Oratorium
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Oranien,Orange, ehemals ein kleines Fürslemhum in Frankreich (Deport, von Vaucluse), hatte vom 11. bis zum 16. Jahrh, eigne Fürsten . Derletzte, Philibert von Challon, starb 1531 ohne Kinder, und das Land kam durchseine Schwester, die mit einem Grafen von Nassau vermählt war, an das Hau«Nassau, welches jedoch erst 1570 zum ruhigen Besitze desselben gelangte, und wel«chem zuletzt im ryswiker Frieden, 1697, dieSouverainetät über dieses Fürstenthumbestätigt wurde. Nach dem 1702 erfolgten kinderlosen Tode Wilhelm Heinrichsvon Nassau-Oranien , Königs von England, entstand namentlich über den Besitzvon Orange der langwierige oranische Erbfolgestreit. Hauptbewerber waren derKönig von Preußen, nach dem Testamente seines mütterlichen Großvaters, einesPrinzen von Nassau-Oranien , und der Fürst von Nassau-Dieh, Statthalter inFriesland, welcher sich auf das Testament Königs Wilhelm stützte. Auch dieFürsten von Nassau-Siegen machten Ansprüche darauf, und sämmtliche Bewer-ber nahmen einstweilen den Titel des FürstenthumS an. Das Ende davon war,baß der König von Preußen, des Widerspruchs der schwächern nassauischen Häuserungeachtet, das Land im utrechter Frieden, 1713, gegen anderweitige Vergünsti-gungen, an Frankreich abtrat, welches seitdem in ungestörtem Besitze desselbenverblieben ist. Die Stadt.Oränge, der Hauptort eines Bezirks, liegt an derMeyne in einer an Wein, Öl, Seide und Krapp fruchtbaren Gegend, hat 1500 H.und 8500 Einw., welche Leinwand - und Sergefabriken, Färbereien und Seiden-mühlen unterhalten. Man findet hier römische Alterthümer, worunter die Resteeines Triumphbogens und einer Wasserleitung merkwürdig sind.
Oratorium, ein musikalisches Drama würdigen Inhalts, welches fürbloß musikalische Aufführung — mithin nicht für theatralische Action — bestimmtist. Es erfodert daher von Seiten der Poesie Handlung, wenn auch nicht in demstrengen Sinne des theatralischen Dramas, Bergegenwürtigung einer Handlungoder Begebenheit, es sei unmittelbar durch die zur Handlung und Begebenheit ge-hörigen Personen, oder mittelbar durch erzählende Personen, welche sichln derenStelle versetzen, -und durch den eingreifenden Chor, als der musikalischen Äußerungder Masse von Individuen. Diese Handlung nun muß durch die Idee, welche ihrzum Grunde liegt, einen würdigen und großen Charakter haben, wie z. B. „DieSchöpfung ", und mannigfaltige große, erhebende und rührende Gemükhszuständeder antheilnehmenden Individuen und der Masse herbeiführen, welche die Musikzu schildern geeignet ist, indem sie von den Personen ausgesprochen werden. Vor-züglich hat man geistliche Stoffe, besonders biblische Handlungen und Geschichten,zum Inhalte der Oratorien gemacht. — Das eigentliche Oratorium entstand, alssich die geistliche von der weltlichen Musik bestimmter absonderte. Vorbereitet war«S durch Lieder und abwechselnde Chöre der christlichen Pilgrime, welche in denZeiten der Kreuzzüge auf ihren Wallfahrten das Leben und den Tod des Erlösers,das jüngste Gericht und a. christlich-religiöse Gegenstände auf Straßen und öffentl.Plätzen besangen; anderntheils durch die Mysterien oder dramatischen Darstellun-gen heiliger Geschichten; so wurde schon 1243 in Padua eine Spiritual« v«i»t->liuaufgeführt. Man nennt den kanonisirten Philipp von Neri (geb. zu Florenz 1515,gest. zu Rom 1595), den Stifter der Congregation der Priester des Oratoriums,als Denjenigen, der die Oratorien um 1540 eingeführt habe, um die Lust der Rö-mer an dem musikalischen Drama auf religiöse Gegenstände hinzuwenden; dochmußten die damaligen Oratorien mehr mit Musik begleitete Hymnen sein, weßhalbsie auch u. d. I!. lanüi spirituali zuerst in Rom erschienen. Auch wurde ja erstspäte, das Recitativ (s. d.), welches der musikalischen Erzählung diente, erfun-den. Im Anfange aber waren die Oratorien mehr Erzählungen als Dramen, in-dem eine Person den Zuhörern die Geschichte vortrug, und nur wenige Sätze, wo-durch die Empfindung bei den geschilderten Situationen ausführltch ausgedrückt