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Oper
gäbe des Tonsetzers aber ist, die im Texte ausgesprochenen Gefühle und Leidenschaf:ken der bandelnde» Personen mit der Stärke und Eindringlichkeit auszudrucken, dieder Tonkunst eigen sind. Das Vorherrschen der ernsten oder heitern Stimmung,welches durch den Stoff der Fabel bestimmt wird, und sonach zugleich des großenoder des leichtern SwlS in der Musik, bildet den Unterschied der sogenanntenOper-, 5 orn> (große oder ernsthafte Oper) und der Opera b»tll, (komische oderscherzhafte Oper); und wiewol sich jene im Ganzen nach der Seite der Tragödie,diese nach dem Lustspiel humeigt, so ergibt sich doch aus dem Vorigen, daß wedereine ernste Oper so rein tragisch und einfach sein könne als die Tragödie, noch diekomische Oper eine so verwickelte Intrigue haben könne als das Lustspiel. Denndie Musik spricht unmittelbarer zum Gefühle als zum Verstände; das Komische,dessen Ursprung die Reflexion ist, vermag daher nicht ohne lyrische Beimischungdie Oper auszufüllen, weshalb auch das Groteske und Burleske der Oper sehrgünstig ist. Es gibt aber auch einen mittlern Styl: nur sind die Grenzen hierschwer zu bestimmen. Beispielsweise würden wir Spontini'ö „Bestalln" eineOper:, ^ens. Eimarosa's iuuiulo zogielu" ltnd mehre Conversations-opern eine Oper.-, Imtla nennen, und Mozart'« „Entführung aus dem Serail ",sowie viele Paer'sche Opern, würden wir zu dem ,„e,,?.n 51U0 (mittlern Styl)rechnen. Die Oper ist große Oper oder musikalisches Drama im vollkommen:flen Sinne des Wort«, durch welche die Musik ununterbrochen hindurch ge-het, sokaß sie nicht durch gesprochenen Dialog unterbrochen wird, dessen Stellevielmehr das der gesprochenen Rede sich annähernde musikalische Recitativ(s. d.) vertreten muß. Warum dies heutzutage bei den Deutsche» nicht so anspre-chen will, liegt an der Seltenheit gut recitirender Sänger bei den Deutschen undder Seltenheit derComponisten, welche das Recitativ über die gewöhnlichen bedeu-tungslosen Phrasen zu erheben im Stande sind, wodurch musikalische und unmu-sikalische Personen sich gelangweilt finden, endlich vielleicht auch an der Gewöh-nung und Entwöhnung der Deutschen. Frühzeitig jedoch fühlte man die Einför-migkeit, welche schlechte Recitative hervorzubringen im Stande sind, und dies gabGelegenheit zur Operette im ältern Sinne, welche man, als eine Nachahmungfranzösischer, mit Lieder-und Romanzengesang vermischter Schauspiele, von dereigentlichen Oper so unterschied, daß bei dieser der gesprochene Dialog nie eintrat,in jener aber Gesang und Dialog, wie jetzt in den metsteu deutschen Opern, ab-wechselte. Dies that man anfänglich nur bei komsschen Opern, welchen dieserContrast auch noch am günstigsten zu sein scheint; daher man diese Gattung beiden Deutschen auch Operette nannte. Späterhin ward diese Abänderung auch indie ernste Oper eingeführt, sodaß wir neuerdings unter Operette, wie in derfrühesten Zeit, nur ein Singspiel von geringerer Ausführung, kleinerm Umfangund leichterm Charakter, unter Oper aber die umfassendste Gattung des Sing-spiels verstehen. Dieser regelmäßig wiederkehrende Wechsel des gesprochenen Dia-logs und des Gesangs, welcher für da« gesunde Ohr immer einen unangenehmenAbfall bewirkt, crfodert nun, daß der Dichter alle lyrische Bewegungen der Perso-nen in die Musikstücke verlege, worauf die Prosa um so mehr als Prosa erscheint.Aber um die im Gesänge oft so schlecht aussprechenden Sänger zu verstehen, undvon der Handlung, die man vor sich sieht, doch Etwas zu erfahren, läßt man sichlieber die Zwittergattung gefallen, als daß man die vollkommenere ausbildete. Alsdie Deutschen die Operette auf ihre Bühne brachten, behandelten sie dieselbe,dem damals herrschenden Wahrscheinlichkeitsprincip zu Liebe, eigentlich alsLust-spiel mit Gesang, und suchten alles Singen durch besondere Motive, z. B. Aufrufzum Singen, Versprechen Etwas vorzusingen ic. einzuleiten, was sich nicht oftohne Gesuchlheit wiederholen ließ. Dies nöthigte allmälig zu größerer musikali-scher Ausbildung der Gesangstücke nach dem Vorgänge der Italiener (s. unten).