Orakel
15
len; nun streiten letztere drei Fälle mit der Allweisheit, Allmacht und Nute Gottes,folglich ist diese Welt al» die beste ju betrachten. Dgl. „Sammlung der «Schrif-ten über die Lehr« von der besten Welt" (Rostock 1159), die franz. Preisschriftender berliner Akademie über diesen Gegenstand (Berlin 1155), und Leonh. Creuzer,„1,eilioitil clootrins ele eounclo optiino etc." (Leipzig 1195).
Orakel, GötterauSsprüche, welche angeblich den Anftagenden durch be-geisterte Personen, dann auch die Orte, an welchen diese Aussprüche unter beson-dern Borbereitungen und Gebräuchen ertheilt wurden. Ihre Entstehung und Be-schaffenheit zu bestimmen, fehlt e« fast ganz an unparteiischen Nachrichten des Alter-thums. Dir ägyptischen Orakel entstanden in solchen Zeiten, bis zu welchen nichteinmal Überlieferungen, viel weniger historische Denkmäler hinaufreichen. Dasälteste war das zuMeroe, nächstdem zu Theben und Ammonium. An allen 8 Ortenherrschte der Dienst des Jupiter Ammon. Die Beschaffenheit dieser Orakel könn-ten wir aus einem Abkömmlinge des letztern, dem Orakel zu Dodona (s. d.),dem ältesten m Griechenland , vielleicht mit größerer Sicherheit schließen, wenn die-ses Orakel nicht ein Gemisch aus Pelasgischem und Ägyptischem geworden wäre.Herodot'S Erzählung von dem Ursprünge dieses Orakele unter den Pelasgern zeigt,daß man von Afrika au« versuchte, sich durch Gründung eines Orakels in Griechen-land festzusetzen; allein früher schon war die heilige Buche hier orakelgebend, undda« Rauschen in ihren Wipfeln das Orakelzeichen gewesen; die heiligen Weiber(Wahrsagerinnen, die schwarzen Tauben bei Herodor) aus Afrika ammonisirtenblos dieses pelaSgische Orakel. Nach Ritter deutet das Orakel von Dodona —früher Dodona — auf den uralten Buddhadienst hin. Don demselben Alter warvielleicht das Orakel in Böotien, welches zuerst der Gäa , dann der Thcmi« ange-hört hatte und nachher an den Apollen kam. Später bildete sich das Orakelzu Delphi (s. d.) au«, welcher theil« wegen seiner günstigen Lage, theils wegenfeiner Verbindung mit dem Amphiktyonengerichte zu Pylä da« wichtigste von allenwurde. Außerdem hatten Zeus zu Elis, zu Pisa und auf Kreta in einer unter-irdischen Höhle, Apollo» aber auf Delos , wo das Rauschen der Bäume das Ora-kelzeichen gab, zu Milet , wo eine heilige Quelle, zu Klares unweit Kolophon,wo ein heiliger Brunnen begeisterte u. a. m., Orakel. Nebst dem standen in Grie-chenland in großem Ansehen das Orakel des Trophoniu« zu Lebadia in Böotienund des AmphiarauS zu OropuS , auf der Grenze zwischen Attika und Böotien.Herr hatte ein« im korinthischen Gebiete, Hercules zu Bnra in Achaia, wo derSpruch entwürfelt wurde, Dionysus zu Amphiklea in Phocis, das sich durchTräume erklärte u. a. m. Eines Orakels des Ulysses gedenkt Tzehes, und auchandre Heroen und Seher hatten deren. Die Römer hatten, wenn man dieAl-bunea, die rumänische Sibylla, die sibyllinischen Bücher, das Orakel des Faunusund der Fortuna zu Präneste abrechnet, welche sämmtlich in die älteste Zeit gehörenund nachher verschollen, keine einheimischen Orakel, sondern nahmen ihre Zufluchtzu den gangbaren griechischen und ägyptischen. Wegen Gründung von Städtenund Tolonien, Einführung neuer Verfassungen, wichtiger Unternehmungen imKriege und Frieden, besonder» aber in allen großen Nöthen, wendete man sich,mit Geschenken reichlich versehen, an die Orakel, deren Vorsteher ebenso vielen Be-hutsamkeit als Klugheit bedurften, um sich nicht bloßzustellen. Dunkelheit undZweideutigkeit in den Aussprüchen war ein gewöhnliches Auskunftsmittel. Den-noch kamen zuweilen Widersprüche vor. Trotz deren aber und trotz der bekannt-gewordenen Bestechungen behaupteten sie sich lange in ihrem Ansehen und sankenerst nach dem Verluste der Freiheit und Unabhängigkeit von Griechenland . Unterder Regierung des Theodosius wurden die Tempel der weissagenden Götter zerstörtoder geschloffen. Dale und Fontenelle glaubten das ganze Orakelwesen durcheinen auf Volkswahn gegründeten Priesterbetrug erklären zu können; aber dieser