Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
16
JPEG-Download
 

16

Dccidentalisches Kaiftrthum

Valentinian lll., ein sijähr. Kind, nun abendländischen Kaisei' ausgerufen. Pla,oidia ward zurVormünderin erklärt und behauptete sich als solche 25 I. lang, wäh.rend welcher Zeit das abendländische Reich seinem Untergänge immer näher gebrachtwurde. Während Dalentinian'.S Regierung stiftete Gensench, König der Wandalen,in dem römischen Afrika (428) das vandalische Reich. Ein zweiter Verlust für dasweströmische Reich war die Abtretung des westl. Illyriens an den Orient, womitPlacidia für ihren Sohn eine Gemahlin (die Tochter des Theodosius und der Athe-nais, Eudopia) erkaufte (437) und zugleich dem Hofe von Byzanz die Kostendes Krieges gegen Johannes (einen ehemaligen Geheimschreiber des Honorius, dernach des Letzter» Tode sich des Throns zu bemächtigen gesucht hatte) ersetzte. Hier-auf kam Attila , der Hunnen König, Genserich'ö Bundesgenosse, und begehrte dieHand der Honoria, des Valentinian Schwester (die von Konsianiinopel aus, wo-hin sie, wegen eines zu vertrauten Umgangs mit ihrem Kammerherrn Eugenius ,verwiesen worden war, sich selbst und ihre Ansprüche auf Italien dem Hunne» hatteantragen lassen), nebst ihrem Erbiheile. Die abschlägige Antwort hierauf ent-schied den Krieg, welchen Attila mit einem Einfall in Gallien begann, und dermit der gewaltigen Schlackt in den catalaunischen Feldern (bei Ehalons 450) sichendigte, wo der römische Feldherr AI tiuS, verbunden mit Theodonch, derGothenKönig, das Heer des Attila schlug, und dessen Macht vielleicht gänzlich hätte ver-nichten können, wenn nicht die politische Rücksicht, in den Hunnen ein Gegenge-wicht gegen die mächtigen Gothen zu erhalten, den Ai-tius zum Rückzüge und zurTrennung von seinen Verbündeten veranlaßt hätte. Darauf brach Attila , um seineAnsprüche auf die Prinzessin Honoria und ihr väterliches Erbe geltend zu machen,451 in Italien ein, wo er Aguileja, Padua, Vicenza, Verona und Bergamo zer-störte. Er hatte Mailand und Pavia geplündert, als Valentinian von Rom ausdurch eine Gesandtschaft um Frieden bat. Die Redegewalt des Bischofs von Rom(Leo I. ), der an der Spitze der römischen Abgesandten stand, und der Eindruck,den seine Umgebungen auf den Hunnen machten, bewogen diesen, von der Erobe-rung Roms gegen ein Lösegeld, das den Werth des ErbtheilS der Honoria beirug,abzustehen. Aus Leidenschaft zu der schönen Ildico vergaß Attila die Honoria,welche mit lebenslänglicher Einkerkerung den Einfall, Königin der Hunnen zuwerden, abbüßte. Nach Attila'S Tode (153) hätte Valentinian glücklich regierenkönnen, wenn er weniger leidenschaftlich gewesen wäre. Verführt durch die Ein-flüsterungen des Eunuchen Heraklius, glaubte Valentinian i » dem Stolze seinesOberfeldherrn Ai tius verrätberiscke Absichten zu Erkennen. Darum stieß er dem-selben, in der Hitze eines Wortstreits im Palaste zu Rom , mit eigner Hand seinSchwert in die Brust. Die Nemesis erreichte den unbesonnenen Tyrannen, als erdie Gemahlin des Senators Mapimus geschändet hatte; der beschimpfte Gemahlrächte sich, und Valentinian , der letzte römische Kaiser aus dem Stamme des Theo-dosius, fiel (15. März 455) auf dem Marsfelde, mit seinem Günstlinge Herakliuszugleich, durch die Schwerter zweier Anhänger des ermordeten AßtiuS, die sichunter des Kaisers Leibwache befanden. Darauf ward der Senator und PatrizierPetronius MarimuS vom Ltenat und Volk zum Kaiser ausgerufen. Dieser ver-mählte seinen Sohn mit der ältesten Tochter des vorigen Kaisers, und zwang Va-leniinian's Witwe, Eudopia, ihn zu heirathen. Doch schon nach 3 Monate»ward er das Opfer ihres Hasses. Eudoxia rief (da ihr von Konstantinopel keineHülfe komme» konnte) den Konig Genserich in Earthago zu ihrer Befreiung voneinen! verhaßten Gemahle herbei. Genftrich landete >m Hasen von Osina, derfliehende Maximus ward in den Straßen Roms gesteinigt und in die Tiber ge-worfen, die Hauptstadt selbst aber, durch Leo des Großen Beredtsamkeit noch ein-mal von Brand und Mord gerettet, 14 Tage lang geplündert; alle Denkmäleraus der Vorzeit und alle Kostbarkeiten, die in den seit Alarich's Einfall verflösse-