102 Oriflaimne Origettes
Oriflamme (Auriflamme), die ehemalige ReichSfahn« Frankreichs ,war ursprünglich die Kirchenfahne der Abtei St.-.TeniS und wurde von dem Abtejedesmal dem Beschützer dieses Masters (ehedem die Grafen von Vexin und Pon-toise) überreicht, wenn es die Noth erfoderte, für die Erhaltung der Freiheiten undGüter desselben dieWajfen zu ergreifen. Es war dieselbe ein Stück feuerrotherTastet (daher der Name) in Form eines Paniers, unten an drei Orten ausgeschnit-ten, an den Spitzen mit grünseidenen Quasten geziert und an einer goldenen Lanzebefestigt. Als in der Folge König Philipp I. Vexin mir der Krone vereinigte, kames ihm auch als Schirmvogt der Abtei zu, die Fahne zu tragen. Sie wurde nunbei den Heeren geführt und m der Folge die Hauptfahne der stanz. Truppen. SeitKarl Vll. wurde sie nicht mehr in den Krieg mitgenommen. S. Lanzelot's„>1<:m.cle l'Aoacl. lies inscripl." (XIl>.)
O r > g e n e S, mildem Beinamen Adamantius, wegen seine« unermüdlichenFleißes einer der gelehrtesten Kirchenschriftsteller, geb. zu Alexandria 185 n. Chr.,wurde von s. Vater in dem Christenthum und den Wissenschaften unterrichtet.Nachher waren Clemens Alexandrinuü und Ammoniu« s. Lehrer. Schon in zarterJugend gab er Beweise von Seelengröße. Als sein Vater unter Kaiser SeveruSder Religion wegen ins Gefängniß geworfen worden, ermähnte er ihn, eher denMärtyrertod zu leiden als dem Christenrhume zu entsagen. Nachdem er s. Vaterverloren, erhielt er Mutter und Schwester durch Unterricht, den er in der Gram-matik gab. 18 Z. alt, bekam er den Auftrag, die Gläubigen in Alexandria zu un-terrichten. Männer und Weiber strömten herbei. Um der Verleumdung zu ent-gehen, kam er auf den Gedanken, sich zu entmannen, und glaubte diese Handlungdurch eine Stelle im Evangelium zu rechtfertigen. Nachdem Septimius SeveruS im Z. 211 gestorben war, ging O. nach Rom , wo er sich Freunde und Bewunderererwarb. Nach seiner Rückkehr sehte er zu Alexandria , auf des BischofDemetriuSVerlangen, senWu Unterricht fort. Ein Volksaufruhr bewog ihn, nach Palästinazu flüchten. Tue dortigen Bischöfe schätzten ihn so sehr, daß sie ihm erlaubten, inihren Versammlungen Vortrüge zu halten. Aus Eifersucht rief ihn sein Bischofzurück. Bald darauf ward er nach Achaia berufen, das mehren Ketzereien preisge-geben war. Auf seiner Reise nach Cäsarea in Palästina ward er von den Bischöfen,die sich hier beisammen fanden, zum Presbyter geweiht. Dies war der erst«Grund der Verfolgungen, die sein Leben verbitterten. DemetriuS behauptete, nurihm komme es zu, den O.zu weihen, versammelte zwei Concilien, entsetzte ihn desPriesteranitS, untersagte ihm in Alexandria , wohin er zurückgekehrt war, zu lehren,nöthigte ihn, sich von dort zu entfernen, und exeommunicirte ihn. Diese Verurthei-lung wurde zu Rom , wie von den meisten andern Bischöfen, gebilligt. Aber dieKirchen von Palästina, Arabien, Phönizien und Achaia blieben mit O. in Ver-bindung, der die Irrthümer, die man ihm schuld gab, läugnete und sich nach Cä-sarea zurückzog. Theokrist. der daselbst Bischof war, nahm ihn als s. Lehrer aufund vertraute ihm das Geschäft an, die heil. Schrift auszulegen. Nachdem seinVerfolger im I. 231 gestorben war, genoß O. die Ruhe des verdienten Ruhms.Gregor der Thaumaturg und sein Bruder Athenodor ließen sich von ihm unterrich-ten. Die Verfolgung der Christen unter Maximinus nöthigte ihn, sich 2 Jahreverborgen zu halten. Als Gordian 231 der Kirche den Frieden wiedergegebenhatte, benutzte ihn O.zu einer Reise nach Athen und ging sodann nach Arabien,wohin die Bischöfe dieser Provinz ihn riefen, um den BischofBeryll zu widerlegen,welcher läugnete, daß die göttliche Natur Christi vor seiner Menschwerdung existirthabe. O. sprach mit so hoher Beredtsamkeit, daß Beryll widerrief und ihm fürs. Belehrung dankte. Dieselben Bischöfe riefen ihn zu einer Kirchenversamnilung,die sie gegen gewisse Ketzer hielten, welche behaupteten, der Tod sei Leib und Seelegemein. O. sprach auch über diesen Gegenstand so kräftig, daß er Alles für sichgewann. Bei einer neuen Verkolcnma unter dem Kaiser DeciuS wurde O., den