Band 
Achter Band. O bis Q.
Seite
66
JPEG-Download
 

6«

Oper (Geschichte)

teverde ging dann nach Venedig, von wo aus sich die Oper weiter durch Italien verbreitete. Die erste luillä, soll 1624 zu Venedig aufgeführt worden sein;daselbst wurde auch die erste Opernbühne (1637) errichtet. 1646 wurde die Operdurch den Cardinal Mazarin nach Frankreich verpflanzt. (S. Franz. Schau-spielkunst.) In Deutschland wurden schon zu Haus Sachs'« Zeiten (st. 1567)gesungene Fastnachtsspiele aufgeführt. Die Konigin -Sophie Charlotte unterhieltin Deutschland die erste ital. Oper, wobei Dononeini Capellmeister war. Den er-sten eigentlichen Operntext verfertigte Mark. Opitz (st-1669); er hieß „Daphne"und ist eine Nachahmung des oben erwähnten ital. Singspiels „Daphne". Nachherschrieb Paul Thiemich die Oper „Alecste", die erste, die 1693 zu Leipzig i» derOstermeffe aufgeführt wurde. Aber sie war ebenfalls aus dem Italienischen bear-beitet. Die erste deutsche Originaloper soll „Adam und Erm" sei», welche 1678zu Hamburg gegeben wurde, wo damals der berühmte Cvmponist Philipp Kaiserblühte. Einige halten die Operette: „Der Teufel ist los!" für die erste komischeOper in Deutschland ; Flügel hingegen behauptet, daß es bei uns ebenso früh ko-mische Opern gegeben habe als ernsthafte. Zu Augsburg wurde 1687 zum erstenMal eine deutsche Oper ausgeführt, und zn Nürnberg 1667 ein Opernhaus er-baut, in welchem man 1687 die erste deutsche Oper: „ÄrminiuS", aufführte. InSchweden wurde 1774 die erste schwedische Originaloper: „Birgcr Iarl", von ge-borenen Schweden ausgeführt. In England wurde im 17. Jahrh, die ital. Opereingeführt. Der deutsche Händel bewirkte hier eine Revolution, die aber für dieengl. Oper ohne Erfolg geblieben ist. Zn Spanien drang erst in der zweiten Hälftedes 18. Jahrh, die ital. Oper ein. Die ital. Oper unterscheidet sich von der deut-schen hauptsächlich dadurch, daß durchgehend« nicht darin gesprochen, sondern derDialog recitativisch (d. h. nach Noten, aber ohne Takt) gesungen wird. Bei denItalienern sind auch die Gattungen der <ss>c,.> «er,., und bull-, strenger geschiedenals bei den Deutschen . Jene ist weit ernster, für uns fast leer und langweilig;diese weit mehr groteskkomisch und echt national. Dies bezeichnet auch der ihneneigenthümliche Ausdruck und Charakter der Buffonerie, welche unnachahmlich ist.Unter ihren ernsten Operndichtern zeichnen die Italiener den Apostolo Zeno undhauptsächlich den Metastasio aus, welche Beide im 18. Jahrh, die ital. Oper aufeinen höhen, Standpunkt brachten; unter den komische» Goldoni u. mehre Andre;unter ihren Componisten Sacchini, Piccini, Iomelli, Cünarosa, Salieri , PaL-siello, Zingarelli, Martini, Rossini, Generali ic. (S. Arteaga's „Geschichte derual. Oper", übers. von Forkek, 2 Thle., 1789.) Unter den Franzosen dichtetenfür die Oper Quinault, Lafontaine, la Motte, Marmontel , Favart, Sedaine,Etieune, Jouy, Scribe, Thcaulon; Componisten waren Grätry, Monsigny»Rousseau, Dakayrac, Isouard , Boyeldieu, Catel, Mühul, und die narionali-sirten Spontini und Cherubini . Unter den Engländer» dichteten für die OperAddison, Gay (die berühmte „Dettleroper"), Fielding, Kenrick ic.; ausgezeichneteComponisten sind nicht bekannt. Unter den Deutschen wurde die Operette (s.oben) in der zweite» Hälfte des 18. Jahrh, vorzüglich von Weiße und Hiller mitallgemeinem Beifalle bearbeitet. Um mehr mitsikalischen Genuß in dieses Schau-spiel Zu verweben, wurden nach und nach die Gesangstücke immer weiter ausge-führt und bekamen die Form der ernsthaften Oper. Endlich ertheilte die Benu-tzung de« von den Italienern erfundenen Finale«, in welchem dir Handlung fort-rückt und die Musik zu einer Folge sehr anziehender und abwechselnder Sätze Ge-legenheit gibt, dieser Art von Oper gleichsam den allgemeinen Vorzug, sodafi sievon nun an die herrschende Gattung de« mit Musik verbundenen Schauspielswurde. So entstand unsere gegenwärtige deutsche Oper, in welcher meist gespro-chener Dialog und Gesang abwechselt. Die jetzige komische oder romantische Oper»st also eine Zusammensetzung der Opera zeri» und der Oper» bull» der Italiener,