Band 
Achter Band. O bis Q.
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Ode

Es ist das unzugängliche Heiligthum der großherrlichen Lust. Das kleine, oderdas Frühlings-, und Herbstharem sind von Pouqueville und Clarke theilwcis, inseiner vollen Ausdehnung von I. v. Hamnier beschrieben. Tavernier konme bloßnach dem Hörensagen von dem Aufenthalte dieser schönen Gefangenen eine Be-schreibung geben, da selbst Lady Montague sicher nur auf der Meeresseite ,n denHarem gelassen ward, oder wenn sie wirklich das Innere betrat, wol nur den Ha-rem einer an euren Großen vermählten Sultanin berührte. Ärzte haben bis jetztbei außerordentlichen Gelegenheiten unter allen Europäern allein die innern Kam-mern gesehen. Franz, und ital. Dichter haben den Namen OdaliSke nach ihrerWeise dem Reim zu Gefallen geändert und die Vorstellung von ihrem alle Sinnebefangenden Zauber in Aufnahme gebracht. So ists gekommen, daß man diesevon der Welt gesonderten Sklavinnen als Gegenstände des höchsten Reizes darge-stellt hat, da ihnen doch im besten Falle nur bevorsteht, nach dem Antritt einesneuen Sultans als ausgediente Günstlinginnen »ach Eski Serai, dem alten Se-rai, zu wandern und in demselben, von Verschnittenen bewacht, die alte Zeit le-benslang zu beweinen.') 1 9 .

Ode , ein Gedicht der re?!ilyrischen Gattung oder derjenigen Classe der lyri-schen Gedichte, welche das innere Leben des Dichters, wie es sich in einzelnen Zu-ständen des bewegten Gefühls verkündet, am unmittelbarsten und reinsten, d. h.in seiner unmittelbaren Äußerung in der Gegenwart, ausdrücken. (S. Lyrik.) DieGriechen nannten jedes lyrische Gedicht, welches sich vorzüglich zum Gesänge eig-nete, mithin vorzüglich das reinlyrische Gedicht, entgegengesetzt dem elegischenoder der Elegie, eine Ode (<öä^), d. i. Gesang, Lied, und umfaßten darunterauch das Lied, welches die Neuern von der Ode abgesondert haben. Wir kennendie griech. Oden durch die Chorgesange der griech. Dramen, durch Pindar's heroi-sche Oden, welche die Wieger in den geheiligten Nationalspielen und Kämpfen alsSöhne der Götter preisen, durch die wenigen Überreste der Liebesgesänge derSappho , des AlcäuS u. A., durch die Anakreontischen Gesänge, durch die Sko-lien, und durch die Nachahmungen der Römer, besonders im Horaz. Weder derGegenstand noch der Grad des Gefühls und der Erhebung schloß ein reinlyrischesGedicht von diesem Namen aus. Auch die Hymnen oder Lobgesänge der Götter(die Homerischen Hymnen gehören jedoch nicht hierher, denn sie sind epischer Art,die nach den gepriesenen Gottheiten selbst verschiedene Benennungen erhüben,Z. D. die Dithyramben (nach der ursprünglichen Bedeutung Hymnen aufBacchuS,konnten dazu gerechnet werden. Die Oden der Alten unterscheiden sich von denlyrischen Gedichten der Neuern dadurch, daß sie, gemäß dem herrschenden Cha-rakter des Alterthums (s. Antik), das Gefühl mehr durch die Gegenstände selbstschildern. Denn das Plastische oder die Gestaltung des Innern zur äußern An-schauung ist ein Hauptzug der griech. Kunst; in einer bewegten Reihe klarer Bil-der. in mannigfaltigen, kunstvoll verschlungenen Rhythmen sprach sich bedeutsamLas Gefühl des Dichters aus. In neuern Zeiten hat man die Ode von dem Liedegetl-ennt, sodaß man die Ode als diejenige Art der lyrischen Poesie betrachtet, wel-che die tiefern Bewegungen des Gemüths und den Wechsel starker, erhabener Ge-fühle der Lust und Unlust niit hohem Schwünge der Begeisterung verkündet.Ihre Gegenstände sind die erhabensten, von deren Größe und Macht durchdrun-gen der Sänger zu erliegen scheint; aber er richtet sich auf im Gefühle seinerKraft, und sie heben ihn himmelan. Hier offenbart sich der ganze Reichthum des

*) Gerodet'L berühmtes Gemälde, Oü-Usgue, drückt die Mischung von Empfin-dung ans, die ein noch unschuldiges, schamhaftes, orientalisches Weib erfüllt, wennes vor Dem erscheint, der Alles wagen darf. (Lithvgrapkirk von Aubrnle Eonite,Paris 1823.), Das Wort kommt her von Oda, der Zimmerablkeilung im Serail,welche diele fursil. Mailreffen bewohnen.