Organisation V3
nicht mehr auf das bloße Sein und dessen Erhaltung, sondern geht in Wechselwir-kung auf die Außenwelt, in wirkliche Bewegung und Aufnahme der Außenwelt insich, über. Diese mannigfaltigern Lebensäußeruugen erfode,» also auch eine voll-kommenere zusammengesetztere Organisation. Der animalische Organis-mus enthält daher mehre Theilganze, die von einander geschieden und doch aufdas engste verbunden, ihr verschiedenes Leben haben und doch Einem Zwecke unter-geordnet sind. Er nimmt zwar den Pflanzenorganismus in sich auf, insofern erseine Thätigkeit auch auf seine Reproduclion wenden muß; allein er erhebt sich zu-gleich über die Vegetation, insofern das thierische Leben zugleich aus sich selbstheraustritt, der Außenwelt sich hingibt und mit derselben in Wechselverhälruiß über-geht. Dies bezeichnet nian durch Irritabilität und Sensation, oder Bewegungund Empfindung; es erfodert also zugleich Organe der Bewegung und Empfin-dung. Tonne aber das vegetabilische Leben nur in sich lebt und den organischenSchlaf darstellt, so lebt die Animalität außer sich und im Erwachen, doch ohneBeides noch im Bewußtsein zu vereinigen. Der Mensch nimmt die höchsteStufe des organischen Lebens ein, in ihm ist das Leben weder bloß in sich versenkt,noch bloß der Außenwelt hingegeben, sondern Beides mit Freiheit und Selbstbe-wußtsein vereinigt, die klarste Unterscheidung des Ichs von der Außenwelt und allenäußern Verhältnissen in der Intelligenz (Vernunft) vorherrschend. Die Organi-sation des Menschen ist daher die vollkommenste, zarteste und zusammengesetzteste,da sie nicht nur die Organe des Vegetabilischen und animalischen Lebens m sich be-greift, sondern diese auch für das eigentliche menschliche Leben in der Vernunftsämmtlich beziehungsweise thätig und eingerichtet sind. Organe und Funetionenlaufen also parallel mit einander, bestehen gleichzeitig mit einander, und sind un-auflöslich mit einander verbunden, kein? ist ohne das andre denkbar, eins durchdas andre bestimmt. Der menschliche Organismus stellt das Bild aller übrigenOrganismen in der Natur dar, die sich in ihm wiederholen. nur dem Zwecke desmenschlichen Leben? untergeordnet, erhöht und veredelt; sodaß ein Organ auf dasandre bestimmend wirkt, eine Funekion in die andre eingreift, ein System von Or-ganen in dem andern sich wiederholt. So ist z. B. m jedem Organe Vegetationdurch ErnahrungSgcfäße, Irritabiliiät durch Muskelfasern, Sensibilität durchNervenfasern angedeutet; so ist die vegetabilische Reproduktion durch willkürlicheAnnahme und Auswahl der Nahrungsmittel, durch Herrschaft des Geschmackssin-nes, durch die Unterwerfung unter die Zwecke der Vernunft zur menschlichen Er-nährung veredelt. Da aber das Organ nur durch Inwohnung eignen Lebens zumOrgane wird, so folgt daraus, daß mit der Einweichung des Lebens auch die Tä-tigkeit des Organs verlösche» muß. und das Organ als solches nicht mehr gcdacbtwerden kann. Aus dieser innige» Vereinigung von Organ und Funekion eich, llraber auch, daß Hemmung oder Störung der Funetionen das Organ verändern,gegenrhcils jede materielle Abweichung des Organs eine Veränderung der Functionzur nothwendigen Folge haben muß, wobei die ungetrübte Idee des Lebens in demIndividuum nicht bestehe» kann (s. Gesundheit), sondern eine Abweichung vonderselben entsteht (s. Krankheit), woraus endlich gänzliches Unvermögen desOrgans, seinem Zwecke;» entsprechen, hervorgehen muß; sodaß das Ind viduum,als solches, sich nicht länger behaupten kann (f. Tod), sondern das Leben ;u sei-nem Urquell zurückkehrt, das Organ aber der allgemeinen unorganischen Naturund deren physischen Gesetzen wieder anbei,»fällt. kl,
Organisation in der Kunst. Den Organismus eines schöneii Kimst-werks setzt man der mechanischen Composition ungefähr so entgegen, wie in derNaturgeschichte der Organismus dem 'Aggregate, eine in sich selbst begründete undbedingte Bildung der zufälligen Anbäufung entgegenst, ht. Nur Das, war in derdarzustellenden ästhetischen Idee liegt, soll aus derselbe» entwickelt werden, und