überdrüssigen Gemüther an jener alten Zeit sich kräf-tigten und erfreuten. Die metrische Form dieses Gedichts ist die vierzeilige ianibi-sche und irochäische Strophe in Reimpaaren mit sechsfachem Hauptaccent, auchspondcischcn, anapästischen und dakiulitchen Rhythmen und weiblichem Einschnittin der Mitte. Der die Klage betitelte Theil ist unstreitig das Werk eines späternDichters und von andrer Form. Es haben sich, außer einigen Bruchstücken, 6Handschriften des Nibelungenliedes erhalten, von denen die in St.-Gallen die äl-teste ist. Aus der Münchner in 4., welche damals in Hohenems war, ließ Bodmerden Hintern Theil der Nibelungen und die Klage, nebst 7 Bruchstücken des vor er»Theiles abdrucken. Das Ganze theilte zuerst Müller in s. Sammlung, ohne jedochdabei die geringste Kritik anzuwend n, mit. Von der Hagen lieferte zuerst eine Über-setzung des Nibelungenliedes (nach dem Muster von Tieck'S „Minneliedern") undspäter (Berlin 1810) eine kritische AuSg. des Urtextes. Darauf erschien: „DerNibelungen Lied zum ersten Mal in der ältesten Gestalt aus derSt.-Galler Urschrift,mit Vergleichung der übrigen Handschriften herauSg. von F. H. v. d. Hagen " (eineberichtigte und mir einem Wörterbuche verm. Auss, BreSlau 1820; zweite umge-arb. A. nur Wörrerverz. undAnm., Frankf. a. M. 1824, 2 Bde. Die neueste kru.AuSg. von „Der Nibelungen Noth mit der Klage" besorgte K.Lachmann, Berlin 1820, 4. — Außer jener hohcnemser Handschr. besitzt die Münchner Hofbibliotheknoch eme Hdschr. des Nibelungenliedes in 8. Zwischen beiden stehen dem Werthenach die St.-Galler Hdschr. Pergamentfol. und die Hohenems -Laßbergische in 4.