888 Niederlande (Königr. der), Geschichte bis 1810
wichen, um mit gewaffneter Hand wiederzuerscheinen, während Alba seiner fana-tischen Wuth Tausende opferte. Selbst seines weisen Nachfolgers Zunigc Vdä-ßigung konnre die empörten Gemüther nicht berubizen, und der staawkluge Wil-helm von Oranien blieb, zwar oft geschlagen von Don Juan d'Austria und Aieran-der von Parma, doch zuletzt Sieger in dem ungleichen Kampfe für Freiheit. Reli-gion und vaterländisches Recht. Sicher wäre früher derKampf beendigt werden,hätten nicht der niederländischen Provinzen verschiedene Prilichkeit, die Eitrsuckkder Großen, deren jeder nur seine Zwecke erreichen wollte, und der unglücklich an-,gcfachte Religionsargwohn der Katholiken und Protestanten gegen einander denSieg unendlich erschwei t. Zwar schloffen sich schon 1576 zu Gent fast alle übrigeProvinzen dem offenen Aufstande Hollands und Leelands an, allein die ausge-zeichnete Gewandtheit des damaligen spanischen Statthalters, Prinzen v. Parma ,wußte die südlichsten oder sogen, wallonischen Provinzen zur Unterwerfung unterdie spanische Herrschaft zu vermögen und bald auch Brabank und Flandern durchGewalt der Waffen zu unterjochen, welches ihm durch die Flucht der aufgeklärte-sten und einflußreichsten Einwohner, die sich arößteniheils nach Holland begaben,sehr erleichtert ward. Erst 1579 schloffen die 5 nördl. Provinzen, Holland , Seland, Utrecht, Geldern und Friesland , die berühmte Union von U treckt, wo--durch sie sich von Spanien unabhängig erklärten. Ihnen trat 1580 Dbernssel uri"159t Gröningen bei. So entstand, nachdem die vereinigten Prorin:en dem Kö-nige von Spanien „als einem Tyrannen" den Gehorsam (-6. Juli 1581) aufge-kündigt baitcn, die Republik der vereinigten Niederlande, in derFolge gewöhnlich nack d r durch Umfang, Bevölkert,nq, Reichthum und Eintlußvorherrschenden Provinz Holland genannt. Als Wilhelm v. Dranien d"rck M-m-chelmord den Ist. Juli 1584 siel, trat Moritz als Statthalter in des Voraäng-u-zFuüstapfe». Seine Siege bei Nieuport und im Brabantckchen. der niederländi-sche» ?ldmirale kühne und siegreiche Thaten gegen Philipps I I. S -»nacht, Frank-reichs und Englands gleichzeitige Kriege gegen Spanien und Philipps l l. Schlaff-heit führten 1609 den 12jährigen antwerpener Frieden herbei. Doch nnckten dieHolländer, ehe ihre jetzt von allen Mächten, Spanien ausgenommen, anerkannteUnabhängigkeit durch den westfälischen Frieden ganz gesichert wurde, den dreckig-jährigen Krieg noch mit durchkämpfen. Holland bot, während Relia'onswuth fastalle europäische Staaten zerrüttete, jedem Unterdrückten eine sichere Zuflucht. AlleReligionen wurden geduldet. Für die sich immer mehr anhäufende Menschenzahlmußte Erwerb jenseits des Weltmeeres gesucht werden. Aus Noch erst glücklicheCorsaren gegen die spanischen Geschwader, wurden die Republikaner bald treff icheSeehelten und kühne, unermüdet thätige Kaufleute, die alle Meere dm ckschwärm-ten, und denen kein Gewinn zu entfernt, kein Hinderniß zu abschreckend wa-. DerHandel von Cadiz, von Antwerpen und von Lissabon fiel in ihre Hände, und sowurden die Verein. Niederlande in der Mitte des 17. Jahrh, der erste Handclsstaatund die erste Seemacht der Erde, denn mit etwa 100 Kriegsschiffen trotzten sie da-mals jeder nebenbuhlerischen Gewalt, während England scwol als Frankreich überdie Demüthigung des allgemein gefurchteren span. Riesenreichs frohlockten. Dieosiindiscke Gesellschaft (gestift. 1602) eroberte Inseln und Königreiche in Asien miteinem Fonds von nur 6 459,810 Gulden. Mit etwa 200 Schiffen betrieb sie denHandel »ach dem sonst unzugangbarcn Ckina und sogar nach Japan . Mit allenErzeugnisse» der Gewürzinseln versorgte sie allein Europa . Das Gold. die Per-le», die Edelsteine des Drienrs gingen gleichsam nur durch ihre Hände. Ihrkonnte die westindische Compagnie nicht gleich kommen, denn als diele gestiftetwurde, war Englands und Fi ankreichs Eifersucht schon erwacht. Holland behaup-tete indeß noch lange sein Übergewicht zur See; Tromp und Runter fochten sieg-reich, und selbst Ludwig XIV. , der den Plan zur Demüthigung der kühnen Re