Niederlande (Königreich der), seit 1815 84!)
bat für jeden Zweig des öffentl. Unterrichts, besonders für die Volksschulen, vielgethan. Ihre Einwirkung auf den Unterricht macht sich durch den philosophischen(Keift, welcher sie leitet, bemerkbar; sie verwirft keine Methode, sie beschützt denGang der Aufklärung, ohne ihn zu fürchten, und scheut keine Kosten. Vergebenssuchte 1825 das römische Kirchcnregiment die katholischen Lehranstalten in Belgien der Aussicht der Staatsbehörden zu entziehen (s. die Actenstücke im „Sophronizon",1826, St. 1), und noch 1829 verlangte der belgische Katholik Freiheit des Unter-richts, um seine Kinder den Jesuiten anzuvertrauen. Doch die Erklärung des Rec-torö des Waisenhauses in Gent , des Abbe Zinserling, enthüllte das Gefährlichedieser aussichtslosen Freiheil. — Zur Ergänzung der nieterländ. Geschichte ward einekönigl. Commission niedergesetzt, welche noch ungedruckteMscpte.herausgibt. Aucherrichtete der König am 3. Zuli 1826 eine Commission für die Statistik des Reichs,die ihre Arbeiten bereits in Druck gegeben hat. Aus den Messungen und aOronom.Beobachtungen des Generallieut. Baron Kravenhoff (s. d.) entstand die vor-treffliche chorographische Charte von den nördl. Provinzen der Niederlande (Brüssel 1823, 9 Bl., 70 Gld.), die sich an die großen Charten von Cassini und Ferrarianschließt.
Daß die Niederlande zu den am besten angebautenLändern Europens gehören,ist bekannt. Nach Cloets'S „kluixiol (In I'-nliiniiistialeur, ou t.ilileon «lulistigue<Ie >e cke« K-ivs-Iuii" (Brüssel 1823) leben auf demselben Raume in den
Nieder!. 3185, in England 1655, in Frankreich 1500, in Östreich 1120 und inRußland 180 Mensche». Den Zustand der Volkswirthsckaft ersieht man aus derbrusseler Monatsschrift: ,,üuuinul ck'.iAiiculluil', ck'öcoixiniie r»>:>!e el N,< 1 -Iiuüietuirs <1,1 ,,^!>uiiie <1es (seit 1816). — Um die verschiedenen In-
teressen der südl. und der nördl. Provinzen in Hinsicht aus Landwirthschaft, Ge-werbsteiß und Handel zu vereinigen, wurden in den letzten Zähren mehre zweckmä-ßige Einrichtungen getroffen. Die königl. Ordonnanz vom 28. Zuni 1818 befahldie Errichtung von LandwirthschafiSgeseUschaften in jeder Provinz des Königreichs.Insbesondere verdient die Austrocknung der Moräste und der Anbau öder Landstrichedurch die Anlegung von Armeneolonien und Torfstechereien erwähnt zu werden. DieEinrichtung dieser Armeneolonien, z. B. zu Frederiksoord (s. d.) imnördl. und zu Worte! (seit 1822) im südl. Theile der Niederlande , ist nachahmungs-werih. Ehemals wurden alljährlich 10 Mill. Glt. für die Armen ausgegeben.Dieses Capira! wird nicht nur großencheils erspart, sondern auch ein bedeutenderZuschuß dem Land« vei°schafft. Überdies vermindert sich die Zahl der Armen, welchevorher in manchen Provinzen z derVolkSmengeausmachte. 1823 zählte man über682,000 Hülssbedürfrige. — Zur Belebung des Kunst- und GewerbsteißeS wardeine öffentliche Ausstellung der Erzeugnisse der Notionalindustrie angeordnet, dieseit 1820 jährlich, vom 1. Aug. an, zu Gent stattfindet. Auch befahl der Königim Juni 1820, die Truppen, die Hosleute, und alle Beamte bei müden Anstaltensollten sich nur in inländische Stoffe und Zeuch« kleiden; diese Verordnung begün-stigte rarzüglich die belgischen Manufaciuren, welche während der Vereinigung mitFrankreich lehr geblüht hatten. Zugleich machte aber der starke (jedoch siit 1827 er-mäßigte) Zoll auf stanz. Tücher und Weine ein strengesMauthsysiem an der Grenzenöthig, wodurch mehre franz. Handelshäuser bewogen wurden, sich in Brüssel undandern nieder!. Städten niederzulassen. Es hatten nämlich gegen den früher in densüdl. Provinzen gestatteten Transiwhandel die belgischen Manufacturisten und Fa-brikanten große Beschwerden erhoben; als nian nun auf ihr Verlangen die engl. undsraiss. Einfuhrwaaren (z. B. die französischen durch die Verfügungen vom 20. Aug.1323) stark mit Zöllen belegte, so zog sich der englische Einfuhrhandel aus denholländischen Häfen weg nach Hamburg und andern norddeutschen Stätten, wasneue Beschwerden der nördlichen Provinzen zur Folge hatte, daher man den ZollCvnversatlonS-Ltticoa. Ld. IN. 54