54 Ölmalerei
Farben leichter erhalten, als wenn man die,Farben muß flehen lassen, wie sie zuerstaufgetragen worden sind. Auch können Ölfarben übereinandergesetzt werden, so-daß die untere durchscheint: ein wichtiger Vortheil, den die Wasserfarben nicht ha-ben. Ferner, da die Ölfarbe zähe ist, und nahe aneinandergelegte Tinten nichtineinanderfließen, so kann der Maler sowol eine bessere Mischung als eine beque-mere Nebeneinandersetzung der Farben erreichen als in Wasserfarben. Hingegenhat die Ölfarbe auch das Nachtheilige, durch einen Schimmer des auffallendenLichtes zu blenden, daher man ein Ölgemälde nicht von allen Standpunkten gleichgut sehen kann, und daß der Staub fester darauf hastet, welchem Übel man oftdurch einen Überzug von Firniß zuvorkommen will. Mit der Zeit werden die Far-ben allmälig dunkler, namentlich nehmen die Fleischfarben einen gelbröthlichen Tonan, wodurch die Wahrheit der Gemälde sehr leidet. Die Schuld davon liegt andem Äle, mit welchem die Farben angemacht werden; denn jedes öl wird mit derZeit gelb und steckt dadurch alle fette Tinten an. Am gewöhnlichsten bedient mansich dazu des Nußols, mit welchem die Farben aufgelöst und gerieben werden, undwelches seiner Natur nach trocknend ist. Das Leinöl, als das gröbste und fetteste,wird zum Gründen gebraucht. Auch ersetzt man das Nußöl durch Mohnöl, welchesweißer u. Heller ist als dieses und ebenfalls trocknet. Da aber einige Farben, wennsie gerieben werden, sehr schwer trocknen, so hat man sich mannigfaltiger Firnisse be-dient, welche man unter die schwer trocknenden Farben mischt. Ein großer Vortheilder Ölmalerei ist auch der, daß der Maler die Wirkung seiner Arbeit sicherer beurthei-len kann, indem die Farben im Trocknen sich nicht verändern, wie die Wasserfar-ben; nur muß er, um dem angeführten Nachdunkeln entgegenzukommen, gleichanfangs den Ton etwas kräftiger und Heller halten und das rechte Maß im Öle zutreffen wissen. Viele wenden daher auch einiges Spicköl an, welches die Farbenflüssiger macht und bald verfliegt; nur hindert oft der Glanz der Farben die Wir-kung des Gemäldes. Man malt mit Öl auf Holz, Kupfer und andre Metalle, auchaufMauern, groben Taffent, jetzt aber am gewöhnlichsten aufLeinwand, dieaufeinen Blindrahmen gezogen und mit Leim oder Goldgrund, von Einigen auch mitweißen Wasserfarben überzogen oder gegründet wird. Wenn die Leinwand zuberei-tet ist, pflegt man das Bild mit weißer Kreide zu zeichnen, und fängt dann an, mitFarben den Grund zu machen. Man reibt die Farben mit dem sogenannten Läuferauf einem Porphyr, bis sie die Steife eines dicken Breies haben. Der Palette(s. d.) bedient man sich, um die geriebenen Ölfarben zur Arbeit fertig aufzusetzen,welche in gehörigen Stufenfolgen angeordnet und gemischt werden. Zuerst wirddas Gemälde untermalt; der Entwurf muß mit denselben Tinten gemacht werden,womit man ausmalt. Ein gewisser Picault wird als Erfinder der Kunst, die Far-ben der Ölgemälde vorn Holze abzulösen und aufLeinwand überzutragen, genannt;in neuerer Zeit pflegt man das wurmfräßige Holz bis auf die Unterfläche des Ge-mäldes ganz fein abzuhobeln und diese auf neues Holz überzutragen. (S. Fio-rillo's „Gesch. der zeichnenden Künste", 2. Bd., S. 116.) Noch gewöhnlicher istjedoch die Kunst, Ölbilder aufzumalen (zu retouchiren), angewendet und aus einenhohen Grad der Fertigkeit erhoben worden. Doch kann man kaum verhindern, daßnicht nach einiger Zeit die Spuren davon bemerkt werden sollten. Auch pflegt mandie auf Leinwand gemalten Ölbilder auf neue Leinwand aufzuziehen (welches dieFranzofen renloiler nennen), wenn die Leinwand anfängt auSzufäseln oder Riffezu bekommen und abzuspringen. Über die Entstehung und das Alter der Ölmalereihat viel Streit geherrscht. (Die Literatur dieses Streites steht in Sulzer's „Theo-rie rc.", 3. Thl., L. 571, 752, und Blankenburg's „Zusätze zu Sulzer", 2. Thl.,S. 425.) Die ältere und gewöhnliche Meinung war, daß Ioh. van Eyck (f. d.),auch Ioh. van Brügge genannt, diese Kunst im 14. Jahrh, erfunden habe. Nacheiner neuern Meinung jedoch gibt es weit ältere Ölgemälde als die deö Jloh. van