812 Niederlande (Königr. der), Gesch. von 1810—15
allein keiner wagte selbst Hand anzulegen. Jetzt lud Hogendorp auch die anfangsausgescblossmen Männer ein, welche die Zügel des Staates 1786 und 1787 undnach 17' 5 enkten, und die, wie ontioranisch auch in frühern Zeiten gesinnt, sichjetzt dem alirepublikanische- »ramschen Systeme gern angeschlossen hätten, wärensie nicht durch die erste Ausschließung mißtrauisch geworden. Nach zwei mißlunqe-neu Versuchen ernannten die 17 zuerst Verbündeten, unter denen sich der Graf Lim-burg-.Siyrum, die Herren v. Perponch- r. Fagel und Thonguion, die GeneraleS weertS, van Landas und de Ionge, der Pros. Kemper und der Advocat FanniusSchölten auszeichneten, aus ihrer Mitte in den Personen der Herren Gysbrechtvan Hogendorp und des Frech. v. d. Duvn v. Maasdam, eines freisinnigen, redli-chen Mannes, ein Duumvirat, welches als provisorische Regierung das Staals-sct iff der verjüngten Republik vor dem Untergänge bewahren sollte, bis der Prinzvon Oranien aus England, wohin am 19. Ncv. die Herren v. Perponcher und Ja-gel. ihn einzuladen, abgesandt waren, eingetroffen sein würde. Die 2 Männerversäumten nichts, um das angefangene We> k zu vollenden. Sie sandten einenAbgeordneten in das Hauptquartier des Gen. v. Bülow nach Münster und nachFrankfurt a. M. zu den verbündeten Monarchen, welche hierauf die kräftige Unter-stützung der ehrenvoll n Unternehmung der Holländer beschlossen; sie suchten dasmächtige Amsterdam durch ihre Tommissarien Kemper und Schölten zu einer offe-nen Erklärung zu bewegen, die zwar wegen der Nähe des franz. Hauptquartiers zuUtrecht , unter dem Gen. Molitor, noch nicht die gewünschte Ausdehnung erhielt,wohl aber die größte Anhänglichkeit für das Haus Onanien aussprach. Der langer-sehnte, am 30. Nov. jubelnd im Haag empfangene Erbstailhalter verweilte nureinen Tag daselbst und kam bereits im Dec. in Amsterdam an, einer Stadt, derenöffentliche Meinung er mit Recht als den Barometer der allgemeinen politischenStunmung ansah. Allein schon war es zu spät, um die nicht mehr verborgenenAbsichten einiger Wenigen mit dem wahren Volksgeiste vergleichen zu können.Die Tommiffarien des DuumviratS (Kemper und F. Schölten) hatten, manglaubte aus eigner Bewegung, eine Proclamation erlassen, welche sich mit derErklärung endigte: „N eterland ist frei, und Wilhelm I. ist der souverame Fürstdieses freien Landes". Der rechtschaffene Fürst weigerte sich anfangs ernstlich derunberathenen Proclamation sich zu fügen, und erst nachdem bei den erhitzten Kö-pfen alle seine Gegenvorstellungen umsonst gewesen waren, willigte er in den ohnedie mindesten Einschränkungen ihm gemachten Antrag nur unter der Bedingungein, daß diese Machtertheilung durch eine Staaisverfaffung gemildert würde, wel-che — dies waren des Fürsten denkwürdige Worte — ,,die Vorrechte und Frei-heiten des Volks verbürge und es gegen jeden Eingriff m dieselden sicherstelle".Ein-Commission von 11 Müqliedern, unter denen sich die bisherigen Zweimän-ner befanden, ward mit dein Entwürfe dieser Staaisverfaffung beauftragt, wel-cher jedoch die Erwartungen unbefangener und einsichtsvoller Vaterlandsfreundenicht ganz erfüllte. Mehr als ein Drittheil umfaßte die Rechte und Vorzüge desregierenden Hauses; die hauptsächlichste» staatsbürgerlichen Einrichtungen, na-m ntlich die der Prosinz-alstäude, wurden auf besondere, späterhin zu erlassendeBei fügungen verwiesen, und so wenig die Grundsätze der Rechtspflege als die derFinanzen erschövfend aufgestellt. Zwar ward diefr erste Entwurf vor der Ab-stimmung öffentlich bekaumgemacht; allein durch die Bestimmung, welche ausder D -lammlung der aus allen Departements der ehemals Verein. Niederlande zur Einstimmung zusammenberusenen 600 Noiabeln alle Bemerkungen und Unter-suchungen verbannte, ward jede Vervollkommnung der Tonstitution ausgeschlos-sen. Von den einberufenen Notabeln erschienen nur 475. Unter de» fehlenden125 fanden sich ausgezeichnete Männer, die sich zum Theil jene bloß bejahendeoder verneinende AbstimmungSweife nicht gefallen lassen wollten, zum Theil sich