Band 
Achter Band. O bis Q.
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OctaviuS

Aculircu

Reize der Kleopatra der sittsamen Schönheit seiner Gattin vor. Sie war nach ih-rer Vermählung ihrem Gemahle nach Athen gefolgt, wo sieden Winter (39 v. Eh.)mit ihm verlebte, ohne an den üppigen Bergnngnngen, denen dieser sich überließ,Geschmack zu finden. Ohne ihre vermittelnde Dazwischenkunft wäre schon da-.malS der Bürgerkrieg zwischen OctaviuS und Antonius aufgebrochen; sie aber be-sänftigte zunächst durch die dringendsten Bitten ihren Gemahl, der über das Miß-trauen ihres Bruders gegen ihn erzürnt war, und begab sich dann, die Beschwer-lichkeit der Reise trotz ihrer Schwangerschaft nicht achtend, mit seiner Bewilligungvon Griechenland nach Rom , und bewog ihren Bruder, in eine Unterredung mitAntonius zu willigen und sich mit ihm auszusöhnen. Als AntoniuS in den Krieggegen die Parther ziehen wollte, begleitete sie ihn bis Koreyra, und kehrte dannauf seinen Befehl nach Italien zurück, um bei ihrem Bruder zu bleiben. NeueMißverständnisse entstanden zwischen Antonius und OctaviuS. Um einen Ver-wand zum Bruche zu erhalten, befahl OctaviuS seiner Schwester, sich zu ihremGemahl zu begeben, in der Erwartung, daß dieser sie zurückweisen werde. Wirk-lich geschah dies. Antonius vergnügte sich mit der Kleopatra zu Leukopokis, alsBriefe der Ocravia aus Athen ihm meldeten, daß sie mit Geschenken und Truppennächstens bei ihm sein werde. Dieser Besuch war der Kleopatra so unwillkommen,daß sie nicht eher abließ, bis Anionius seiner Gemahlin den Befehl zur Rückkehrschickte. Auch jetzt trat sie nochmals vermittelnd zwischen beide Nebenbuhler.OctaviuS befahl ihr, das Haus eines Gemahls zu verlassen, der ihr so verächtlichbegegnet sei; sie aber bat ihn im Gefühle ihrer Pflichten, als Gattin und Röme-rin, sich ihrer nicht gegen einen erzürnten Gemahl anzunehmen und die Wohl-fahrt der Welt und zweier so iheuern Personen nicht eines WcibeS wegen durchdie Gräuel des Kriegs zu stören. OctaviuS erfüllte ihren Wunsch: sie blieb indem Hause des AmoniuS und beschäftigte sich gleich sorgfältig und zärtlich mit derErziehung der Kinder, welche derselbe mit ihr und seiner ersten Gemahlin Fulvia gezeugt hatte. Dieses edle Betragen der Octavia regte den Unwillen der Reinergegen den Antonius noch mehr aus. Endlich verstieß sie ihr Gemabl und befahlihr, sein Haus zu verlassen. Sie gehorchte, ohne sich zu beklagen, und nahmalle seine Kinder, mit Ausnahme des ältesten Sohns, Aniillus, der sich bei demVater befand, mit sich. Bald war sie Zeugin des auSbrechenden Bürgerkriegs.Sie starb im I. Roms 742 (12 I. v. Ehr.); AugustuS hielt ihr die Leichenrede,lehnte aber die Ehrenbezeigungen ab, welche der Senat ihr zuerkannt hatte.

OctaviuS oder O c t a v i a n u s, s. AugustuS.

Octroi oder O c t r o y, ein altes franz. Wort aus der Kanzleisprache (vonsnctoi il.lii), eine Bewilligung, Verstärkung einer Freiheit von Seiten der Regie-rung ; es wird besonders von Handelsprivilegien gebraucht, die einer Person oderGe-sellschaft ertheilt werden. Daher heißen octroirte Handelscompagniensolche, denen das ausschließende Recht, einen gewissen Handel zu treiben, durch einPrivilegium bestätigt worden ist, wie z. B. die ostindische Compagnie in Englandu. a. Im ähnlichen Sinne spricht man von octroirten Verfassungen, imGe-gensatze derjenigen, die nicht wie diese einseitig von dem Fürsten gegeben wurden,sondern aufVerirag zwischen ihm und den Volksvertretern beruhen. In Frankreich heisttOctroi eine an den Thoren einiger Städte von Lebensmitteln zu zählende Ab-gabe. Auch hieß die 1804 über das Rheinzollwesen geschlossene ÜbereinkunftRheinschiffsahrtS-Octroi (s. d.).

Ocularglas, in einem Fernrohre dasjenige Glas, welches demAuge zugekehrt ist.

Oculiren (Äugeln), das Verfahren des Gärtners, nach welchem er dasniit Sorgfalt ausgeschnittene Auge eines Baums oder Strauchs in die aufge-schlitzte Rinde eines andern so einseht, daß es fortwachsen kann. Der Zweck die-