Band 
Achter Band. O bis Q.
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Oper

den, wo sie ihre Empfindungen lyrisch aussprechen können, und mannigfaltigeAffekten und Leidenschaften in verschiedenen Graden und Abstufungen abwech-seln. Wenn dieses zwar die strenge Ausbildung der Charaktere und den unun-terbrochen raschen Fortgang der Handlung zu hemmen scheint (weßhalb auch dieOper weder Charaktere noch Handlung in demselben strengen Sinne haben kann,in welchem sie z. B. der Tragödie zukommen), so ist die Oper dadurch auf der an-dern Seite geschickter, auch solche Stoffe zu versinnlichen, welche dem strengenDrama sich mehr entziehen. Dies sind vornehmlich romantische Zauberstoffe,Feenmärchen, idyllische und romantische Bilder, deren Innerstes erst durch Mu-sik vollkommen lebendig ausgesprochen wird. Denn der Gesang wird in derOper zur Rede, und eine solche ätherische Sprache ist vorzüglich geeignet, dieSprache zauberischer Wesen (Feen, Gnomen, Sylphen) zu sein. Hieraus folgtvon selbst, daß historische und heroische Lüoffe nur dann den Hörer ansprechenkönnen, wenn sie aus dem Zartesten und Tiefsten der menschlichen Empfindunggeschöpft sind, sofern sie aber nur durch strenge Charakterentwickelung im fort-schreitenden Handeln ausgeführt werden können und ihr Zusammenhang mehrvon dem Verstände als von der Phantasie aufgefaßt werden kann, der Naturder Oper am ungünstigsten sind, und daß man nur aus sich selbst mißverstehen-der Vornehmheit die heroischen, historischen und bürgerlichen Opern jenen vor-gezogen hat. Es folgt daraus ferner, daß der Dichter der Oper, mit der Na-tur der Musik vollkommen vertraut, musikalisch dichten, d. h. sowol den drama-tischen Stoff als die einzelnen Theile in der Ausführung so behandeln müsse, daßer der Tonkunst Gelegenheit gibt, Das, was der Poesie unaussprechlich bleibt,auf die ihr eigenthümliche Weise auszudrücken. Haupterfoderniffe der Behandlungsind daher nach dem Vorigen: leicht gezeichnete und gut contrastirte Charaktere,Mannigfaltigkeit lyrischer Situationen, Angemessenheit des lyrischen Ausdrucksan dein Charakter der Personen rc. Was sonst und überhaupt zur musikalischenPoesie gehöre, die nian wol zweckmäßig andeutende oder skizzirende Poesie nennenkönnte (z. B. einfache, leichte Rhythmen, Gedanken, die mehr Gefühl und Phan-tasie als den Verstand in Anspruch nehmen), müssen wir der Kürze wegen über-gehen. Aber es leuchtet endlich auch ein, warum große Operndichter so selten sind;denn wer mit Musik nicht innig vertraut ist, dem muß die Verbindung der Poesiemit Musik, zu welcher der Operndichter hinwirken soll, nur als eine unwürdigeDienstbarkeit, ein Zwang der Poesie erscheinen. Doch kann die Seltenheit einerguten Oper in poetischer Hinsicht bei hoher Ausbildung des Musikalischen Bestand-theils nichts gegen die Gattung selbst entscheiden, denn wer möchte läugnen, daßdie Oper einen weit tiefern Eindruck auf Gebildete machen würde, wenn sie auchin poetischer Hinsicht sich durchaus vollendete. Es soll aber auch von der andernSeite die Musik sich zur Poesie, und zwar zur dramatischen, erheben. Dies erfo-dert, daß die Opernmusik charakteristischer unk gedrängter sei als eine andre Artvon Musik, die sich mit Poesie verbindet, daß sie also nicht, wie die neuere italien.Musik, den poetischen Text nach Willkür behandle, und nicht durch lange Concert-stücke den Gang der Handlung völlig aufhalte. (Ein Muster ist hier Salieri's„Axur ".) Der Natur des Kunstwerks gemäß muß sie einen Gesammtcharakter tra-gen, wie z. B. Mozart's „Zauberflöte " sich durch ihren feierlich ernsten Charakter,ungeachtet der eingeflochtenen naiven Partien, von dem sinnlich lebendigen Coloriteines „Figaro " oder andrer Mozart'schen Opern sprechend unterscheidet. Fernermuß es, wie in den letzten Opern, auch gewisse, durch Musik, d. i. sowol durch Ge-sang als durch Insirumentalwirkung, individuabsirte Charaktere geben, und ihrelyrischen Monologe (Arien, Cavatinen, Ariosos) und Dialoge (Duette, Ter-zette rc.) müssen in gehöriger Abwechselung unter einander und mit dem kräftige»Chor dem Ganzen eine erfreuliche Mannigfaltigkeit verschaffen. Die Hauptauf-